Das Gleichnis von dem treuen und bösen Knecht

Online seit dem 25.09.2018, Bibelstellen: Mt 25,45-51

In dem folgenden Gleichnis wird uns ein Herr vorgestellt, der viele Mägde und Knechte (seine Dienerschaft) hat. Der Herr steht in Begriff wegzureisen, möchte aber seine Knechte gutversorgt wissen. Daher setzt er einen seiner Knechte dazu ein, die übrigen Knechten in der Zeit seiner Abwesenheit zu versorgen, indem er ihnen zur rechten Zeit Nahrung gibt. Glückselig, wenn der Herr seinen Knecht damit beschäftigt finden, wenn er wieder zurückkehrt. Er wird ihn reich belohnen!

Dann aber ändert sich das Gleichnis und uns wird ein Knecht mit einem anderen Verhalten vorgestellt. Er schlägt seine Mitknechte und isst und trinkt mir den Betrunkenen. Alles findet seine Wurzel darin, dass der Knecht nicht mit der baldigen Wiederkehr seines Herrn rechnet. Doch dann, an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß, kommt sein Herr wieder und richtet ihn für sein böses Verhalten.

Wir wollen im Folgenden auf die verschiedenen Personen und Personengruppen eingehen

Der Herr und sein „Dienerschaft“

Jedes Kind Gottes darf im Blick auf Christus sagen: „... der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Wir dürfen zum Kreuz schauen und wissen, dass dort der Herr Jesus für mich persönlich in das Gericht über Sünde und Sünden ging, dass er für mich persönlich in den Tod gegangen ist. Das ist die eine Sichtweise. Die andere ist, dass er die Versammlung (Gemeinde) „geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25). Jedes Kind Gottes gehört zu dieser Versammlung. Sie bilden gemeinsam die „Dienerschaft“, d.h. seine Mägde und Knechte, denen auch heute die ganze Fürsorge des Herrn Jesus gilt, indem er sie „nährt und pflegt“ (Eph 5,29). Hier wird uns vor allem die fürsorgende Liebe des Herrn seiner Versammlung gegenüber vorgestellt (allerdings finden wir in Matthäus 24 nicht die Vorrechte der Versammlung, es geht um das Reich der Himmel; deshalb kommt hier auch ein böser Knecht vor). Er möchte, dass ihr geistliche Nahrung gegeben wird. Dazu verwendet er seine Knechte, die, auf der Grundlage des Wortes Gottes, den übrigen Mitknechten zur rechten Zeit geistliche Nahrung mitteilen. Wir wollen das recht ins Herz fassen! Es legt sowohl Verantwortung auf uns, als dass es auch, wenn wir den Wunsch haben dieser Aufgabe nachzukommen, diese adelt.

Der Knecht und die Dienerschaft

Es sei auf einige Besonderheiten aufmerksam gemacht, bevor wir auf das Verhalten des Knechtes eingehen. Vielleicht hat der Leser gestutzt, dass immer von dem Knecht (Einzahl) und nicht von Knechten (Mehrzahl) die Rede war. Der Herr beginnt sein Gleichnis mit der Frage: „Wer ist nun der treue und kluge Knecht ...?“ (Vers 45). Dann aber fährt er schließlich fort: „Wenn aber jener böse Knecht“ (Vers 48). Wer ist nun mit „jenem Knecht“ gemeint? Es ist jener Knecht der von seinem Herrn in die Stellung über die Dienerschaft eingesetzt worden ist. Zu jeder Zeit gibt es jene Diener die diese Stellung, diese Position einnehmen. Ob der Herr sie jeweils in diese Stellung eingesetzt und beauftragt hat, oder ob sie sich selbst in diese Stellung eingesetzt haben, ist eine andere Frage.

In den Versen 45 bis 47 wird uns ein Knecht vorgestellt der diese Stellung über die Dienerschaft einnimmt. In den Versen 48 bis 51 finden wir einen weiteren Knecht, der dieselbe Stellung einnimmt. Es handelt sich also um dieselbe Stellung, aber unterschiedliche Knechte, die in einer unterschiedlichen Art und Weise, oder einem unterschiedlichen Charakter handeln. Wenn diese unterschiedlichen Knechte auch, wie wir noch genauer sehen werden, sich unterschiedlich verhalten, so ändert sich doch nicht ihre Stellung über die Dienerschaft und vor dem Herrn, die sie einnehmen – darum eben „jener Knecht“, der mit derselben Stellung.

Es gibt auch heute noch, und das möchte unser Anspruch sein, treue und kluge Knechte. Insofern sehen wir zwei unterschiedliche Gruppen von Knechten dargestellt, die bis zum Kommen des Herrn bestehen bleiben.

Sowohl die Dienerschaft als auch der Knecht, der über die Dienerschaft bestellt wird, gehören zu ein und derselbe Gruppe. Sowohl die Dienerschaft als auch der Knecht, der ja auch zu der Dienerschaft gehört, gehören dem Herrn. Der Knecht des Herrn wird beauftragt der Dienerschaft die rechte Nahrung zu geben. Im Hinblick auf die Versammlung geht es also weniger um den Dienst nach außen hin (Evangelisation), als mehr um den Dienst nach innen („Dienst am Wort“, Hirtendienst, etc.). Wir können dabei an die Gaben, die der verherrlichte Herr dem Leib gegeben hat (Eph 4,11–13), denken.

Wenn der Herr das Gleichnis mit den Worten „Wer ist nun...“ beginnt, dann richtet sich diese herzerforschende Frage direkt an uns. Wollen wir dem Herrn für diesen Dienst zur Verfügung stehen? Wollen wir treue und kluge Diener sein? Im Folgenden werden wir dann einige Punkte sehen, die wir dann beachten dürfen.

Verantwortung allein vor dem Herrn

Es fällt auf, dass es der Herr selbst ist, der den Knecht über die Dienerschaft setzt (Vers 45). Diese Aufgabe delegiert er nicht. Gleichfalls ist es der Herr, der bei seinem Wiederkommen seine Anerkennung gibt und belohnt, bzw. richtet (V. 47.51). Auch heute ist der Diener allein dem verherrlichten Herrn im Himmel verantwortlich. An keiner Stelle der Bibel sehen wir, dass Diener von Menschen berufen (oder eingesetzt) werden, noch, dass sie vor Menschen über ihren Dienst Rechenschaft ablegen müssen. Das meint natürlich nicht, dass über den Inhalt eines Dienstes nicht geurteilt werden kann (vgl. 1.Kor 14,29). Ansonsten steht und fällt ein Diener allein seinem Herrn. Wir sehen also auch, dass jede Art von Ordination, Predigtplan, etc. nicht mit den Gedanken des Herrn Jesus, der ja das „Haupt des Leibes“ ist (Eph 1,22), übereinstimmt. Gerade was die Anbetung angeht, wollen wir doch die Wahrheit des „allgemeinen Priestertums“ (1. Pet 2) festhalten. Auch belehrt uns 1. Kor 14: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden“ (V. 29) – geleitet durch den Heiligen Geist, der in jedem Gläubigen als auch in der Versammlung wohnt (1. Kor 3,16; 6,19).

Die rechte Herzenshaltung

Nun kommt der Herr in Vers 48 zu dem bösen Knecht, der sich ganz anders verhält. Wir kommt es dazu? „Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt...“ Es begann in seinem Herzen! „Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen;“ (Mt 15,19). Und was im Herzen begann, zeigt sich früher und später dann auch in unserem Verhalten. Daher gilt es für uns: „Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist, denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens“ (Spr 4,23).

Was genau kam in dem Herzen des bösen Knechtes auf? „Mein Herr bleibt noch aus“ (Vers 48). Weder rechnete er mit dem nahen Kommen des Herrn, noch wollte er es. Wir wollen an dieser Stelle betonen: Es muss absolut nichts mehr geschehen, bevor der Herr kommt, um all die ihm angehören zu sich in den Himmel zu holen (1. Thes 4)! Wir warten nicht auf irgendein Ereignis, das noch hier auf der Erde stattfindet, sondern auf das tägliche Wiederkommen des Herrn für die Seinen. Diese Herzenshaltung sucht der Herr bei uns! Wenn diese Herzenshaltung auch bei uns vorgefunden wird, dann werden wir in der rechten Art und Weise und mit Beständigkeit den Dienst an unseren Mitgeschwistern für den Herrn tun. Dies war auch die Herzenshaltung des treuen und klugen Knechtes, die ihn, in der Erwartung des Wiederkommens seines Herrn, seinen Dienst beständig ausführen ließ, bis sein Herr wiederkam. Der böse Knecht hingegen sprach in seinem Herzen: „Mein Herr bleibt noch aus“, was ihn dazu führte seine Mitknechte zu schlagen und mit den Betrunkenen zu trinken und zu essen (Vers 49).

Eine anmaßende Stellung

Es war die Liebe und Fürsorge des Herrn, die ihn dazu bewegte einen Knecht über seine Dienerschaft einzusetzen, damit sie zur rechten Zeit Nahrung bekamen. Doch nun schlägt der böse Knecht die Dienerschaft. Passt das zu der Liebe und Fürsorge seines Herrn? Hatte der böse Knecht irgendetwas von der Gesinnung seines Herrn verstanden? Hatte er vergessen, dass auch er ein Knecht ist, dessen Aufgabe es ist, in der Gesinnung seines Herrn, seinen Mitknechten zu dienen? Nun aber gibt er ihnen nicht nur nicht die rechte Nahrung, sondern schlägt sie; dient nicht, sondern herrscht. Er maßt sich eine Stellung an, die ihm sein Herr niemals gegeben hat. Wir müssen nicht lange suchen, um diese Anmaßung in den klerikalen Systemen der großen Kirchen zu finden.

Wenn auch die Schrift kein hierarchisches System von Ämtern und Positionen kenn, so kennt sie sehr wohl geistliche Autorität. Und mit dieser geistlichen Autorität sollen auch jeder Dienst innerhalb der Versammlung ausgeführt werden. Diese geistliche Autorität beruht aber nicht darauf, dass ein gewisser Bruder, der gar noch ein bestimmtes Amt, bzw. Position innehat, etwas sagt, sondern allein auf Gottes Wort. Gott erwartet von seinen Knechten, dass sein Wille in der Versammlung mit Autorität vorgestellt und verwirklicht wird. Das legt eine große Verantwortung auf den Diener. Alles, was er sagt, muss dem Test des Wortes Gottes standhalten. Auf der anderen Seite stehen auch die, an die sich ein Dienst richtet, unter Verantwortung, diesen Dienst anzunehmen.

Doch auch wenn der Diener mit geistlicher Autorität einen Dienst ausübt, so muss dies im Geist der Liebe und der Demut geschehen (vgl. Mt 19,29.30Mk 9,351. Kor 13Gal 5,13). Geistliche Autorität auf der einen Seite, als auch Liebe und Demut auf der anderen Seite, bedingen sich und widersprechen sich nicht.

Gemeinschaft mit der Welt

Zu all dem Bösen, das wir bis jetzt gesehen haben, kommt noch dieses hinzu, dass der böse Knecht mit den Betrunkenen isst und trinkt (Vers 49). Es wird uns nicht gesagt, dass er selbst betrunken ist, doch hat er eben Gemeinschaft mit solchen, die es sind. Das verdeutlicht uns das Prinzip, dass man eben das Böse nicht selber tun muss, um daran teilzuhaben, bzw. um mit ihm in Gemeinschaft zu kommen. Der Apostel Johannes schreibt in seinem zweiten Brief: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, [so] nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“ (2. Joh 10.11). Den Korinthern schreibt der Apostel Paulus: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft [haben] Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? [...] Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert auch ab, spricht der Herr“ (2. Kor 6,14.15.17). An Timotheus schreibt er: „Jeder, der den Namen [des] Herrn nennt, stehe ab von [der] Ungerechtigkeit! In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, [so] wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.“ (2. Tim 2,19–21).

Um ein treue und kluger Knecht zu sein, reicht es also nicht, dass man persönlich nichts Böses tut, sondern muss auch abgesondert sein von jeglicher Art des Bösen.

Das Kommen des Herrn

Der treue und kluge Knecht erwartet das Kommen seines Herrn (vgl. Vers 46), während für den bösen Knecht das Kommen sowohl unerwartet als auch unerwünscht ist (Vers 50.51). Es sei noch einmal daran erinnert, dass wir es hier mit zwei unterschiedlichen Gruppen von Knechten zu tun haben, die beide bis zum Kommen des Herrn bestehen bleiben. Wir müssen aber beachten, dass die Art und Weise, also auch der Charakter des Kommens unterschiedlich ist. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Phasen des Kommens, die sowohl zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt stattfinden, als auch einen ganz unterschiedlichen Charakter tragen. Die Gruppe der treuen und klugen Knechte hat eine lebendige Beziehung zu ihrem Herrn und Heiland. Sie erwartet ihn und freut sich ihn zu sehen. Mit seinem Kommen werden sie aus dieser Welt weggenommen, um für immer bei Ihm zu sein (1. Thes 4,17). Dieses Kommen des Herrn für alle „die des Christus sind“ (1. Kor 15, 23) erwarten wir und es kann jeden Moment stattfinden. Doch die Gruppe der bösen Knechte erwartet, noch freut sich über das Kommen des Herrn. Für sie kommt der Herr „wie ein Dieb in der Nacht“ (1. Thess 5,2; vgl. 2. Pet 3,10). Zwar haben sie den Herrn Jesus als ihren Herrn bekannt (s. Vers 48), doch hatten sie nie eine innere Beziehung zu ihm. Sie mögen vielleicht „Herr, Herr“ geheuchelt haben. Aber der Herr wird ihnen einmal erklären müssen: „Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter“ (Mt 7,23).

Lohn und Gericht

Für die Gruppe der bösen Knechte bedeutet das Kommen des Herrn unausweichliches Gericht. Wie schrecklich! Sie hatten behauptet dem Herrn zu dienen, und hatten daher auch eine gewisse Nähe zu ihm. Doch jetzt wird er ihn das Teil mit den Heuchlern geben: Die ewige Verdammnis, die Hölle. „Dort wird das Weinen und Zähneknirschen sein“ (Vers 51).

Es sei noch einmal betont, dass es sich bei der Gruppe der bösen Knechte um Ungläubige handelt. Sie haben niemals wirklich an den Herrn Jesus geglaubt und sein Werk für sich persönlich in Anspruch genommen. Der Zorn Gottes war niemals von ihnen gewichen und nun entlädt er sich völlig (Joh 3,34; Eph 2,3). Dass sie in ihrem Leben behauptet haben, Diener des Herrn zu sein, ändert nichts daran. Freilich müssen wir als Außenstehende in unserer Beurteilung sehr vorsichtig sein. Der Herr allein kennt die, die sein sind (2. Tim 2,19).

Doch dann sind da noch die treuen und klugen Knechte. Der Herr ruft ihnen zu: „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.“ (Off 22,12). Sie werden einmal für ihr beständiges Dienen seine Anerkennung finden. „Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt finden wird!“ (Vers 46). Doch damit nicht genug: „Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“ (Vers 47). Wenn der Herr Jesus hier einmal auf der Erde seine Herrschaft antreten wird, dann werden sie daran teilhaben. „Und wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben“ (Off 2,26). „Wenn wir ausharren, [so] werden wir auch mitherrschen;“ (2. Tim 2,12)

So lasst uns nur dem Herrn mit Eifer und Ausharren dienen! Der Herr kommt bald!

Friedemann Werkshage