Die Begleitumstände des Passahs

Online seit dem 28.06.2019, Bibelstellen: 2. Mose 12

Nachdem wir das Passah selbst betrachtet haben, möchten wir uns jetzt mit seinen Begleitumständen beschäftigen. Das Passah zeigt, was der Glaube von Gott empfängt, wogegen die Begleiterscheinungen auf das hinweisen, was an Ergebnissen für Gott hervorgerufen wurde. Zuerst haben wir da das ungesäuerte Brot – „gebraten am Feuer, und ungesäuertes Brot“ (2. Mo 12,8). Diese beiden Dinge werden absichtlich miteinander verbunden, wie wir gleich sehen werden. Lasst uns aber zuerst das „ungesäuerte Brot“ betrachten.

Wörtlich ist es „verdichtetes Brot“, das heißt Brot, dessen Stückchen durch die Gärung des Sauerteigs nicht getrennt wurden. Es gibt zwei Worte für Sauerteig: Eins bedeutet so viel wie „Übriggelassenes oder Rest“, weil es sich um eine Teigmasse handelte, die beim letzten Mal übrig geblieben war. Das andere bedeutet einfach „Sauerteig“ oder Gärmittel.

Das „ungesäuerte Brot“ wird durch den Apostel für uns geistlich übertragen als „Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit“ (1. Kor 5,8). In den Evangelien begegnet uns der „Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“, der für ihre „Lehre“ steht (Mt 16,11.12). Dann haben wir noch den „Sauerteig des Herodes“ (Mk 8,15), den wir aufgrund des Zusammenhangs ähnlich verstehen müssen. Ritualismus, Rationalismus und Weltlichkeit können wir einzeln mit ihnen verbinden, und sie kennzeichnen das, was sie lehrten. Sie führen zu drei nicht weit auseinanderliegenden Wegen, auf denen die Menschen versucht haben, Gott zu entkommen. Vielleicht können sie auch nur als verschiedene Formen des Sauerteigs der Bosheit und Schlechtigkeit angesehen werden, die im Gegensatz zum „Ungesäuerten der Lauterkeit und Wahrheit“ stehen.

Der „alte Sauerteig“, von dem der Apostel in demselben Abschnitt spricht, enthält einen damit verbundenen und sehr bemerkenswerten Gedanken. Es geht um die Masse des alten Teigs, der als Gärmittel des neuen Teigs verwendet wurde. „Fegt den alten Sauerteig aus“, sagt er, „damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid“ (1. Kor 5,7). Die Einführung des „Alten“ in das, was Gott „neu“ gemacht hat, ist es, was der Feind stets versucht einzusetzen, um das, was von Gott kommt, umzugestalten und zu verderben. Sei es, dass es der Geist des „alten“ Bundes des Gesetzes geht, der in den „neuen“ Bund der Gnade kommt, oder sei es das, was vom „alten“ natürlichen Menschen ist, was mit dem „neuen“ Menschen, dem Christen, vermischt wird. Die Form, in der es eingeführt wird, kann Formalismus und Aberglaube sein oder offener sadduzäischer Unglaube oder auch Anpassungen an die Welt. In jedem Fall handelt es sich um Verderben, d.h. Sauerteig. Und jeder Fall zeigt eine tatsächliche Abkehr von Gott. Wenn wir ihn und seine Vorschriften verlassen, wird es zwangsläufig dazu führen, dass wir unseren eigenen Vorstellungen folgen. Und dieses Böse ist nicht etwa versteckt und passiv, sondern arbeitet. Das Böse besitzt eine gärende und rebellische Natur und widersetzt sich allem Göttlichen.

Das ungesäuerte Brot ist das „der Lauterkeit und Wahrheit“ und nach Gott hin ausgerichtet. Es ist der Geist der Unbescholtenheit bei dem, der sich seinem Willen mit ganzem Herzen unterwirft. Es ist der Geist, der ausspricht „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Weg! (Ps 139,23.24). Das ist es, was der Apostel meint, wenn er sagt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist“ (Röm 12,1).

Nichts weniger als die völlige Übergabe an Gott kann wirklich Gehorsam genannt werden. Das vorsätzliche Zurückhalten dessen, was ihm zukommt, muss eher als Rebellion bezeichnet werden und ist „Sauerteig“, der sich im praktischen Leben eines Christen dadurch verrät, dass vom alten natürlichen Menschen etwas geduldet wird, was das Kreuz hinweggetan hat.

Wie ernst und eindringlich ist also diese Ermahnung, das Lamm „am Feuer zu braten“ und ungesäuertes Brot zu essen! Es bedeutet mit anderen Worten, dass die wunderbare Hingabe des Heiligen in diesem furchtbaren Feuer des Gerichts es zwingend und gleichzeitig einfach macht, dass wir uns selbst dieser reinen und heiligen Liebe hingeben, die uns ergriffen hat. Deshalb spricht der Apostel in Bezug auf den Tisch des Herrn davon, uns selbst zu prüfen, um sich nicht selbst Gericht zu essen und zu trinken, indem wir den Leib nicht unterscheiden (1. Kor 11,29). Das ist die Heiligkeit, für die dieses Fest steht. Denn wie könnten wir Böses vor dieses furchtbare Kreuz bringen? Oder was ist Böses anderes als Ungehorsam dem gegenüber, den wir Meister und Herr nennen?

Und das führt uns zu dem nächsten Punkt: „Mit bitteren Kräutern sollen sie es essen“ (2. Mo 12,8). Denn die Entdeckung, wer man selbst ist und wie verdorben die alte Natur, ist bitter. Es ist bitter, zu erkennen, dass unser Herr Jesus wegen meiner Sünden zerschlagen wurde. Wie passend ist dies als Beilage zu dem Lamm „gebraten am Feuer“ (2. Mo 12,8)! Wie vollkommen unvereinbar ist dies mit vorsätzlicher oder achtloser Toleranz des Bösen! In der Gegenwart des Kreuzes geziemt uns ein Geist der Gottesfurcht. Es ist jetzt weder die Zeit noch der Ort, wo wir leben können, wie wir möchten, denn es ist eine Welt, in der sein Kreuz gestanden hat.

Geliebte, haben wir das verstanden? Haben wir den alten Sauerteig ausgefegt? Dulden wir ihn, wird er zu einer wirksamen Kraft des Bösen, die uns des Glücks beraubt, das unser Gott schon hier für uns vorgesehen hat und mit dem wir allein „Festfeier halten“ können (1. Kor 5,8).

Kommen wir nun zur Kleidung, in der der Pilger das Passah essen sollte:

„Und so sollt ihr es essen: eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Und ihr sollt es essen in Eile. Es ist das Passah des Herrn“ (2. Mo 12,11).

Sie standen jetzt unmittelbar vor dem Antritt ihrer Reise. Was vor dem Passah noch eine Unmöglichkeit dargestellt hatte, wird ihnen jetzt befohlen. Das Passah sollte in Eile gegessen werden in Erwartung eines unmittelbar bevorstehenden Auszugs. Das Gericht musste zuerst hereinbrechen und sie würden aufbrechen, nachdem es hinter ihnen lag – und nicht etwa vor ihnen, wo sie ihm noch zu begegnen hätten. Zu diesem Zeitpunkt und auf diese Weise mussten sie ausziehen.

Beachten wir gut, dass auch wir unsere himmlische Reise beginnen mit einem Gericht, das am Kreuz vorweggenommen, getragen und für immer hinweggetan wurde. „Wer mein Wort hört“, sagt unser Herr, „und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen“ (Joh 5,24). Persönlich kann der Gläubige niemals ins Gericht kommen. Er wird vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen und Rechenschaft für sich vor Gott ablegen und „empfangen, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat“ (2. Kor 5,10), aber das berührt seine Errettung vom Zorn Gottes nicht, der auf den Ungöttlichen bleiben wird. Unsere Befreiung vom Gericht Gottes basiert auf Christus, der es selbst getragen hat. Derjenige, der zu Christus geflohen ist, ist schon „befreit von dem kommenden Zorn“ (1. Thes 1,10). Und darin besteht eine erste Notwendigkeit für einen Wandel mit Gott. Nur auf diesem Weg wird Heiligung möglich. Wir müssen Frieden mit ihm haben, bevor wir mit ihm leben können. Die falschen Apostel und Halbapostel, die unter dem Vorwand der Heiligkeit eine Errettung verfechten, die abhängig von Werken ist, zerstören unwissentlich genau die Heiligung, für die sie kämpfen.

Die Kraft eines christlichen Lebens wird uns von jemandem, der es selbst gut kannte, so erklärt: Das Leben, „was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Der Glaube, der Christus als Gegenstand vor seinen Augen hat, wirkt durch die Liebe. Keiner Selbstliebe, sondern einer gottesfürchtigen, bewundernden Erinnerung an das wunderbare Opfer eines Retters. Das Vorbild und die Kraft für diesen Wandel ist Er, dessen Leben und Tod für andere und nicht für sich selbst gewesen sind. Deshalb konnte der Apostel in Bezug auf die moralische Veränderung, die durch das Christsein bewirkt wird, vorstellen, wie Christus für alle gestorben ist, „damit die, die leben nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2. Kor 5,15). Es geht nicht mehr um eine ordnungsgemäße Lebensführung oder Übereinstimmung mit einer äußeren Regel, sondern um ein Leben, das aus der Hingabe des Herzens einem Erlöser-Gott gegenüber hervorfließt. Das ist aus Sicht des Apostels wahres Christentum. Dies steht jedoch grundsätzlich in krassem Gegensatz zu einem Leben, das seine Beweggründe auf persönliche Bedürfnisse und Ziele gründet – alles in Furcht vor einem ewigen Gericht. Glaube wirkt durch Liebe (Gal 5,6) und nicht durch Furcht. „Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein“ (1. Joh 4,18). So treibt Gott, dessen Liebe allein vollkommen ist, die Furcht aus unseren Herzen aus, um selbst darin zu regieren.

Dennoch sprechen die Menschen in ihrer Unwissenheit so, als ob diese schmerzhafte Furcht, die aus dem Herzen ausgetrieben wird, dort thronen würde, d.h. nicht Gott auf dem Thron sitzt, sondern Satan! Und sie führen die Furcht vor dem Gericht als das Motiv für Heiligkeit ein – Furcht, um zu bewirken, wozu die Liebe Christi allein angeblich nicht die Kraft hat! Anreize, sich selbst zu erforschen, werden unter dem Mantel der Religiosität hineingebracht, indem nicht erkannt wird, dass das Ziel, wahres Christentum zu bewirken, völlig verfehlt wird. Es führt zur Zerstörung echter und wahrhaftiger Gottseligkeit. Nehmen wir den Gehorsam einem Vater gegenüber: Können wir uns vorstellen, dass echter Gehorsam im Herzen eines Sohnes durch die Furcht, von seinem Vater verworfen zu werden, gefördert wird?! Ach, Gott ist weiser als wir, und er hat Christus zu unserer Heiligung gemacht (vgl. 1. Kor 1,30) und nicht den Tag des Gerichts. Heiligkeit, die durch den Feuersee hervorgerufen wird, ist überhaupt nicht das, was Gott Heiligkeit nennt.

Und dementsprechend lehrt uns, „damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2. Kor 5,15), zum Kreuz zurückzublicken, um zu sehen, wie dort der Zorn für uns ertragen wurde. Das Gericht ist für immer entfernt worden, so dass unser Weg mit ihm in dem Licht seiner Liebe beginnen kann. „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Röm 5,8), und „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist“ (Röm 5,5). Das ist die Kraft und fortan der antreibende Grundsatz unseres Lebens.

Gericht – persönliches, ewiges Gericht – ist für immer an uns vorübergegangen. Christus wurde unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt (Röm 4,25). Und gerechtfertigt aus Glauben haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus (Röm 5,1). Nicht nur das, sondern wir haben mittels des Glaubens auch den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes (Röm 5,2). Ach, das Gericht bleibt in der Tat auf dem Land, aus dem unsere Schritte eilen – für uns jedoch ist es vorüber. Unser Platz bei Gott ist endgültig und ewig gesichert. Er, der für uns starb, ist auferstanden. Er nahm unseren Platz mit unserer Last am Kreuz von Golgatha ein, und genauso nahm er für uns auch einen anderen Platz ein, den in Gottes Gegenwart und Herrlichkeit. Dort ruht die Liebe, völlig zufriedengestellt, und dort sitzt er, weil sein Werk vollbracht ist. Gottes Auge, das mit unveränderlichem Wohlgefallen auf seinem Geliebten ruht, sieht uns dort in ihm, für immer mit ihm in das Bündel der Lebendigen eingeschlossen (vgl. 1. Sam 25,29). „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben“ (Joh 14,19). „Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden“ (Röm 5,10).

Nun sind wir bereit für die Kleidung des Pilgers, unsere Reisekleidung. Es ist nicht das „beste Kleid“, das uns für das Vaterhaus passend macht, sondern das, was wir in der Welt zu tragen haben. Möge Gott schenken, dass wir es während unserer Pilgerreise anbehalten.

Zuerst lesen wir, dass ihre Lenden umgürtet sein sollten. Der Apostel spricht in Epheser 6,14 davon, dass wir unsere Lenden mit Wahrheit umgürtet haben sollen. Kleider sprechen geistlicherweise von dem, was wir unter Gewohnheiten verstehen. Es ist das moralische Gewand, in dem wir vor den Menschen auftreten – das, womit sie uns identifizieren. Wenn sie uns nicht als das erkennen, was wir eigentlich sind, werden wir stattdessen in Kennzeichen unserer Gewohnheiten wie Stolz oder Demut, Eigenwille oder Sanftmut, Faulheit oder Fleiß und manch anderen gelesen werden.

Die langen Kleider im Osten erforderten einen Gürtel, um beim Fußmarsch (den die Israeliten nun vor sich hatten) kein Hindernis zu sein. Hängen sie einfach lose herunter, können sich z.B. die Füße darin verwickeln, den Träger zum Stolpern bringen oder den Staub der Straße aufnehmen. Unser Gürtel ist die Wahrheit, die uns vor einem losen und unachtsamen Kontakt mit einer stets zur Beschmutzung angetanen Welt bewahrt, die durch „die Lust des Fleisches, der Lust der Augen und dem Hochmut des Lebens“ gekennzeichnet ist (1. Joh 2,16). Sie bewahrt uns auch davor, dass sich unsere Füße in laxen Gewohnheiten verstricken, die ganz sicher eine Gefahr für uns darstellen. Wir werden „als Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind“, ermahnt, uns von „fleischlichen Begierden zu enthalten, die gegen die Seele streiten“ (1. Pet 2,11). Wenn wir unsere Augen fest auf das Ziel unserer Reise gerichtet halten, wird es uns vor Beschmutzung und Verstrickungen beim Durchqueren einer Welt bewahren, wo es vor Feinden und Schlangen wimmelt.

Kleider ohne Gürtel ähneln den „Bürden“, die der Apostel uns bittet abzulegen. Dinge, die an sich nicht sündig sein mögen, können uns zur Sünde verleiten. Achten wir auf die Verbindung, die wir in dieser Ermahnung des Apostels finden „Lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen“ (Heb 12,1). Wenn ein Wolfsrudel uns verfolgte, würden wir sehr schnell verstehen, warum es hinderlich ist, eine Bürde zu tragen. Und genau hierin liegt eine Erkenntnis, die einem Gläubigen verstehen hilft, warum er so wenig erfolgreiche Kämpfe hat. Die „Bürde“ zeigt, ähnlich wie das lose herunterhängende Kleid, dass wir eben keine Wettläufer sind, was auch immer sonst wir sein mögen. Und zum Wettlauf sind wir berufen. Entsprechend mag uns zwar „alles“ erlaubt sein, „aber nicht alles ist nützlich“ (1. Kor 10,23). Obwohl es erlaubt war, wollte er sich von keinem beherrschen lassen (1. Kor 6,12). Wir können legitimen Dingen erlauben, die Beherrschung über uns zu gelangen, während wir verbotene ablehnen. Wenn allerdings die Macht, unter die wir uns fügen, nicht von Gott ist, ist es gegen ihn, denn was nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Wir sehen die Matsche am Boden des Gewichts oft nicht, das wir hochheben. Ja, wir erkennen sogar nicht einmal, dass wir uns beschmutzt haben.

Die gegürteten Lenden sind also passende Begleiter des ungesäuerten Brotes und der bitteren Kräuter. Wir müssen aufstehen und abreisen, weil unsere Ruhe hier nicht ist. Es ist beschmutzt und beschmutzend.

Als Nächstes haben wir gelesen, dass ihre Füße beschuht sein mussten. Reisende berichten davon, dass ihre Schuhe innerhalb kurzer Zeit in Stücke zerfielen, als sie durch die Wüste gingen, durch die Israel ziehen musste. Dennoch durchzog Israel, beschuht durch den Herrn, die Wüste von einem Ende zum anderen, ohne dass ihr Schuh an ihrem Fuß zerfiel (5. Mo 29,4). Was bedeutet dieser so unbedingt notwendige Schuh, der ihnen auf wunderbare Weise erhalten blieb, in geistlicher Hinsicht für uns? Die Schrift verbindet damit zwei Gedanken. Israels Schuhe bzw. Sandalen bestanden aus Dachs- oder Seekuhfellen. Als Gott Israel seine Erbarmungen in Erinnerung rief, sagte er: „Ich beschuhte dich mit Seekuhfellen“ (Hes 16,10). Das Dachs- bzw. Seekuhfell ist uns als eine der Decken der Stiftshütte bekannt (2. Mo 26,14) und war natürlicherweise dazu geeignet, äußere Einflüsse abzuweisen, um die leichter zerstörbaren Materialien unter ihm zu beschützen. Dieses Kennzeichen lässt es zu einem passenden Bild der Heiligkeit werden, die durch alles, was sie umgibt, nicht verändert wird und die empfindlicheren Dinge vor dem Verfall bewahrt, so wie Salz vor Fäulnis schützt. Dieser Schuh stellt also die Treue Gott gegenüber dar, die in einer widrigen Welt unverändert bleibt und allen zersetzenden Einflüssen widersteht.

Der Apostel gibt uns eine weitere und direkte Bedeutung der Schuhe, wenn er sagt: „Und an den Füßen beschuht mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens“ (Eph 6,15). Hier ist ein wichtiger Effekt, den das Evangelium selbst auf uns hat. Indem es uns Frieden mit Gott bringt, bringt es uns in Frieden mit allen Dingen, die er regiert und zum Guten mitwirken lässt (Röm 8,28). Unser Gott steht über allem. Ohne ihn fällt nicht ein Spatz zur Erde (Mt 10,29). Der Herr von allem ist unser Retter. Was für eine Bestimmung haben wir darin für unsere Füße, was auch immer der Weg sein mag, den er uns zu gehen ruft! „Den festen Sinn bewahrst du in Frieden, in Frieden; denn er vertraut auf dich.“

Schließlich sollten sie das Passah essen mit ihrem Stab in ihrer Hand (2. Mo 12,11). Dieser Stab ist das Wort Gottes, das jeden unserer Schritte auf dem Weg unterstützt, den er uns führt. Seine Verheißungen sind unsere Stütze und Halt. Wir haben nur einen Stab, aber dieser ist zuverlässig, denn „die Schrift kann nicht aufgelöst werden“ (Joh 10,35). Stütze dich darauf, Mitchrist! Je mehr du es tust, desto mehr wirst du seine Stärke feststellen.

Wir schließen für heute Abend mit einem ernsten Gedanken. Genau und bindend, wie all diese Vorschriften waren, indem sie keinen Raum für Zögerlichkeit oder Missverständnisse ließen, ist es eine schmerzhafte Lektion darüber, was der Mensch ist, wenn wir sehen, wie sie selbst bei dieser ernsten Gelegenheit befolgt wurden. Wir lesen:

„Und das Volk trug seinen Teig, ehe er gesäuert war, ihre Backschüsseln in ihre Kleider gebunden, auf ihren Schultern … Und sie backten den Teig, den sie aus Ägypten gebracht hatten, zu ungesäuerten Kuchen; denn er war nicht gesäuert, weil sie aus Ägypten getrieben worden waren und sich nicht hatten aufhalten können; und sie hatten auch keine Wegzehrung für sich zubereitet“ (2. Mo 12,34.39).

Demnach scheint die Anweisung nicht deshalb befolgt worden zu sein, weil sie angeordnet worden war, sondern weil es sowieso unvermeidlich war, sie zu beachten, denn Ägypten trieb sie mit Eile hinaus, solange ihr Brot noch ungesäuert war.

Wenn wir die geistliche Bedeutung all dessen bedenken, wird es doppelt ernst. Wie selten hat das Ungesäuerte der Lauterkeit und Wahrheit (1. Kor 5,8) je einen nennenswerten Teil von Gottes Volk gekennzeichnet! Wenn die Welt sie hinaustrieb, ja dann, in Zeiten von Prüfung und Verfolgung, schien das Zeugnis hell und zeigte sich Hingabe. Aber wenn der Sturm sich legte, wie schnell wurde der Sauerteil wieder hineingebracht!

Sollten wir uns nicht angesichts all dessen einmal kritisch hinterfragen? Geliebte Brüder und Schwestern, wo stehen wir? Halten wir das Passahfest entsprechend der Anordnungen? Oder halten wir nur das, was uns passt, mehr oder weniger in Verbindung mit Ägypten? Möge der Herr uns davor um seines Namens willen bewahren!

F.W. Grant