Herr, wie sollen wir denn reden?

Online seit dem 27.12.2018, Bibelstellen: 2. Mose 4,10.11; Apg 4,29 ; 2. Kor 4,7 12,9.10;

„Ach, Herr, ich bin kein Mann der Rede, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu deinem Knecht redest; denn ich bin schwer von Mund und schwer von Zunge“ (2. Mo 4,10).

Wenn wir diese Stelle im Kontext sehen, so ist Moses Reaktion hier sicherlich nicht richtig. Das müssen wir festhalten, ohne mit dem Finger auf ihn zu zeigen, denn wir haben die gleiche gefallene Natur wie er. Und wie oft haben wir Gott widerstanden, obwohl er uns eindeutig einen Auftrag gegeben hat und uns seine Hilfe zugesichert hat?

Dennoch ist das, was Mose sagt, meines Erachtens nicht falsch. Seine Fähigkeit, zu reden, war tatsächlich nicht vorhanden. Er fühlte das nicht nur, das war Tatsache. Der Fehler Moses liegt darin, dass er seine Schwäche und Unfähigkeit als Vorwand nimmt, Gottes Auftrag nicht auszuführen. Kommt uns das bekannt vor?

Gerade in der Verkündigung des Evangeliums stehen wir doch immer wieder vor der großen Frage: Wie soll ich denn reden? Was soll ich denn sagen? Wird es verstanden? Wird es aufgenommen? Wir haben den Eindruck, dass es noch nie schwieriger war, das Evangelium zu verkündigen als in unserer postmodernen Konsum- und Spaßgesellschaft des 21. Jahrhunderts Westeuropas. Da können schon mal einen Menge Fragezeichen aufkommen. Und mit den Fragezeichen die Resignation.

Was uns angeht, so dürfen und müssen wir uns die Worte Moses zu eigen machen. Aber wir tun das, indem wir uns hilfeschreiend an den wenden, der selbst den Mund geschaffen hat (2. Mo 4,11). Wenn wir einerseits mit den Worten Moses unser Unvermögen vor uns und dem Herrn eingestanden haben, dürften wir im gleichen Atemzug den Herrn bitten: „Und nun, Herr, … gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freimütigkeit“ (Apg 4,29).

Fühlen wir uns unfähig für eine Aufgabe, einen Dienst? Wir sind es! Doch lasst uns dem vertrauen, der mit dem Auftrag auch die Befähigung gibt. Die Frage ist daher in erster Linie weniger: „Kann ich das denn?“, sondern: „Soll ich das denn?“ Und wenn wir das im Gebet vor ihm erwogen haben und zu einem „Ja“ gekommen sind, so tun wir die Aufgabe, die Er uns gegeben hat, in dem Bewusstsein: Seine Kraft wird in Schwachheit vollendet! (2. Kor 12,9). Das mag für uns demütigend sein, führt aber zu seiner Verherrlichung, „damit die Überfülle der Kraft sei Gottes und nicht aus uns“ (2. Kor 4,7).

Friedemann Werkshage