Lieblingskinder

Online seit dem 04.01.2017, Bibelstellen: 1. Mose 26,27-28

Das Phänomen, dass Eltern Lieblingskinder haben, ist schon sehr alt. Wir finden das bereits bei Isaak und Rebecca: „Esau wurde ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes; Jakob aber war ein sanfter Mann, der in den Zelten blieb. Und Isaak hatte Esau lieb, denn Wildbret war seinem Mund; Rebekka hatte Jakob lieb“ (1. Mo 26,27.28).

Isaak und Esau waren sich wesensmäßig nicht sehr ähnlich. Isaak war friedliebend und mild, während Esau wild und brutal war (schließlich wollte er seinen Bruder erschlagen). Auch das, was diese beiden Männer taten, war unterschiedlich. Isaak war ein Ackerbauer und Viehbauer (1. Mo 26,12.13), während Esau gerne auf die Jagd ging.

Nun lieben Väter eher die wilden Söhne als die Mütter, so war es auch hier. Doch gab es eine klare Verbindungslinie zwischen Esau und seinem Vater Jakob: die Liebe zum Essen. Und Isaak liebte besonders das Wildragout, das nur durch die Jägerei Esaus auf den Tisch kommen konnte. Und so liebte Isaak seinen Sohn Esau. Rebecca und Jakob waren sich wesensmäßig schon ähnlicher. Die Verschlagenheit und List prägte beide. Aber der Grund für die besondere Zuneigung finden wir sicher darin, dass Jakob gern im Zelt blieb. Er war oft bei der Mutter und kochte auch schon mal.

Vereinfacht gesagt: Esau war beim Vater beliebt, weil er das ins Haus brachte, was so gut schmeckte, und Jakob war bei Rebecca beliebt, weil er so nett im Haushalt half.

Doch Kinder sollen von den Eltern gleich geliebt werden (auch dann, wenn sie schon älter geworden sind). Es ist falsch, Unterschiede in der Liebe zu machen – was nicht bedeutet, dass sich die Liebe nicht unterschiedlich ausdrücken kann, weil die Beziehung zu den Kindern verschieden ist, wie auch ihr Verhalten ganz unterschiedlich sein kann. Und ganz besonders ist es schlecht, wenn Kinder aus derart profanen Unterschieden geliebt werden. Wegen des Essens! Wegen des Geschirrabräumens!

Die Folgen sind verheerend: Isaak und Rebecca, die einen guten Ehestart gehabt hatten, lebten sich auseinander. Das Verhältnis zwischen den Kindern zerbrach völlig. Und Rebecca musste ihren Sohn Jakob ziehen lassen, den sie nie mehr sah, und Isaak hatte das Geschrei Esaus in den Ohren und er wurde zum Herzeleid.

Nehmen wir die Kinder, so wie sie sind, und lieben wir sie alle gleich?

Gerrid Setzer