Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – die dritte Botschaft Haggais

Online seit dem 27.09.2016, Bibelstellen: Haggai

Die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten Juden hatten auf die Stimme des Herrn gehört und die Arbeit am Haus Gottes wieder aufgenommen. Doch nach kurzer Zeit wurde einigen von ihnen bewusst, wie unscheinbar und gering das Haus war, das sie bauten. Im Vergleich zu der beeindruckenden Größe und Herrlichkeit des salomonischen Tempels war das Haus, das sie jetzt bauten, „wie nichts“ in ihren Augen. Sie standen in Gefahr, den Mut zu verlieren und die Arbeit am Haus Gottes erneut aufzugeben.

Dieser Gefahr trat Gott entgegen, indem Er dem Überrest durch den Propheten Haggai eine weitere Botschaft sandte – eine ermutigende Botschaft für das Volk Gottes damals und heute.

Ein dreifacher Blickwinkel

Wenn wir diese dritte Botschaft Haggais genauer ansehen, stellen wir fest, dass Gott die Blicke des Überrests in drei Richtungen lenkt: zuerst in die Vergangenheit (Hag 2,3), dann in die Gegenwart (Hag 2,5) und schließlich in die Zukunft (Hag 2,6.7). Zunächst sollten die Bauenden zurückschauen und das Haus, das sie bauten, mit dem vergleichen, das Salomo gebaut hatte. Dann sollten sie in die Gegenwart blicken, wo Gott ihnen die Hilfsmittel vorstellte, die ihnen zur Verfügung standen. Schließlich lenkt Er ihren Blick in die Zukunft und zeigt ihnen, was aus dem Haus in der Zukunft einmal werden wird: Gott wird es mit größerer Herrlichkeit füllen als Salomos Tempel.

Auch für uns ist es gut, wenn wir diesen dreifachen Blickwinkel haben. Wir müssen zurückblicken und die Arbeit, die wir heute für den Herrn tun, mit dem vergleichen, was Gläubige vor uns getan haben. Wir müssen aber auch die Gegenwart vor Augen haben und erkennen, welche Hilfsquellen Gott uns heute gibt, um für Ihn tätig zu sein. Und schließlich brauchen wir den glaubensvollen Blick nach vorne auf das Haus Gottes, die Versammlung (Gemeinde) in der Zukunft.

Rückblick auf die Vergangenheit des Hauses Gottes

Unter den aus Babylon zurückgekehrten Juden gab es einige, die schon älter waren und den Tempel Salomos noch gesehen hatten. Im Vergleich zu der Pracht und Herrlichkeit des salomonischen Tempels (vgl. 2. Chr 3 – 5), musste ihnen das kleine und unscheinbare Haus, das sie gerade bauten, „wie nichts“ vorkommen. Im Buch Esra lesen wir, dass es bei der Fundamentlegung solche gab, die weinten, und andere, die sich freuten (Esra 3,12.13). Die Alten dachten mit Wehmut zurück an den herrlichen Tempel Salomos und weinten. Die Jüngeren dagegen, die den Tempel Salomos nicht gesehen hatten, freuten sich darüber, dass das Fundament des Hauses Gottes gelegt worden war. Beide Reaktionen – wenn auch völlig unterschiedlich – waren angebracht.

Auch im Hinblick auf das geistliche Haus Gottes, die Versammlung (Gemeinde), kennen wir diese beiden gegensätzlichen Empfindungen. Wenn wir das, was die Versammlung zur Zeit der Apostel kennzeichnete, mit dem vergleichen, wie sie sich heute darstellt, dann könnte man weinen. Ja, wie schwach und unscheinbar ist das, was wir heute als Versammlung praktizieren im Vergleich zu dem Eifer und der Hingabe so vieler Gläubiger früherer Zeiten! Trauer ist in der Tat angebracht. Aber auch Freude ist angemessen. Wir freuen uns über alles, was auch heute noch am Haus Gottes getan wird. Für Gott hat der geringste Dienst an seinem Haus großen Wert.

Durch diesen Rückblick wollte Gott bei dem Überrest Folgendes bewirken, was auch unsere Haltung im Blick auf die Versammlung sein sollte:
1. Trauer über den damaligen Zustand des Hauses Gottes.
2. Demut im Hinblick auf ihr geringes Zeugnis: Sie hatten keinen Grund, stolz zu sein oder sich zu überheben.

Die Hilfsquellen der Gegenwart

Nach diesem Rückblick macht Gott dem Überrest Mut. Er ruft ihnen zu: Seid stark und arbeitet (Hag 2,4)! Diese Ermunterung Gottes dürfen wir auch für uns in Anspruch nehmen. Gott möchte, dass wir in diesen Tagen der kleinen Kraft stark sind und für Ihn arbeiten!

Dann richtet Gott den Blick des Volkes auf die Hilfsquellen, die ihnen zur Verfügung standen. Gott gab den Juden nicht nur den Auftrag, das Haus zu bauen, sondern mit dem Auftrag auch die Hilfsmittel, die sie dazu benötigten. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Gott gibt uns Aufgaben und mit den Aufgaben auch die Mittel und die Kraft, die wir dazu nötig haben.

In den Versen 4 und 5 finden wir drei Hilfsquellen, die dem Überrest damals sowie uns heute zur Verfügung stehen:

1. Die Gegenwart und Hilfe des Herrn (Hag 2,4)
2. Das Wort des Herrn (Hag 2,5)
3. Der Geist des Herrn (Hag 2,5)

Wir besitzen heute dieselben Hilfsquellen. Der Herr hat sie uns gegeben, um uns Mut zu machen und uns bei unserer Arbeit Gelingen zu schenken. Er ruft uns zu: Fürchtet euch nicht (Hag 2,6)! Was auch auf uns zukommen mag: Wir haben alles, was wir brauchen! Sollten wir für diese Hilfsquellen des Herrn nicht dankbar sein?

a) Die Gegenwart und Hilfe des Herrn

Nach der Rückkehr des Überrestes wirkte Gott keine eindrucksvollen Zeichen und Wunder mehr. Die Bundeslade, das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes in der Mitte seines Volkes, war nicht mehr da. Manches war nicht mehr so wie zu Beginn. Doch auf eines konnten sich die zurückgekehrten Juden nach wir vor stützen: auf die Gegenwart und Hilfe des Herrn. Der Herr selbst würde mit ihnen sein. Er selbst würde ihnen helfen. Gab und gibt es etwas Größeres als die Gegenwart des Herrn in der Mitte seines Volkes? Gibt es einen Umstand oder ein Hindernis, das Er nicht überwinden könnte? Eine Not oder ein Bedürfnis, dem Er nicht entsprechen könnte?

Wir leben am Ende der christlichen Haushaltung in Tagen, die durch Schwachheit und Niedergang unter den Christen gekennzeichnet sind. Vieles, das die ersten Christen hatten, haben wir heute nicht mehr. Apostel sind nicht mehr da. Wundergaben des Geistes haben wir nicht mehr. Doch das Eine ist uns geblieben: die Verheißung der Gegenwart des Herrn. Daran dürfen wir festhalten: Der Herr ist bei uns. Er ist mit uns. Und wenn wir in seinem Namen zusammenkommen, dann ist Er in unserer Mitte. Darauf gründen wir uns, wenn wir uns versammeln, denn Er hat es selbst verheißen: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20; vgl. Mt 28,20).

b) Das Wort des Herrn

Der schwache Überrest durfte sich auf die gleichen Zusagen Gottes stützen wie das ganze Volk in früheren Zeiten. Das Wort, das Gott mit seinem Volk eingegangen war, als es aus Ägypten zog, bestand auch jetzt noch in ihrer Mitte.

Als Paulus sich von den Ältesten in Ephesus verabschiedete, befahl er sie Gott und dem Wort seiner Gnade an (Apg 20,32). Sie hatten Gott und das Wort seiner Gnade. Und was haben wir? Ebenfalls Gott und sein Wort. Dieses Wort, das Gott den Gläubigen damals gegeben hatte, ist das Wort, das auch wir heute in den Händen halten. Die Gläubigen zur Zeit der Apostel hatten nur Teile des Wortes Gottes in schriftlicher Form. Wir haben heute das vollständige Wort Gottes – die vollständige Offenbarung der Gedanken Gottes (vgl. Kol 1,25). Alle Zusagen, die der Herr uns in seinem Wort gibt, sind gültig. Gott steht zu seinem Wort (vgl. 2. Kor 1,20). Die Zeitverhältnisse und Umstände haben sich geändert, aber das Wort Gottes ist dasselbe. Bist du vertraut mit diesem Wort?

c) Der Geist des Herrn

Der Geist Gottes war in der Mitte der wenigen Juden, die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt waren. Sie konnten und durften mit seiner Kraft rechnen.

Der Geist Gottes, der in der Apostelgeschichte gewirkt hat, ist der Geist, der auch heute wirkt. Er hat sich nicht verändert. Damals wie heute ist Er der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1,7). Doch unsere Weltförmigkeit, unser mangelndes Vertrauen und unser Versagen haben dazu geführt, dass der Heilige Geist in und durch uns vielfach nicht mehr so wirken kann wie in früheren Zeiten. Doch die Kraft des Geistes als solche hat sich nicht verändert. Sie ist heute noch so wie damals. Sie steht uns jederzeit und in allen Lagen zur Verfügung! Rechnest du mit der Leitung des Geistes in deinem Leben und in den Zusammenkünften der Gläubigen?

Ausblick in die Zukunft

Schließlich richtet der Prophet die Blicke des Überrests in die Zukunft. Er überspringt die Zeit der Versammlung auf der Erde, in der wir leben, und beschreibt in kurzen Worten die Gerichte der Drangsalszeit, die dem Tausendjährigen Friedensreich vorangehen werden (Hag 2,6.7a). Diese Gerichte werden den Himmel und die Erde reinigen, bevor das „Ersehnte aller Nationen“ – der Herr Jesus – in Macht und Herrlichkeit auf der Erde erscheinen wird (Hag 2,7). Er allein kann und wird das Sehnen der Menschen nach Frieden und Gerechtigkeit erfüllen.

In dieser Zeit wird es in Jerusalem wieder einen Tempel geben, den der Herr mit Herrlichkeit erfüllen wird. Alle Mittel stehen Ihm dafür zur Verfügung (Hag 2,8). Gott lenkt die Aufmerksamkeit des Überrests auf die zukünftige Herrlichkeit „dieses Hauses“ und verbindet die gegenwärtige Arbeit des schwachen Überrests mit der zukünftigen Herrlichkeit. Der Tempel, den die zurückgekehrten Juden bauten, war geringer als Salomos Tempel, aber er wird in Verbindung mit einem Tempel gebracht, der größer und herrlicher als der von Salomo sein wird (Hag 2,9). Welch eine Ermunterung muss dies für die Bauenden gewesen sein! Sie bauten an dem Haus, dessen zukünftige Herrlichkeit größer sein würde als die Herrlichkeit des salomonischen Tempels!

Die zukünftige Herrlichkeit der Versammlung

Als die Versammlung in der Apostelgeschichte ihren Anfang nahm, erfüllte gleichsam die Herrlichkeit Gottes dieses Haus. Heutzutage ist infolge unserer Untreue nicht mehr viel von dieser Herrlichkeit zu sehen. Aber wenn der Herr Jesus die Versammlung in der Zukunft einmal verherrlicht haben wird, wird vor aller Augen sichtbar werden, dass sie die Herrlichkeit Gottes hat (Eph 5,27, Off 21,11). Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird mit Sicherheit größer sein als die erste! Sollte uns dieser wunderbare Ausblick nicht aufs Neue motivieren, in der jetzigen Zeit für Ihn und sein Haus tätig zu sein, bis Er wiederkommt?

Daniel Melui