Im Trommelfeuer

Online seit dem 01.02.2019, Bibelstellen: Richter 14; Richter 16; 1. Mose 39; Nehemia 6

Wenn wir von anderen einmal angestachelt werden, etwas Falsches zu tun, so ist das eine Sache. Wenn uns aber jemand ständig in den Ohren liegt, so ist das eine ganz andere Nummer. Wie leicht passiert es, dass wir im Trommelfeuer der überredenden Worte irgendwann einknicken!

In der Bibel werden uns einige gläubige Menschen gezeigt, die dem Trommelfeuer verführerischer Worte standhielten – oder auch nicht. Fangen wir mit einem markanten Negativbeispiel an!

Simson

Simson ist auf dem Weg nach Timna, um einer Philister-Frau einen Heiratsantrag zu machen. Plötzlich stellt sich ihm ein junger Löwe in den Weg. Da gerät Gottes Geist über Simson. Und was passiert? Simson tötet und zerreißt das gefährliche Raubtier mit bloßen Händen. Gott schenkt ihm einen beeindruckenden Sieg! Als Simson nach einiger Zeit an dem Aas des Löwen vorbeikommt, hat sich dort ein Bienenschwarm eingenistet, so dass er Honig aus dem Gerippe entnehmen kann. Über dieses denkwürdige Ereignis spricht er mit niemand (Ri 14,5–9). Schließlich startet die siebentägige Hochzeitsfeier. Zu Beginn gibt Simson seinen Gefährten aus dem Volk der Philister ein Rätsel für die Feier auf: „Aus dem Fresser kam Fraß, und aus dem Starken kam Süßigkeit“ (Ri 14,14). Während die jungen Männer über diese Worte knobeln, weint die Braut sieben Tag lang an Simsons Schulter, weil sie die Lösung wissen will (Ri 14,16.17). Als sie am letzten Festtag wegen des ungelösten Rätsels eine Morddrohung von den jungen Männern erhält, bedrängt sie ihren unglücklichen Bräutigam noch mehr (Ri 14,15.17). Und Simson? Er kann das Weinen und Drängeln nicht mehr ertragen und plaudert sein Geheimnis aus. [1]

Das führt zu einer Kette von bösen Taten, die darin münden, dass seine Verlobte und ihr Vater von den Philistern verbrannt werden (Ri 15,6).

Noch einmal Simson

Simson geht erneut eine verkehrte Beziehung mit einer Philisterin ein. Seine neue Freundin Delila wird daraufhin von den Fürsten ihres Volkes bestochen: Sie soll herausfinden, worin seine große Stärke besteht und wie er besiegt werden kann. Simson weigert sich jedoch, das Geheimnis preiszugeben, und täuscht seine Geliebte dreimal, wobei er allerdings der Wahrheit immer näher kommt (Ri 16,4–14). Und Delila? Sie drängt und plagt ihn alle Tage mit ihren Worten, bis „seine Seele sterbensmatt“ wird. Simson kapituliert angesichts des massiven Angriffs auf seine Nerven und schüttet der treulosen Delila sein ganzes Herz aus. Er  redet unbesonnen von seiner Nasiräerschaft, von seiner Kraft und dem langen Haar, das ein Nasiräer nach dem Gesetz Moses tragen sollte (Ri 16,15–17; vgl. 4. Mo 6,5). Indem er sich so den Feinden des Volkes Gottes öffnet, gibt er seine Weihe und die Absonderung vollständig auf. Der Herr weicht von ihm, und die Philister können ihn mühelos überwältigen und gefangen nehmen (Ri 16,20–22).

Joseph 

Joseph lebt als Sklave im Haus Potiphars, eines Hofbeamten des Pharao. Der gut aussehende Joseph ist jung und erfolgreich, aber auch einsam und belastet mit einer sehr schlimmen Erfahrung. Macht ihn das nicht besonders anfällig für Versuchungen? Da wirft die Frau Potiphars ein Auge auf ihn. Aber nicht nur das: Sie fordert ihn auch unverhohlen auf, mit ihr Hurerei zu treiben. Joseph weigert sich energisch (1. Mo 39,7–9). Doch die Frau lässt einfach nicht locker. Tag für Tag spricht sie ihn an. Und Tag für Tag schaltet Joseph auf Durchzug (1. Mo 39,10). Als diese unverschämte Frau lüstern nach ihm greift, flieht Joseph mannhaft (1. Mo 39,11.12). Das bringt Joseph zwar in Schwierigkeiten, aber der Herr ist mit ihm und wendet ihm Güte zu. Schließlich wird Joseph zu großer Ehre in Ägypten gebracht.

Nehemia

Jerusalem ist durch die Babylonier schwer zerstört worden. Unter der Aufsicht Nehemias beginnen die Juden, die Mauer der geliebten Stadt wieder aufzubauen. Als die Lücken der Stadtmauer geschlossen sind und nur noch die Torflügel eingesetzt werden müssen, empfängt Nehemia eine Nachricht: Sanballat, der Horoniter, und Geschem, der Araber, wollen sich mit ihm in der Talebene Ono treffen (Neh 6,1.2). Ist das nicht eine gute Gelegenheit, um das Kriegsbeil mit diesen feindseligen Spöttern endlich zu begraben? Der nüchterne Nehemia durchschaut jedoch ihr Ansinnen und erkennt, dass sie Böses im Schilde führen. Er schlägt darum das freundlich klingende Angebot aus. Doch die Einladung wird erneuert, noch einmal bestätigt und schließlich zum vierten Mal wiederholt (Neh 6,3.4). Nehemia gibt jedes Mal dieselbe abschlägige Antwort. Daraufhin lassen die Feinde in einem offenen Brief ihre heuchlerische Maske fallen. Nehemia darf in der Folge erfahren, wie Gott seine Hände stärkt und der Mauerbau endgültig vollendet wird.

Eine glasklare Lektion

Die Lektion, die wir aus den angeführten Begebenheiten lernen können, ist einfach und glasklar: Wir sollen standhaft bleiben. Es genügt nicht, wenn wir einmal das Ohr vor der säuselnden Stimme der Verführung verstopfen, einmal dem Feind mutig die Stirn bieten, einmal entschieden Nein sagen. Wir müssen es auch ein zweites, ein drittes Mal tun – so lange, bis die Attacke vorüber ist. Nur dann sind wir Überwinder, die Gott belohnen und segnen kann.

Der Apostel Paulus appelliert an uns, die ganze Waffenrüstung Gottes zu nehmen, damit wir an dem bösen Tag widerstehen können (Eph 6,11.13). Doch er fügt noch etwas hinzu: Wenn wir alles ausgerichtet haben, dann sollen wir stehen bleiben (Eph 6,13). Wenn wir hundert feurige Pfeile des Bösen ausgelöscht haben, müssen wir wachsam bleiben, damit wir nicht noch von der letzten Salve getroffen werden. Es gilt, mit Gottes Hilfe dem Trommelfeuer Satans zu widerstehen, bis es wirklich aufhört.


Fußnoten:

  1. Simson war ein Nasiräer, dem Gott besondere Kraft und den großartigen Sieg über den Löwen schenkte. Diese Glaubenserfahrung sollte er mit den Feinden des Volkes Gottes nicht teilen, denn damit verwischte er die Trennungslinie, die Gott zu den Philistern gezogen hatte. – Wir können nicht mit Ungläubigen so reden, als wären sie gläubig, denn dann werfen wir Perlen vor die Schweine und bringen uns in Gefahr (vgl. Mt 7,6).

Gerrid Setzer