Gedanken zum Gehorsam Christi

Online seit dem 06.01.2020, Bibelstellen: Philipper 2,8

Als der Sohn Gottes die Erde erschuf, geschah das, was Psalm 33,9 eindrücklich formuliert: „Er sprach, und es war; er gebot, und es stand da“. Das Universum wurde nach den Befehlen und Anordnungen des Schöpfers erschaffen. Doch als es darum ging, den ewigen Ratschluss des Vaters zu erfüllen, reichte ein Befehl des Schöpfer-Gottes nicht aus. Der Schöpfer musste als Mensch selbst gehorsam werden bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz (Phil 2,8). Als „Gott, gepriesen in Ewigkeit“ (Röm 9,5) kannte Er den Gehorsam nicht aus eigener Erfahrung. Er war es, der die Befehle gab, und wer hätte sich seinem Wort widersetzen können? Doch um den Willen des Vaters zu erfüllen, musste der Herr Jesus als Mensch den Gehorsam lernen. In Hebräer 5,8 heißt es, dass Er, „obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte“. Bei Ihm war es indes nicht – wie bei uns so oft – ein Gehorsam aus Zwang, sondern Gehorsam aus Liebe zu seinem Gott und Vater. Der Wille des Vaters war sein Motiv für alles, was Er tat. Er lebte nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausging (vgl. Mt 4,4; Luk 4,4). Seine Speise war es, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, und sein Werk zu vollbringen (Joh 4,34).

Als der Herr Jesus über diese Erde ging, erfüllte stets der Friede Gottes sein Herz, weil Er allezeit das dem Vater Wohlgefällige tat (Joh 8,29). Jedes Wort, das Er sprach, jeden Schritt, den Er ging, jeder Gedanke, den Er hatte – alles war zur Freude und zum Wohlgefallen seines Vaters. Am Anfang und am Ende seines Dienstes konnte der Vater über Ihn sagen: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; 17,5). Was für eine Freude muss es für den Vater gewesen sein, auf der Erde einen Menschen nach seinem Herzen zu sehen, einen, der weder zur Rechten noch zur Linken abwich, sondern mitten auf den Steigen des Rechts voranging (vgl. 2. Chr 34,2; Spr 8,20). Wie hatte Gott sich nach solch einem Menschen gesehnt! Jahrtausende lang hatte Er vom Himmel auf die Erde geschaut, um zu sehen, ob es einen gäbe, der Gott suche, einen Gerechten, einen, der Gutes tue. Doch Er fand keinen, auch nicht einen. Alle waren abgewichen, alle waren untauglich geworden (Röm 3,10–12). Schließlich kam der Sohn auf die Erde – der Einzige, der ein Leben zur Freude und zum Wohlgefallen des Vaters führte. Wie sehr wurde der Vater durch seinen Gehorsam verherrlicht!

Kraft seiner Vollkommenheit hätte der Herr Jesus jederzeit in den Himmel zurückkehren können. Doch wie der hebräische Knecht in 2. Mose 21 wollte Er nicht frei ausgehen. Aus Liebe zu seinem Gott, aus Liebe zur seiner Versammlung und aus Liebe zu den Seinen zog Er es vor, seinem Herrn auf ewig zu dienen. Er wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz (Phil 2,8). Wie der hebräische Knecht damals wurde auch unser Heiland vor die Richter gebracht und – im Bild gesprochen – an den Pfosten gestellt und durchbohrt. Er wurde vor menschliche Richter gestellt, die Ihn zum Tod verurteilten und Ihn kreuzigen ließen. Doch damit ist die Geschichte des wahren hebräischen Knechtes noch nicht zu Ende. In den drei Stunden der Finsternis kam Er unter das Gericht Gottes. Unserer Sünden wegen wurde Er in diesen Stunden von dem Schwert eines heiligen und gerechten Gott „durchbohrt“ (vgl. Sach 13,7). „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Kor 5,21). „Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden“ (Jes 53,5). In völligem Gehorsam opferte Er sich selbst, um den Willen Gottes zu vollbringen (vgl. Joh 10,17.18).

Aber Gott hat seinen gehorsamen Knecht nicht im Tod gelassen. Er hat Ihn auferweckt und „ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Phil 2,9–11). Was für eine wunderbare Antwort Gottes auf den „Gehorsam des einen“, der uns, die Ungehorsamen, in die Stellung von Gerechten versetzt hat (vgl. Röm 5,19)!

Daniel Melui