Vergebung (2)

Online seit dem 28.03.2020, Bibelstellen: Psalm 32,1; Johannes 1,9; 2,12; Nehemia 9,17

Als Kinder Gottes dürfen wir wissen: Gott hat uns vergeben! Im ersten Brief des Johannes lesen wir: „Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen“ (1.Joh 2,12). Als solche haben wir einmal unsere Sünden bekannt und erfahren, dass Gott „treu und gerecht“ ist, wenn er sie uns vergibt (1. Johannes 1,9). Weiterhin erfahren wir den Beweggrund Gottes uns die Sünden zu vergeben: „um seines Namens willen“. Welche Sicherheit liegt hierin: Gott verknüpft die Vergebung unserer Sünden mit dem Namen seines geliebten Sohnes!

Dennoch passiert es immer wieder, dass bei einem Gläubigen Zweifel an der Allumfänglichkeit der Vergebung aufkommen. Gegen diese Zweifel hilft nur das Vertrauen auf Gott und Sein Wort. Der feste Grund, auf dem das Glaubensvertrauen ruhen kann, ist das Wissen: „Es steht geschrieben.“ Gott hat gesagt!

Die Allumfänglichkeit der Vergebung, die Gott uns geschenkt hat, wird besonders im Alten Testament in sehr bildreicher Sprache zum Ausdruck gebracht. Die Klarheit und Deutlichkeit dieser Stellen beeindruckt uns.

  • In Psalm 103,9 und 12 sagt David: „Er wird nicht immerdar rechten und nicht ewiglich nachtragen. ... So weit der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Übertretungen.“ Was David wohl noch nicht wissen konnte: während die Entfernung vom Nord- zum Südpol der Erde feststeht, gibt es keine Möglichkeit, eine Entfernung zwischen den Himmelsrichtungen Osten und Westen anzugeben!
  • Der König Hiskia sang in seinem Loblied in Jesaja 38,17: „Alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“, von wo sie nie wieder in das Gesichtsfeld kommen, und der Prophet Micha konnte ausrufen: „Du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Mich 7,19).
  • Wieder ein anderes Bild wird in Jesaja 1,18 verwendet: „Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden“ (Jes 1,18). Jeremia verkündigte dem Volk Israel, dass der Herr ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken würde (Jer 31,34; vgl. Kap. 50,20).

Deutlicher kann die Allumfänglichkeit der Sündenvergebung nicht zum Ausdruck kommen.

Nun könnte eingewandt werden, dass diese Stellen ja aus dem Alten Testament stammen und sich auf das Volk Israel beziehen. Das stimmt zwar, aber sollte Gott zweierlei Maß für Seine Vergebung haben? Anders gesagt, ist die Sündenvergebung bei Israel in der Vergangenheit oder in der Zukunft vollkommener als bei denen, die in der heutigen Zeit an das Erlösungswerk des Herrn Jesus glauben? Dafür gibt es in der Bibel nicht den geringsten Anhaltspunkt

Abschließend möchte ich noch auf zwei Schwierigkeiten eingehen:

  1. Man befürchtet, dass man nicht alle Sünden bekannt hat und daher auch nicht alle Sünden vergeben sind. Wenn dem aber so ist, so denkt man, sei man verloren.
  2. Man quält sich mit dem Gedanken, dass nur die Sünden vergeben worden seien, die man bis zur Bekehrung getan hat. Doch was ist mit den Sünden, die wir danach noch getan haben? Sind die auch vergeben?

Die beiden Schwierigkeiten verbindet, dass man befürchtet, dass doch nicht alle Sünden vergeben seien – entweder weil man nicht alle bekannt hat und einige vergessen hat, oder weil man nach der Bekehrung noch weitere getan hat.

Die eigentliche Frage ist daher diese: Sind uns bei unserer Bekehrung alle Sünden, oder nur ein Teil unserer Sünden, vergeben worden? – Es wurden ALLE Sünden vergeben. ich möchte das wie folgt begründen:

Es gibt wohl keinen einzigen Menschen, der bei seiner Bekehrung wirklich alle Sünden bekannt hat. Viele haben wir vergessen. Und wie viele Sünden haben wir gar nicht als solche eingeschätzt?! Wenn es darum ginge, wirklich alle Sünden zu bekennen, könnte kein Mensch errettet werden. Es kommt bei unserer Bekehrung eben nicht auf ein lückenloses, sondern ein aufrichtiges Bekenntnis an.

Wie war das mit dem Zöllner in Lukas 18? Er bekannte noch nicht einmal eine einzige Sünde bei Namen. Aber er war sich sehr bewusst, dass er ein Sünder war und Gottes Gnade brauchte. „Oh Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig.“ Und von ihm wird gesagt, dass er gerechtfertigt fortging. Der Zöllner war aufrichtig und rückhaltlos – und darauf kam es an.

Und wie sieht das mit unseren Sünden nach der Bekehrung aus? Beachten wir, dass, als der Herr Jesus für uns am Kreuz die Grundlage für unsere Vergebung gelegt hat, alle Sünden noch zukünftig waren. Sowohl die, die wir vor der Bekehrung begangen haben, als auch die danach. Aber für Gott waren sie alle gegenwärtig und der Herr Jesus hat alle „unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen“ (1.Pet 2,24). Und auch in 1. Johannes 1,7 lesen wir: „... und das Blut Jesus Christi reinigt uns von aller Sünde“ – ob vor oder nach der Bekehrung. Oder hat der Herr Jesus nur für einen Teil unseren Sünden die Strafe von Gott erduldet? Müsste er gar noch einmal in das Gericht gehen? Das ist unmöglich! Hebräer 9,28 sagt uns deutlich, dass Christus „einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen“.

Wir sind nun am Ende dieser Folge über das Thema „Vergebung“. Fassen wir die wichtigsten Punkte noch einmal kurz zusammen:

  • Gott ist ein „Gott der Vergebung“. Aus Gnade und Barmherzigkeit bietet er allen Menschen die Vergebung an.
  • Er hat selbst die gerechte Grundlage für sein Handeln gegeben: Das Werk des Herr Jesus am Kreuz von Golgatha
  • Jedem, der in Glauben den Herrn Jesus als seinen persönlichen Retter annimmt, vergibt Gott alle seine Sünden.

Wie dankbar dürfen wir Gott für die Vergebung unserer Sünden sein! Wenn wir etwas über unser Leben nachdenken, dann wird uns schnell deutlich, wie viel Gott uns vergeben hat. Es wird uns deutlich, dass der Herr Jesus für diese Sünden die ganze Strafe auf sich nehmen musste.

Vielleicht empfinden wir ein wenig, wie groß die Schuld ist, die uns vergeben worden ist. Umso größer darf dann auch unsere Liebe zu dem Herrn Jesus sein. Das sagt der Herr Jesus selbst über eine Frau, die als große Sünderin bekannt war: „Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig“ (Lk 7,47).

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Friedemann Werkshage