Der Richter Simson

Online seit dem 14.05.2018, Bibelstellen: Richter 13-16

Simson verfügt über eine gewaltige Kraft. Er tötet einen Löwen mit bloßen Händen, kämpft allein erfolgreich gegen ein Heer und reißt ein Stadttor aus seiner Verankerung. Doch dieser starke Mann ist auch schwach: Schönen Frauen kann er nicht widerstehen. Das wird ihm zum Verhängnis.

Simson wächst in einem gottesfürchtigen Elternhaus auf. Gottes Segen ruht auf dem jungen Mann, der von Mutterleib an ein Nasir ist – ein Abgesonderter für Gott (4. Mo 6). Der Geist Gottes beginnt früh, ihn im Grenzgebiet der Philister umherzuführen. Seine Berufung ist klar: Er soll gegen die Philister kämpfen, die das Volk Israel bedrücken (Ri 13).

Die erste Frau – eine gescheiterte Beziehung

Um mit den Philistern auf Tuchfühlung zu gehen, begibt sich Simson nach Timna, einer Stadt der Philister. Doch es kommt zunächst nicht zum Kampf mit den Philistern, sondern zur Liebschaft mit einer Philisterin. Sehen wir uns an, was hier alles schiefläuft:

  • Simson lässt sich von seinen Augen leiten: Das Aussehen der Frau scheint ihm (zu) wichtig zu sein (Ri 14,1.2).
  • Simson fragt seine Eltern nur pro forma, ob er diese Frau heiraten darf – seine Entscheidung ist offenbar schon längst gefallen (Ri 14,2.3).
  • Simson übergeht den Rat seiner Eltern, sich eine Frau aus dem Volk Gottes zu nehmen (Ri 14,3). Auch pflegt er anscheinend nicht das engste Vertrauensverhältnis zu ihnen (vgl. Ri 14,6).
  • Simson ist dem Wort Gottes ungehorsam, denn das Gesetz untersagt grundsätzlich eine Verbindung zwischen einem Israeliten und einer Heidin (vgl. 5. Mo 7,3).
  • Simson ist eigenwillig und unabhängig, denn es geht ihm nur darum, dass die Frau recht in seinen Augen ist, und nicht darum, dass sie auch recht in Gottes Augen ist (Ri 14,3.7).

Die Beziehung zwischen Simson und der Philister-Frau steht auf einem brüchigen Fundament. Bereits bei der siebentägigen Hochzeitsfeier gibt es daher manche Irritationen, und schließlich endet alles in einer Tragödie:

  • An allen Tagen der Feier fließen bittere Tränen der Braut, von der Freude des Hochzeitspaares lesen wir nichts (Ri 14,16.17).
  • Die Braut spricht davon, dass Simson sie hassen würde, von Liebesbezeugungen hingegen vernehmen wir keine Silbe (Ri 14,16).
  • Simsons Braut versteht nichts von seinen Glaubenserfahrungen und -siegen: Sie kann darum sein Rätsel auch nicht lösen (Ri 14,16).
  • Als sie des Rätsels Lösung endlich aus ihm herausgepresst hat, missbraucht sie Simsons Vertrauen und verrät das Geheimnis an ihre Volksgenossen, die Feinde des Volkes Gottes (Ri 14,17).
  • Nachdem Simson die Wette verloren hat, stürmt er wutentbrannt weg und kehrt in das Haus seines Vaters zurück (Ri 14,19).
  • Als er es sich anders überlegt und zu seiner Braut zurückkehren und mit ihr Gemeinschaft haben will, ist sie bereits mit einem anderen verheiratet (Ri 15,1).
  • Das Drama endet damit, dass diese Frau von den Philistern in einer blindwütigen Vergeltungsaktion getötet wird (Ri 15,6).

Nach diesen traurigen Erlebnissen kann Simson gegen die Erzfeinde des Volkes Gottes einige beachtliche Erfolge erringen (Ri 15,7 ff.). Richter 15 endet mit der interessanten Bemerkung, dass Simson das Volk Israel 20 Jahre gerichtet hat: Sein Dienst ist also zum Abschluss gekommen. Danach wird fast nur noch berichtet, wie er sich in sündige Abenteuer verstrickt, in deren Verlauf er seine einzigartige Kraft einbüßen und zu einer tragischen Figur werden wird.

Die zweite Frau – eine gefährliche Affäre

Simson geht erneut zu den Philistern, nach Gaza. Wieder lässt er seine Blicke schweifen, die dieses Mal bei einer Prostituierten hängen bleiben. Was Simson bei der ersten Beziehung versagt blieb, holt er bei dieser Frau nach: Er teilt mit ihr das Bett.

Simsons Besuch in der Stadt bleibt nicht unbemerkt. Seine Feinde verstecken sich am Stadttor: Dort wollen sie den berüchtigten Kämpfer im Morgengrauen abfangen. Simson hat sich durch sein triebgesteuertes Verhalten in eine gefährliche Lage hineinmanövriert! Doch Simson verlässt das Haus der Hure – sicher durch das barmherzige Eingreifen Gottes – bereits um Mitternacht. Er reißt das Stadttor, wo seine Feinde lauern, in einem ungeheuren Kraftakt aus der Verankerung und trägt es in Richtung Hebron (Ri 16,1–3).

Doch diese Demonstration seiner Stärke hat einen Haken: Simson beseitigt keinen einzigen Philister. Er läuft vielmehr vor seinen Feinden weg! Das steht im deutlichen Widerspruch zu seiner Berufung. Und noch schlimmer: Simson verurteilt das Böse nicht, das er getan hat. Von Buße und Bekenntnis keine Spur. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sich die Fesseln der Sünde noch enger um ihn schließen werden (vgl. Pred 7,26).

Die dritte Frau – eine verhängnisvolle Liebe

„Und es geschah danach, da liebte er eine Frau im Tal Sorek, ihr Name war Delila“ (Ri 16,4). Zum ersten Mal wird davon gesprochen, dass Simson eine Frau liebt. Mit Delila geht er eine dauerhafte Beziehung ein. Aber offensichtlich lebt er in Hurerei, denn von Eheschließung lesen wir nichts. Sehen wir uns einige Aspekte dieser verkehrten Verbindung an:

  • Die Liebe beruht nicht auf Gegenseitigkeit, denn Delila liebt Simson nicht, sondern das Geld (Ri 16,5.6).
  • Simson erlebt das böse „Spiel“, dass seine Geliebte ihn zweimal bindet und einmal sein frei gewachsenes Nasiräer-Haar verwebt (Ri 16,7–14).
  • Delila überhäuft Simson mit Vorwürfen und stellt offen die von ihm beteuerte Liebe infrage (Ri 16,10–15).
  • Delila drängt und plagt ihn alle Tage mit ihren Worten (Ri 16,16).
  • Simsons Seele wird durch das Gejammer seiner Lebensgefährtin völlig zermürbt (Ri 16,16).

Was für eine armselige Beziehung: Simson ist todunglücklich! Doch statt die Reißleine zu ziehen, knickt Simson unter dem Trommelfeuer der Worte Delilas ein und verrät ihr schließlich das Geheimnis seiner übernatürlichen Stärke (Ri 16,17).

Damit hat Simson die letzte Trennungslinie zu den erklärten Feinden des Volkes Gottes verwischt. Er redet mit einer ungläubigen Philisterin so, als würde sie die göttlichen Gedanken verstehen können – dabei wollte sie ihm doch nur seine Kraft rauben (vgl. Spr 31,3). Simson hat die Absonderung eines Nasiräers komplett aufgegeben. In rascher Folge verliert er nun:

  • seine Weihe (Ri 16,19). Seine langen Nasiräer-Haare werden abgeschnitten.
  • seine Kraft (Ri 16,19). Gott reduziert seine Kraft auf Normalmaß.
  • seine Augen (Ri 16,21). Er verliert das, was er zum Schlechten gebraucht hat.
  • seine Freiheit (Ri 16,21). Er kann die Fesseln nicht mehr zerreißen.
  • seine Würde (Ri 16,21.23.25). Er verrichtet die Arbeit eines Esels, wird zum Symbol für die vermeintlich höhere Macht der Götzen und muss vor den Philistern spielen.
  • sein Leben (Ri 16,30). Als Gott ihm noch einmal Kraft gewährt, bedeutet dies das Ende seines Lebens: Der blinde Simson wird mit den Philistern unter den Trümmern eines Götzentempels verschüttet.

Simson war von Gott benutzt worden, um die Philister zu demütigen. Doch er schöpfte seine gewaltigen Möglichkeiten bei weitem nicht aus, verstrickte sich in der Sünde und starb früh.

Lektionen für uns

Die tragische Geschichte von Simson ist eine eindringliche Warnung für jeden Christen, Absonderung vom Bösen ernst zu nehmen. Ich möchte einige Lektionen für uns wie folgt zusammenfassen:

  • Jeder sexueller Kontakt außerhalb der Ehe ist Hurerei und eine zerstörerische Sünde. – Da die Risiken auf diesem Sektor groß sind, sollten wir einen Bund mit unseren Augen machen und uns nicht leichtfertig in Gefahr begeben (Hiob 31,1; vgl. Spr 7,6–23). Wenn wir unversehens in Gefahr geraten, wollen wir fliehen, wie Joseph es getan hat (1. Mo 37,12; 1. Kor 6,18). Und wenn wir gestrauchelt sind, sollten wir aufrichtig die Schuld bekennen, Buße tun und mit der Sünde brechen (Spr 28,13).
  • Wer als Kind Gottes jemand heiratet, der nicht gläubig ist, verstößt klar gegen Gottes Wort, schmiedet Unglück für seine Seele und vernichtet die Weihe für Gott. Christen sollen auch in dieser Hinsicht kein ungleiches Joch eingehen, sondern vielmehr „im Herrn“ heiraten (vgl. 2. Kor 6,14; 1. Kor 7,39). Der Rat gottesfürchtiger Eltern darf nicht in den Wind geschlagen werden (vgl. Spr 30,17).
  • Generell sind Freundschaften mit Ungläubigen für einen Gläubigen schlecht und gefährlich, denn die Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft gegen Gott (Jak 4,4). Kinder Gottes und Kinder des Teufels passen nicht zusammen. „Welche Genossenschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (2. Kor 6,14.15). – Wer der Welt „den Rücken kehrt“, läuft in die Arme eines allmächtigen Gottes (vgl. 2. Kor 6,18). Das sollte uns Mut machen, konsequent und entschieden zu sein.

Gerrid Setzer