Ströme lebendigen Wassers

Online seit dem 28.11.2016, Bibelstellen: Johannes 7,37-38

„An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, gleichwie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Joh 7,37.38).

Der nächste Vers (Joh 7,39) macht klar, dass dies eine vorweggreifende Einladung ist; das heißt, sie schaut über das Kreuz hinaus hin zu der Zeit, wenn der Herr im Himmel verherrlicht sein würde; denn von dort aus wurde den Gläubigen der Heilige Geist gegeben (vgl. Joh 14,26; 15,26; 16,7). Und lebendiges Wasser ist ein Bild des Lebens in der Kraft des Heiligen Geistes, also des Lebens in Christus. Und deshalb bringt es diejenigen, die es besitzen, in eine neue Szene: an den Platz, wo Christus ist.

Um mit den Worten eines anderen zu sprechen: „Wir tun gut daran, auf drei Wirkungen des Geistes Gottes zu achten. In Johannes 3 sind wir aus dem Geist geboren; in Johannes 4 ist es eine Quelle, die ins ewige Leben quillt. Hier (in Johannes 7) tritt der neue Mensch in den Genuss unsichtbarer, himmlischer und ewiger Dinge ein. Wenn sie das Herz erfüllen, wenn das Herz gesättigt ist, weil es von dem getrunken hat, was in Jesus ist, dann fließen diese Dinge über und erfrischen dürstende Seelen. Himmlische Zuneigungen treffen auf Seelen und zeigen ihnen, was eine Seele ohne Gott beleben kann, die seufzt, ohne vielleicht zu wissen, was ihr fehlt. Die Worte Jesu waren solche Wasser.

Doch wir müssen noch die beiden Tätigkeiten beachten, auf die hier hingewiesen wird. Zuerst kommt die durstige Seele zu Christus, trinkt und wird gesättigt. „Trinken“ ist hier natürlich ein Bild, das mit dem „Wasser“ korrespondiert. In diesem Evangelium wird der Mensch nicht so sehr als schuldig, sondern als tot gesehen (vgl. Joh 5,24.25), ohne geistliches Leben. Daher kann nur Christus – auferstanden aus den Toten in der Kraft des Lebens und verherrlicht – seiner Not begegnen. Deshalb sein Ausruf: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.“ Und wer kommt, den überführt er aus dem Tod ins Leben, der kommt durch die Gabe des Geistes in einen neuen Zustand und gehört zu der Sphäre der „himmlischen und ewigen Dinge“, in die er tatsächlich eingeführt wird, wenn der Herr kommt, um ihn zu sich zu nehmen, damit, „wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,3).

Die zweite Tätigkeit ist Glauben. „Wer an mich glaubt, gleichwie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Wir sollten gut beachten, dass „glauben“ hier nicht dasselbe ist wie „kommen“, was ein für alle Mal geschieht, sondern „glauben“ ist eine beständige Tätigkeit als Bedingung für das Ausfließen der Ströme lebendigen Wassers. Dasselbe haben wir in Kapitel 14, wo wir lesen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe“ (Joh 14,12).

Mit anderen Worten: Diese Dinge werden nicht von dem Gläubigen schlechthin gesagt, sondern von einem Gläubigen, in dem der Glaube an Christus ständig in Tätigkeit ist. Das ist von größter Bedeutung, denn es zeigt uns erstens die Qualifikation, die nötig ist, um ein Kanal des Segens für andere zu sein – nämlich die lebendige Verbindung mit Christus, der Quelle, durch den Glauben –, und zweitens lässt es uns das Geheimnis jeglicher Kraft im Dienst erkennen (vgl. Mt 21,21; Lk 17,5.6, etc.). Es ist wunderbar, daüber nachzudenken, dass die Ströme lebendigen Wassers, die zuerst aus Christus hervorströmten, nun aus den Seinen hervorströmen mögen und werden, die durch den Glauben an den Sohn Gottes leben, der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat.

Edward Dennett