Zwiespalt wegen Christus

Online seit dem 20.07.2019, Bibelstellen: Joh 7,40-43;

Der Herr Jesus tat große Zeichen inmitten seines Volkes. Dadurch konnte Er als Sohn Gottes erkannt werden. Viele wurden von diesen Zeichen beeindruckt, andere weigerten sich, Gottes Finger darin zu erkennen. So kam es zur Spaltung unter dem Volk und den Führern des Volkes.

Das griechische Wort schisma, das mit „Spaltung“ oder „Zwiespalt“ (in der Elberfelder Übersetzung) wiedergegeben wird, kommt im Johannesevangelium dreimal vor – und zwar immer in Verbindung mit Christus. Bei dem Zwiespalt geht es einmal besonders um seine Person, ein anderes Mal um seine Werke und schließlich um seine Worte. Wir wollen uns diese drei Stellen etwas näher ansehen.

Zwiespalt wegen seiner Person

Der Herr Jesus lehrte die Volksmengen im Tempel während des Laubhüttenfestes. Wie reagierten die Menschen? „Einige nun von der Volksmenge sagten, als sie diese Worte hörten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. Andere sagten: Dieser ist der Christus. Andere sagten: Der Christus kommt doch nicht aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt: Aus dem Geschlecht Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Christus? Es entstand nun seinetwegen eine Spaltung in der Volksmenge“ (Joh 7,40–43).

Die Spaltung entstand seinetwegen. Einige hielten Ihn für den großen Propheten, von dem Mose geredet hatte (5. Mo 18,18), andere für den Messias. Sie waren beeindruckt von den vielen Zeichen, die Jesus tat (Joh 6,14; 7,31[1] Zu diesen Zeichen gehörte auch die bemerkenswerte Heilung des Mannes, der 38 Jahre gelähmt war (Joh 5,1–9; 7,21).

Andere lehnten den messianischen Anspruch des Herrn Jesus ab, weil Er aus Galiläa kam. Sie behaupteten:

  • Es sei unbekannt, woher der Christus kommen werde (Joh 7,27).
  • Der Christus müsse in Bethlehem geboren sein (Joh 7,42).
  • Noch nie sei ein Prophet aus Galiläa aufgestanden (Joh 7,52).

Das waren durchaus keine stichhaltigen Einwände:

  • Die Propheten hatten sowohl den Geburtsort des Messias vorhergesagt als auch seinen Dienst in Galiläa (Mich 5,1; Mt 4,14–16).
  • Gerade das, was sie vorbrachten, um Jesus abzulehnen, traf auf Ihn zu: Er, der Sohn Davids, war in Davids Stadt, Bethlehem, geboren worden (Lk 2,11)!
  • Es waren sehr wohl Propheten aus Galiläa aufgestanden, wie zum Beispiel der Prophet Jona, der in Gat-Hepher gewohnt hatte, einer Stadt nördlich von Nazareth (2. Kön 14,25).

Alle seine Worte und Werke wiesen Jesus als den Propheten, den Messias und Sohn Gottes aus. Dass er eine Zeit lang in Galiläa (in Nazareth und Kapernaum) gewohnt hatte, stand nach dem Zeugnis der Schriften damit nicht in Widerspruch. Doch seine Feinde und Kritiker kannten weder Ihn noch die Schriften. Und das traf auch auf die Pharisäer zu, die sich ihrer Schriftkenntnis rühmten (vgl. Joh 7,49).

Zwiespalt wegen seiner Werke

An einem Sabbat heilte der Herr Jesus in göttlicher Macht einen Blindgeborenen. Daraufhin wurde der Geheilte von den Pharisäern in der Synagoge zur Rede gestellt. „Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht. Andere sagten: Wie kann ein Mensch solche Zeichen tun? Und es war ein Zwiespalt unter ihnen“ (Joh 9,16).

Die Spaltung entstand wegen der Zeichen, die der Herr Jesus gewirkt hatte, wie es hier betont wird. Einige der Pharisäer verstanden, dass Jesus die Wunder nur tun konnte, weil Gott mit Ihm war (vgl. Joh 3,2).

Doch andere Pharisäer meinten, dass Jesus nicht von Gott sein könne, weil Er ausgerechnet am Sabbat Wunderheilungen tat. In ihren Augen brach Er damit den von Gott verordneten Ruhetag. Sie begriffen nicht, dass der Vater und der Sohn jeden Tag in dieser von der Sünde verdorbenen Welt wirkten (Joh 5,17). Außerdem führten sie selbst am Sabbat die schmerzhafte Beschneidung durch; warum sollte dann an diesem Tag ein Mensch nicht ganz gesund gemacht werden dürfen (Joh 7,22)? Das selbstsüchtige Eifern der Pharisäer für ihre Traditionen machte sie blind für das Handeln Gottes.

Dass die Heilung ein göttliches Werk war, bezeugte auch der Blindgeborene: „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Von Ewigkeit her ist nicht gehört worden, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan hat. Wenn dieser nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun“ (Joh 9,31–33). Doch seine Worte waren vergeblich: Der Geheilte wurde aus der Synagoge hinausgeworfen – hinausgeworfen in die Arme Jesu, den er als Sohn Gottes erkennen und anbeten durfte (Joh 9,34–38).

Zwiespalt wegen seiner Worte

Der Herr Jesus sprach zu den Volksmengen über den guten Hirten, der in eigener Machtvollkommenheit sein Leben für die Schafe geben würde (Joh 10,7–18). Als sie diese tiefgründigen Belehrungen hörten, „entstand ein Zwiespalt unter den Juden dieser Worte wegen. Viele aber von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von Sinnen; warum hört ihr ihn? Andere sagten: Diese Reden sind nicht die eines Besessenen; kann etwa ein Dämon der Blinden Augen auftun?“ (Joh 10,19–21).

Hier entstand ein Zwiespalt seiner Worte wegen. Die einen behaupteten dreist, seine Worte seien auf dämonischen Einfluss und Wahnsinn zurückzuführen, während andere meinten, die Heilung des Blindgeborenen habe deutlich gemacht, dass in Jesus nicht die zerstörerische Macht Satans wirken konnte.

Die Menschen verstanden offenbar wenig von dem, was der Herr Jesus sagte. Doch viele suchten die Ursache nicht bei sich. Es war ihnen nicht klar, dass der Unglaube ihnen den Weg zur Erkenntnis versperrte (Joh 10,25.26). Sie „hörten“ die Worte Gottes nicht, weil sie nicht „aus Gott“ waren (Joh 8,47). Sie blieben unberührt von seinen Werken, die seine Herrlichkeit offenbarten und so deutlich zeigten, dass der Vater in Ihm war und Er in dem Vater (Joh 2,11; 10,37.38). „Obwohl er so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn“ (Joh 12,37).

Zwiespalt – auch heute noch   

Der Sohn Gottes lebt und wirkt nicht mehr auf der Erde. Doch wir haben in der Bibel einen göttlichen Bericht über seine Taten. Der Apostel Johannes schreibt am Ende seines Evangeliums: „Diese [Zeichen] aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,31). Und bis zum heutigen Tag gibt es solche, die zum Glauben an den Herrn Jesus kommen und in Ihm ewiges Leben finden.

Andere aber sind nicht überzeugt und glauben nicht (Apg 28,24). Sie äußern ihre fadenscheinige Kritik an seiner Person, an seinen Worten und Werken und weigern sich, den anzuerkennen, den der Vater geheiligt und zu unserem ewigen Heil in diese Welt gesandt hat. So kommt es unter Menschen immer noch zu Uneinigkeit und Spaltung, ja sogar zur Entzweiung innerhalb von Familien (Lk 12,51–53).

Glückselig die, die in Ihm „die Kostbarkeit“ gefunden haben, aber wehe den Ungehorsamen, die sich an dem Wort Gottes stoßen (1. Pet 2,7.8)!

[Entnommen aus www.imglaubenleben.de]


Fußnoten:

  1. Viele wurden von den Zeichen leider nur verstandesmäßig überzeugt, ohne dass sich ihre Herzen veränderten (vgl. Joh 2,24.25).

Gerrid Setzer