Das Leben Josias - Passahfeier und Ende

Online seit dem 22.05.2020, Bibelstellen: 2. Chronika 35

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Josia feiert das Passah

Schließlich finden wir, dass Josia das Passah feiern ließ. Das war etwas, das er in dem Buch des Gesetzes erfahren hatte. Das Passah war von Gott anlässlich der Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten eingesetzt worden und sollte jedes Jahr gefeiert werden. Es erinnert uns einerseits daran, dass wir aus der Macht des Teufels – des Pharaos in Ägypten – durch die Errettung befreit worden sind. Auf der anderen Seite weist es uns auf den Herrn Jesus hin. Wir lesen in 1. Kor 5,7: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet.“ So, wie das Volk Israel sich an die Errettung aus Ägypten erinnern konnte, dürfen wir uns heute an das erinnern, was der Herr Jesus am Kreuz von Golgatha vollbracht hat. Er hat uns sogar – ähnlich wie das Passah für das Volk Israel – ein Mahl gegeben, bei dem wir an ihn denken dürfen: das Gedächtnismahl (Abendmahl). Hier dürfen wir an seine Person und seine Leiden an jedem Tag des Herrn, dem Sonntag denken.

Was meinst Du, woher Josia wusste, wie er das Passah feiern sollte? Er sagte zu den Leviten: „Schlachtet das Passah und heiligt euch und bereitet es für eure Brüder, damit ihr tut nach dem Wort des Herrn durch Mose“ (2. Chron 35,6). Er hatte das Wort Gottes, soweit es damals existierte, nicht nur mit Interesse gelesen. Er machte es sich auch zu eigen, das heißt, er wollte danach leben. Hinzu kam, dass er gelernt hatte, dass das Gesetz nicht einfach nur Vorschriften enthielt, sondern dass Gott ein ganz besonderes Interesse an den Festen des Herrn hatte (vgl. 3. Mo 23).

Wenn wir heute die Bibel lesen, werden wir erkennen, dass es nicht einfach um göttliche Gedanken geht. Es gibt ein Zentrum in der Bibel: das ist die Person unseres Herrn und Retters, Jesus Christus. Wenn Du in dem Wort Gottes aufmerksam liest, wirst Du erkennen, dass sich letztlich alles um seine Person dreht. „Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen“ (Joh 5,39), sagt Jesus einmal zu den Juden.

Das macht die Bibel auch für uns lebendig und persönlich. Es geht nicht um eine Lehre, sondern um eine Person. Gott möchte auch unser Herz für diese Person erwärmen, die für Ihn selbst liebenswert ist.

Die Beschäftigung mit Ihm hat in unserem Leben einen doppelten Effekt:

1.    Zuerst erkennen wir etwas von der Herrlichkeit und Größe dessen, der für uns am Kreuz gestorben ist. Das führt uns zur Anbetung und zu echter Freude, was neue Kraft im Leben bewirkt.

2.    Dann aber färbt sein Leben auch auf uns ab. Wenn wir sehen, wie Er sein Leben geführt hat, werden wir es Ihm gleichtun wollen. Nicht in äußerer Macht, die wir nicht besitzen. Wohl aber in innerer Kraft und Hingabe, die wir von Ihm lernen. Auch das gibt Kraft im Leben und führt zu einer bewussten Weihe und zu Entschiedenheit für Christus.

Und es gibt noch einen dritten, sehr nützlichen Effekt. Wer Christus zum Vorbild hat (und in diesem Sinn von Josia lernt), der kann selbst zum Vorbild für andere werden. Nicht, dass wir wünschen, dass andere an uns hochschauen. Hoffentlich nicht! Denn das kann kein Ziel für einen Christen sein. Aber wer Christus mehr und mehr ähnlich wird, wird ganz automatisch zum Vorbild für andere.

Das Ende Josias

Leider hat das Leben Josias negativ geendet. In einem gewissen Übermut – und sicherlich auch Hochmut – mischt er sich in einen fremden Streit, der ihn nichts angeht. Er stellt sich dem König von Ägypten entgegen, obwohl dieser im Auftrag Gottes handelt. Dabei kommt Josia um. So endet eine glanzvolle geistliche „Laufbahn“ durch Geltungsdrang und Ungehorsam.

Bei Josia folgt auf seine sehr fruchtbare Zeit ein längerer Lebensabschnitt, über den Gott sein beredtes Schweigen breitet. War Josia zufrieden mit dem, was er in jungen Jahren geleistet hatte? Ruhte er sich etwa auf seinem geistlichen Fortschritt aus? Wir wissen es nicht. Jedenfalls besteht für uns nie der Anlass, die Hände in den Schoß zu legen und mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Nur wenn wir vergessen, „was dahinten ist“ (Dinge, die wir geleistet haben und auf die wir meinen, uns etwas einbilden zu können), können wir uns ausstrecken nach dem, was vorn ist, und mit Energie und Ausdauer den Wettlauf des Glaubens laufen (vgl. Phil 3,13.14). Solange wir auf der Erde sind, gilt es, mit ganzem Einsatz für unseren Herrn und seine Sache zu leben. Sonst werden auch wir irgendwann zu Fall kommen. Das abrupte und tragische Ende Josias spricht eine ernste Warnung.

(Schluß)

Friedemann Werkshage