Abweichen zur Rechten oder zur Linken

Online seit dem 28.11.2017, Bibelstellen: Jos 1,7

Mehrfach werden wir in der Schrift dazu ermahnt, dass wir das ganze Wort Gottes tun und nicht davon abweichen wollen, weder zur Rechten noch zur Linken (Jos 1,7). Das Abweichen zur Rechten und zur Linken kann man sehr gut mit einer zweifachen Gefahr verbinden, die wir mehrfach in der Bibel finden: mit dem Hinzufügen und mit dem Wegnehmen von Gottes Wort (5. Mo 5,32 und 5. Mo 13,1).

Schon die alten Rabbiner verbanden das Zur-Rechten-Abweichen mit dem Hinzufügen zu dem Wort Gottes und das Zur-Linken-Abweichen mit dem Weglassen.

Das Abweichen nach rechts zeigt sich stark bei den Pharisäern: Ihre Traditionen waren wie eine Nebelwand, die das Licht des Wortes Gottes verhüllten (Mt 15,6). Das Abweichen nach links zeigt sich sehr deutlich bei den Sadduzäern: Sie glaubten vieles nicht, was Gott offenbart hat, und leugneten beispielsweise die Auferstehung und die Existenz von Engeln (Apg 23,8).

Viele Kinder Gottes glauben an die wörtliche Inspiration der Bibel und haben mit diesem Problem direkt anscheinend nichts zu tun. Und doch können auch wir in einem mehr praktischen Sinn etwas hinzufügen und wegnehmen.

Wir fügen hinzu, indem unsere Ansichten, die wir biblisch nicht wirklich belegen können, als die einzig richtige ansehen. Dies geschieht auch dann, wenn wir Traditionen als unumstößlich betrachten. Auch konstruierte Auslegungen gehören dazu, z.B. Lehrgebäude, die nur auf alttestamentlichen Vorbildern fußen.

Wir nehmen weg, indem wir das „Ausnahmeargument“ anführen: Wir sagen dann leichtfertig, dass Gott eine Ausnahme bei mir machen würde. Oder das „Familienargument“: Das Wort gilt in seiner ganzen Schärfe, bis es jemand aus der Familie betrifft. Ferner gibt es das „Haushaltungsargument“: Man überbetont die Lehre der Heilszeitalter, so dass man sich letztlich nur noch auf die Gefangenschaftsbriefe konzentriert. Auch das „kulturelle Argument“, das gern in Verbindung mit dem ersten Korintherbrief gebraucht wird, ist eine gefährliche „Waffe“ – man schiebt unliebsame Bibelstellen mit dem Hinweis beseite, dass sie nur für die damalige Kultur galten. Auch entkräftet man manche biblische Aussagen, indem man sagt, eine Aussage sei nicht wörtlich zu nehmen – denn der Buchstabe würde ja töten (und versteht nicht, dass um den Buchstabe des Gesetzes geht).

Wir wollen die Gefahr des Abweichens sehen und weder zur Rechten noch zur Linken abweichen. Unser Weg sei „mitten auf den Steigen des Rechts“ (Sprüche 8,20).

Gerrid Setzer