Wie Manoahs Frau argumentierte

Online seit dem 16.06.2019, Bibelstellen: Richter 13,23

Wenn wir Briefe wie den an die Galater, die Epheser, die Hebräer, aber auch jeden anderen der Briefe lesen, ist es hilfreich, die Worte von Manoahs Frau an ihren Mann zu bedenken. Sie hatten den Engel des Herrn gesehen, und er hatte Angst, zu sterben, doch sie beruhigte ihn mit den Worten: „Wenn es dem HERRN gefallen hätte, uns zu töten, so hätte er nicht ein Brandopfer und Speisopfer aus unserer Hand angenommen, und er hätte uns dies alles nicht gezeigt, noch uns zu dieser Zeit dergleichen vernehmen lassen“ (Ri 13,23).

Was für ein einfaches, schönes und überzeugendes Argument! Glaube ist immer die beste Grundlage, weil er die von Gott in Gnade gemachten Zusagen ergreift. Von dem einfachen Glauben dieser Frau ist immer wieder in diesem Kapitel zu lesen. Manoah war ein gottesfürchtiger und guter Mann, der mehr betete, als er glaubte, doch wir sollten uns die einfache Argumentation seiner Frau zu eigen machen, wenn wir die eingangs erwähnten Briefe lesen.

Wir lesen dort von wunderbaren Geheimnissen, die Gott uns offenbart hat: wie Er uns in eine so innige und vertraute Beziehung zu sich selbst gebracht hat und uns als solche sucht, die als Anbeter mit Brand- und Lobopfern in seine Gegenwart kommen. Diese Tatsachen reden von dem Beweis, dass Er nicht mit uns rechten möchte, sondern dass Er uns bereits angenommen und unsere Sünden vergeben hat. Er hätte uns nicht an die Stelle von „Nahen“, Söhnen oder Anbetern, gesetzt, wenn Er uns nicht zuerst angenommen und begnadigt hätte.

Gott selbst spricht in dieser Art viel von Annahme und Vergebung in den Briefen; Er setzt es eher voraus, als dass Er es lehrt. Doch wenn Er an all das erinnert, dann deswegen, weil die Gläubigen in der Gefahr standen, zum Gesetz und zu Verordnungen zurückzukehren. Die Tatsache der Begnadigung oder Rechtfertigung passt zu Gott als Richter, doch in manchen der Briefe spricht Gott zu uns als Vater. Oder wie von einem Ort der Geborgenheit heraus oder von Angesicht zu Angesicht – wie ein Mann, der mit seinem Freund redet und ihm seine Geheimnisse offenbart, oder als der, der uns mit sich in die himmlischen Örter versetzt hat. Und so würde Er sich nicht mit uns befassen, können wir im Geist von Manoahs Frau sagen, wenn Er Gefallen daran hätte, uns zu töten oder uns unter Gesetz und in Angst vor dem Gericht zu halten.

In diesem Charakter schreibt Paulus auch seine Schlussfolgerung am Ende von Römer 8 nieder. Wir werden dadurch vielleicht an Manoah und seine Frau erinnert. Wie diese gläubige Frau auch, so stellt der Apostel dort das Niedrigere dem Stärkeren, dem Überlegenen gegenüber. Das, was sie ausdrückt mit dem Worten: „Er wird uns nicht töten, denn Er hat zu uns gesprochen und unsere Anbetung angenommen“, beschreibt der Apostel wie folgt: „Wer ist, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der [auch] auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet“ (Röm 8,34.35).

John G. Bellett