Der ewige Zustand

Online seit dem 29.08.2019, Bibelstellen: 1. Korinther 15,22-28; Offenbarung 21,1-4

Es wird oft gesagt, dass uns kaum etwas vom Himmel und von dem Segen der Erlösten in der Ewigkeit offenbart wird. Es stimmt, dass wir keine detaillierte Darstellung haben, aber es gibt viele charakteristische Hinweise, die zusammengenommen ein beachtliches Licht über dieses Thema ergeben.

Der Übergang vom Ende des Reiches zum ewigen Zustand wird auf höchst bemerkenswerte Weise mitgeteilt. Die Passage ist so bezeichnend, dass wir sie in ihrer Gesamtheit zitieren: „Denn wie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod weggetan. Denn ,alles hat er seinen Füßen unterworfen.‘ Wenn er aber sagt, dass alles unterworfen sei, so ist es offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei“ (1. Kor 15,22–28).

Man mag mit großer Freude bei der wunderbaren Reichweite und Schönheit dieser göttlichen Mitteilung verweilen, aber das könnte uns von unserem besonderen Gegenstand wegführen. Wir weisen daher nur auf drei Dinge hin:

  1. Das Erste ist: So wie alles in dieser Schriftstelle von der Auferstehung Christi ausgeht, so ist alles für Gott gesichert durch die Auferstehung Seines geliebten Sohnes. Es ist wirklich der Beweis für die Vollkommenheit Seines Sieges über die ganze Macht des Feindes und die Gewissheit der Erfüllung all seiner Ziele.
  2. Dann beachte zweitens die Freude des Geistes Gottes, siebenmal darauf hinzuweisen, dass alle Dinge, alle Feinde usw. unter die Füße Christi gelegt werden. Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass Er es liebt, Christus zu verherrlichen.
  3. Drittens müssen wir bei der Übergabe des Reiches an Gott den Vater verweilen: wenn Christus selbst, nachdem alle Dinge Ihm unterworfen wurden, unterworfen sein wird, damit Gott alles in allem sein kann.

Diesen letzten Punkt dürfen wir vielleicht ein wenig vertiefen, denn er wirft Licht auf die Stellung Christi in Ewigkeit und auf den Charakter der Ewigkeit selbst. Wir lernen also zunächst einmal, dass, so wie die Entrückung der Heiligen die Erscheinung vorbereitet, so ist das Reich Christi, wenn alles Ihm unterworfen sein wird, nur der Vorspann zum ewigen Zustand. Ohne die Grenzen der Ehrfurcht zu überschreiten, mag es erlaubt sein, einen Moment lang über die Freude des Herrn nachzudenken, das Reich Gott, dem Vater, zu übergeben, wenn Seine Arbeit vollbracht ist. Wir wissen aus Seinen eigenen Worten, dass in Seinem gesamten Auftrag als der Gesandte des Vaters Sein Ziel darin bestand, den Vater zu verherrlichen, und dass Er dieses Ziel vollkommen verwirklichte. Wie Er am Vorabend Seines Weggangs aus der Welt sagte: „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche“; und auch: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte“ (Johannes 17,1–4). Ebenso wird Er Gott verherrlichen, denn Er wird in Seiner herrlichen Regierung in Gerechtigkeit und Frieden alles offenbaren, was Gott ist. Daher wird „sein Name ewig sein. Solange die Sonne besteht, wird sein Name sprossen; und in ihm wird man sich segnen; alle Nationen werden ihn glücklich preisen“ (Ps 72,17). Dann, wenn Sein Werk erneut vollendet ist, übergibt Er das Reich mit Freude des Herzens in die Hände Dessen, von Dem Er es empfangen hat.

Aber daraufhin geschieht noch etwas Wunderbares: „Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.“ Dieses göttliche Geheimnis kann nur im Licht der Erlösung enthüllt werden, und, gepriesen sei Gott, es ist enthüllt worden. Der Sohn wurde Mensch und Er bleibt für immer Mensch. Dieses Geheimnis wurde durch den Apostel Paulus gelüftet: „Welche er (Gott) zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29). Wenn Christus daher das Reich übergeben hat und selbst unterworfen sein wird, nimmt Er fortan Seinen Platz als Mensch unter den Erlösten ein, aber als der Erstgeborene unter Seinen Brüdern. In jedem Bereich, in dem es Ihm gefällt, sich zu bewegen, muss Er den Vorrang haben, muss Er den ersten Platz einnehmen. Sein Vater ist unser Vater und Sein Gott unser Gott, aber in alle Ewigkeit, während wir als Söhne mit Ihm vor dem Angesicht des Vaters sind, wird Er immer der Erstgeborene sein, und wenn wir in der Anbetung zu Seinen Füßen niederfallen, werden wir mit Freude anerkennen, dass Er in diesem Kreis der göttlichen Zuneigung der Erhabenste ist. Gleichzeitig muss daran erinnert werden, dass der gnädige Herr zwar ewig Mensch bleibt, aber nie aufhören wird, eine göttliche Person zu sein, und dass der Begriff Gott, wenn er absolut verwendet wird, wie am Ende von Vers 28, alles beinhaltet, was Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist.

Bevor wir ein wenig auf den Satz „damit Gott alles in allem sei“ eingehen, müssen wir uns fragen, wo – wenn wir es wagen dürfen, es so auszudrücken – Christus der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein wird. Gerade hier kommt das Haus des Vaters zum Tragen. Es ist ganz richtig, dass die Heiligen in das Haus des Vaters eingeführt werden, nachdem sie in Wolken aufgenommen sind, um dem Herrn in der Luft zu begegnen; aber, wie wir gesehen haben, werden sie bald diese herrliche Wohnung verlassen, um hervorzukommen und in Herrlichkeit mit Christus dargestellt zu werden. Darüber hinaus nimmt Christus, wie aus der Lehre der vor uns liegenden Schrift hervorgeht, Seinen Platz unter den Erlösten in Seinem endgültigen Charakter als Der, der Dem unterworfen ist, der Ihm alles unterworfen hat, erst dann ein, wenn Er das Reich an Gott, den Vater, übergeben hat. Erst nach dem Reich wird das Haus des Vaters, ungeachtet ihrer besonderen Beziehungen zum Vater, in seinem wahren und richtigen Sinne zum ewigen Haus und Wohnort der Familie Gottes. Das Haus des Vaters, wo alle göttlichen Zuneigungen unaufhörlich fließen und vollkommen genossen werden und wo sie nach dem Maße ihres Genusses beantwortet werden, wird somit kennzeichnend für den ewigen Zustand sein.

Die Sprache muss notgedrungen versagen, wenn wir davon sprechen, dass der Sohn unterworfen sein wird, damit Gott alles in allem sein kann. Man kann unmöglich mehr tun, als die Oberfläche eines solchen Ausdrucks zu berühren. Aber glücklicherweise wird uns gesagt, was Gott in Seiner herrlichen Natur absolut ist. Er ist Liebe, und es wird auch offenbart, dass, „wer in der Liebe bleibt, in Gott bleibt und Gott in ihm“. Auch hier sind wir durch unsere unvollkommenen Vorstellungen von der Natur Gottes begrenzt. Dennoch können wir verstehen, dass, wenn Gott alles in allem ist, alles, was Er ist als die Liebe, voll zum Ausdruck kommt, dass diese Darstellung den ganzen Himmel mit seiner Glückseligkeit erfüllt, dass die Liebe die herrliche Atmosphäre der ganzen Szene sein wird und dass alle Erlösten, die in der Liebe bleiben, in Gott bleiben und Gott in ihnen. Gott wird überall sein, sowohl als Objekt als auch als Subjekt – Gott ALLES IN ALLEM. Ja; das sind nur Worte, wie wir wohl wissen, aber wenn auch nur Worte, kann der Heilige Geist sie aufgreifen, um einigen einen Einblick in die unbeschreibliche Glückseligkeit des ewigen Zustands zu geben.

Es gibt noch eine andere Schriftstelle, die den ewigen Zustand behandelt, nämlich Offenbarung 21,1–4. Es mag für einige spürbar sein, dass wir in dieser symbolischen Beschreibung auf eine niedrigere Ebene hinabsteigen. Und doch gibt es hier zwei Dinge, die zu den Aussagen in den bereits betrachteten Schriftstellen erheblich hinzufügen:

  1. Das Erste ist, dass die Versammlung ihren besonderen Platz der Nähe und des Segens in der Ewigkeit beibehält. Die heilige Stadt, das neue Jerusalem, das Johannes von Gott aus dem Himmel herabkommen sah, bereitet als eine für ihren Mann geschmückte Braut, ist, wie wir wissen, die Frau des Lammes (Off 19,7), das heißt die Versammlung; und wenn sie hinabsteigt, wird sie als die Hütte Gottes angekündigt. „Die Menschen“, die geretteten Heiligen aller Zeiten, mit Ausnahme der Gnadenzeit, werden ringsum sein, so wie die Stämme Israels um das Zelt in der Wüste lagerten, aber die Versammlung wird der ewige Wohnort Gottes sein, und Er wird bei den Menschen wohnen, und Sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott, wohnend in Seiner Hütte in ihrer Mitte. Jede Familie, wie Paulus sagt, wird da sein, alle gleichermaßen benannt vom Vater unseres Herrn Jesus Christus, und alle haben den Charakter Christi, jede Familie vollkommen glückselig, ganz gleich, wie viele Kreise der Glückseligkeit um Gottes Hütte herum sein mögen.
  2. Der zweite Punkt hängt mit dem zusammen, was wir in Offenbarung 21,5 lesen: „Und der, der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.“ Wenn wir uns nun 2. Korinther 5 zuwenden, wird diese Ankündigung besser verstanden. Dort heißt es: „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor 5,17). Schon heute, jetzt, in Christus, ist der Gläubige in eine neue Sphäre eingetreten, die Sphäre der neuen Schöpfung, in der alle Dinge von Gott sind, eine Sphäre, die, wenn sie auch schon immer im Herzen Gottes nach Seinem ewigen Ratschluss war, erst durch die Auferstehung Christi eingeleitet und begründet wurde. Jetzt, in der Offenbarung, ist es uns erlaubt, die Vollendung dieser neuen Schöpfung zu sehen. Was bisher Gegenstand des Glaubens war, wird nun in Wirklichkeit im neuen Himmel und in der neuen Erde dargestellt, wo die Gerechtigkeit ihren friedlichen Wohnsitz gefunden hat und wo Gott mit unendlichem Wohlgefallen in Seiner Hütte wohnen kann, umgeben von den Erlösten aller Zeiten und Länder. Sicherlich gibt es keinen Christen auf Erden, der sich nicht freut, wenn er diese Szene betrachtet, in der Gott alles in allem ist.

Es gibt zwei Aspekte des Segens in diesem wunderbaren Bild. Es gibt den positiven Aspekt, der mit Gott verbunden ist, der inmitten Seines Volkes wohnt, der ewigen Quelle all ihrer Glückseligkeit in Ewigkeit; und es gibt den negativen Aspekt, der aus der Befreiung von jeder Form von Druck entspringt, während man durch diese Welt geht. Es wird manchmal gesagt, dass es ein Zeichen für einen niedrigen Zustand der Seele ist, sich auf Erleichterung zu freuen. Es mag vielleicht sehr oft so sein, und zugegebenermaßen ist die Freude, bei Christus selbst in all Seinen unaussprechlichen Vollkommenheiten und Schönheiten zu sein, eine viel herrlichere Sache. Wenn wir das auch völlig eingestehen, stellt sich vielleicht doch die Frage, ob Gott nicht viel rücksichtsvoller und zärtlicher ist als wir? Denn Er verspricht in dieser Bibelstelle die ewige Befreiung von allem, was uns während der Pilgerzeit in der Wüste Kummer und Bedrängnis bereitet hat. Und mit welcher Dankbarkeit haben belastete Herzen, Herzen, die durch viele schmerzliche Erfahrungen vor Trauer zu bersten drohten, in jedem Zeitalter, diese herrliche Zeit erwartet, in der der Kummer dem Sonnenschein der ewigen Liebe weichen wird!

Aber es ist unmöglich, die Schönheit der verwendeten Sprache zu übersehen, und möge sie, wenn wir einen Moment darüber nachdenken, tief in unsere Herzen sinken durch die Kraft des Heiligen Geistes. Die allerersten Worte: „Und er (Gott) wird jede Träne von ihren Augen abwischen“, sind voll tiefer, ja, unendlicher Zärtlichkeit. Gott selbst ist es, der jeden Einzelnen sozusagen in Seine ewigen Arme nimmt und in Seiner großen Liebe jede Spur von den Sorgen unserer irdischen Pilgerreise abwischt. „Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, denn alle haben gesündigt. Aber bevor diese Zeit, über die wir nachdenken, gekommen sein wird, wird das Lamm Gottes die Sünde der Welt weggenommen haben, und Tod und Hades werden in den Feuersee geworfen worden sein. Der Tod, der letzte Feind, ist dann vernichtet worden, und zusammen mit dem Tod werden alle Leiden, die Trauer, das Weinen und der Schmerz verschwinden, so dass nie wieder eine einzige Wolke auf irgendeinem Herzen aller Erlösten liegen wird. Gottes Ruhe ist dann erreicht und sein Volk wird für immer daran teilhaben durch Seine unaussprechliche Gnade, gepriesen sei Sein Name! Und Er offenbart uns all das jetzt, damit wir im Licht des Glaubens leben und darin nicht nur ein Gegenmittel für die gegenwärtigen Prüfungen finden, sondern auch eine gesegnete Ermutigung, unsere Herzen auf das zu richten, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

Wir haben nun das Ende unserer Betrachtungen über dieses segensreiche Thema erreicht. Es ist nur in groben Zügen vorgestellt worden, das ist uns sehr wohl bewusst. Der Leser, der wünscht, vollständiger darin einzudringen, wird keine Schwierigkeiten haben, mit der Bibel in der Hand dieses Thema unter der Führung des Heiligen Geistes vollständiger zu erfassen.

Eine zusätzliche Bemerkung sei erlaubt. Aus dem Gesagten folgt, dass die Ratschlüsse Gottes erst im ewigen Zustand ihre volle Erfüllung erreichen. Dies ist das Ziel, das Gott immer im Blick hat und auf das Er im Laufe der Jahrhunderte immer hingearbeitet hat. Und wenn dieses Ziel erreicht ist, wird Er in Seiner Liebe in ihrem vollsten Sinn ruhen und sich für immer über Seine Erlöste mit Jubel freuen. In der Zwischenzeit wird das Glück des Gläubigen in der Gemeinschaft mit Gott in Seinen Zielen, Seinem Verlangen und Seinen Zuneigungen liegen. Möge Er in diesen letzten Tagen mächtig in den Herzen Seines geliebten Volkes wirken, um sie immer enger in die Gemeinschaft mit Seinem eigenen Herzen zu bringen und zu einer immer tieferen Kenntnis Seiner selbst und Seiner Gedanken, zu Seiner Ehre. Amen.

Edward Dennett