Jesus Christus - Gott und Mensch

Online seit dem 30.11.2020, Bibelstellen: Johannes 5,10-30

Einleitung

Wegen der Heilung eines Gelähmten am Sabbat durch Jesus griffen die Juden den Herrn an und offenbarten ihren Hass. Darauf antwortet der Herr und stellt ihnen in Kürze die Wahrheit über seine Beziehung zum Vater und damit auch über seine Gottheit vor. Dabei geht Er auf Details zukünftiger Ereignisse ein, sowohl ferner als naher, die dies unter Beweis stellen. Daneben betont er, dass Er zugleich des Menschen Sohn ist.

Zunächst eine kurze Einteilung von Kapitel Johannes 5:

Verse 1–4

Darstellung des Leids am Teich Bethesda, das ein Ausdruck des erbarmungswürdigen Zustands des Volkes Gottes war

Verse 5–9

Heilung des Gelähmten am Sabbat durch Jesus

Verse 10–13

Reaktion der Juden gegenüber dem Gelähmten

Verse 14–18

Reaktion der Juden auf Heilung am Sabbat, durch Hass und Verfolgung Jesu

Verse 19–30

Antwort Jesu und Ankündigung zukünftiger Ereignisse die seine Gottheit beweisen

Verse 31–47

Vierfaches Zeugnis über die Echtheit seiner Gottessohnschaft

Kommentar

Im Wesentlichen befasst sich dieser Aufsatz mit den Versen 19–30. Diese sind gekennzeichnet durch die drei großen Aussagen des Herrn, die Er mit den bedeutsamen Worten ‚Wahrlich, wahrlich' betont.

Die Situation: Die Juden, womit sicher wie an vielen Stellen (im Johannesevangelium) die religiöse Führerschaft gemeint ist, griffen in ihrer verbissenen Gesetzlichkeit, in der sie das ganze Volk unterdrückten, den Herrn an. Er hatte am Sabbat die Heilung als Akt bedingungsloser, göttlicher Barmherzigkeit gewirkt. Als Ergebnis hatte der Geheilte sein Bett (sicher nicht mehr als eine Matte oder Trage) getragen, welches die Aufmerksamkeit und den Unwillen der Juden erregte. Durch die herrliche Aussage des Herrn „Mein Vater wirkt bis jetzt und ich wirke“ in Vers 17, stellte er die unermüdliche Tätigkeit Gottes vor, dem Sünder zu begegnen, um ihm Heilung und Rettung zu verschaffen. Als Herr auch des Sabbats hatte er ein Recht darauf, auch am Sabbat in dieser Weise tätig zu sein. Solche Akte der Barmherzigkeit waren nie durch das Gesetz untersagt gewesen. Der Herr weist die Juden wiederholt auf Gottes Wunsch nach Barmherzigkeit hin:

(Matthäus 12:7) Wenn ihr aber erkannt hättet, was das ist: „Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer“, so hättet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt.

Es waren selbstgemachte Ergänzungen der Juden, die dies verboten. Die Sabbatruhe mit Beginn des siebten Tags der Schöpfung war ja durch den Sündenfall des Menschen gestört und unterbrochen. Diese wird erst in zukünftigen Tagen, bei der Wiederherstellung aller Dinge wieder sein können. Bis dahin wirkt Gott unermüdlich, um jeden Menschen zu retten.

Die Worte Jesu ‚mein Vater wirkt' implizierten aber auch die Aussage über die Wahrheit seiner Gottessohnschaft. Dies in jeder Hinsicht, sowohl diese des durch den Geist gezeugten Menschen (Lk. 1,35), wie auch jene des ewigen Sohnes. Paulus unterstreicht diesen Gedanken in Philipper 2,6 dadurch, dass Er (Jesus) es nicht für einen Raub achtete Gott gleich zu sein[1], eben weil er es tatsächlich immer war und ist. Genau dies hielten die Juden aber für Anmaßung und Gotteslästerung (Blasphemie). Sie waren durch ihren schrecklichen Neid und Hass völlig verblendet und erkannten nicht die tiefe Wahrheit der Worte des Herrn. Wie viel schöner sind sie für den Glaubenden, der doch in ihm die tiefe Herablassung des Vaters erkennt und den vollkommenen Ausdruck dessen, was der Vater ist:

(Johannes 14:9 [ELB-CSV]) Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.

Auf den Hass antwortet der Herr nun in einer besonderen Rede. Obwohl er wusste, dass die direkten Adressaten (die Juden) ihn weiter verfolgen und hassen würden, spricht er dennoch zu ihnen und stellt sie dadurch unter die Verantwortung des Gehörten. Auch bot er ihnen dadurch die Möglichkeit zur Umkehr; welche Gnade! Aber Gott in seiner Güte hat dafür gesorgt, dass diese wunderbaren Worte nicht allein für diese unbeugsamen Zuhörer bestimmt waren, sondern auch uns in seinem Wort erhalten geblieben sind.

(Johannes 5:19 [ELB-CSV]) Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch in gleicher Weise der Sohn.

In Vers 19 gibt der Herr seiner innigsten Beziehung und völligen Einheit mit dem Vater Ausdruck. Es ist nicht so sehr die völlige Abhängigkeit, die er als Mensch zum Vater hatte, sondern die völlige Unmöglichkeit, das Er als der Sohn etwas tun könnte, das nicht vollkommen dem Willen des Vaters entsprechen würde. Sehr wohl kennen wir durch das Neue Testament die Dreieinheit unseres Gottes, die uns die Schrift in Gott dem Sohn, Gott dem Vater und Gott dem Heiligen Geist vorstellt. Wir können diese drei Personen unterscheiden, aber niemals trennen oder gar irgendeine Disharmonie feststellen. Schon im AT stellt sich Gott als ein einziger Gott vor, eine vollständige Einheit und darum nur EIN Gott und nicht mehrere, wie zuweilen behauptet wird. Schon der erste Vers der Bibel gibt uns einen Hinweis darauf:

(1. Mose 1:1 [ELB-CSV]) Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im hebräischen Grundtext des AT, steht das Wort für ‚Gott' im Plural; das Verb ‚schuf' aber im Singular. Was für den Leser wie ein Fehler in der Grammatik aussieht, beinhaltet göttliche Weisheit um die vollständige Einheit und das vollkommene Wirken als Einheit auszudrücken. Im Plural für ‚Gott' drückt sich die Dreieinheit der göttlichen Personen aus; im Singular von ‚schuf' das einheitliche Handeln.

Aus der Schöpfung selbst können wir auch Schatten des einigen Gottes erkennen: Im Schöpfungsbericht lesen wir, das Gott den Menschen in seinem Bild erschuf:

(1. Mose 1:27 [ELB-CSV]) Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.

Weiter lesen wir über den Menschen, dass er aus Geist, Seele und Leib besteht:

(1. Thessalonicher 5:23 [ELB-CSV]) Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

Wir sehen in jedem Menschen eine vollständige Einheit. Dazu gehören alle drei Elemente Geist, Seele und Leib. Dem Schöpfer hat es wie in vielen anderen Schöpfungsdetails gefallen, uns hierin eine Hilfe zu geben, um besser zu verstehen, wie drei voneinander unterscheidbare Teile zusammen und nur zusammen eine vollständige Einheit bilden. Es ist nur ein Schatten und darum nicht vollkommen wie das Original, also Gott selbst. Wir sehen es auch darin, dass beim Menschen die Einheit aufgelöst werden kann durch den Tod und der Leib verfällt. Dies ist aber nur vorübergehend, und Gott wird jedem Menschen wieder einen Leib geben bei der Auferstehung. Auch unsere bereits entschlafenen Glaubensgeschwister warten auf diesen neuen Leib, um in diesem Sinn auch wieder eine vollständige Einheit zu sein.

Doch zurück zu unserem Text und zur Rede unseres Herrn. Er betont die Übereinstimmung im Denken und Handeln von Vater und Sohn. Dies war immer so, und wir sehen es auch während des Lebens unseres Herrn, des ewigen Sohnes als Mensch auf der Erde. Wir wissen aus dem Wort Gottes, dass der Sohn entsprechend dem Ratschluss des Vaters alles erschuf:

(Hebräer 1:1–2 [ELB-CSV]) Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat.

Er wusste auch um den Willen des Vaters, die Frage der Sünde zu ordnen, und dass dafür ein Opfer nötig war. Ohne dass irgendjemand es ihm befohlen hätte oder Er es hätte tun. müssen, hat er in Freiwilligkeit in Kenntnis des Willens des Vaters diesen ausgeführt:

(Psalmen 40:7–8 [ELB-CSV]) An Schlacht- und Speisopfer hattest du kein Gefallen; Ohren hast du mir bereitet: Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben.

In Psalm 40 wird uns die Bereitschaft zu seiner Menschwerdung und mehr noch, seine Bereitschaft das Opfer zu werden, das nötig war, gezeigt.

Ein Schatten des übereinstimmenden Handelns wird uns auch in der beeindruckenden Geschichte von 1.Mose 22 dargestellt. Der Vater und der Sohn gehen gemeinsam zum Opferberg Morija. Hier weicht der Schatten vom Original ab, indem der Sohn in Unkenntnis über das Opfertier den Vater begleitet. Und dennoch lässt er sich bereitwillig binden und auf den Altar legen. Der Sohn ist bereit, das Opfer zu stellen und der Vater bereit es zu opfern. Heiliger Ernst, der sich uns in dieser Handlung zeigt, aber wie viel mehr, wenn wir vom Schatten zum Original und zu den Geschehnissen auf Golgatha schauen!

Welche eine Tiefe erreicht bei diesen Gedanken die Aussage des Herrn in Vers 19 unseres Textabschnitts!

Im nächsten Satz begründet der Herr diese Übereinstimmung in allem mit der Aussage, dass der Vater den Sohn liebt:

(Johannes 5:20 [ELB-CSV]) Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch verwundert.

Diese Liebe des Vaters zum Sohn tritt ja auch in den schon erwähnten Geschehnissen von 1. Mose 22 vor uns, wo Abraham die konkrete Anweisung erhielt, den Sohn, den er liebte, zu opfern. Ja, wie könnte es anders sein, dass der Gott, der Liebe ist, diese natürlich zunächst und zuallererst „in sich selbst“ ist. Und weil er zugleich auch Licht ist, kann und wird er nicht ruhen bis die Frage der Sünde geordnet ist. Dies kommt auch in den Worten des Herrn in Johannes 10 zum Ausdruck:

(Johannes 10:17 [ELB-CSV]) Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme.

Es ist die Liebe des Vaters, die den Ratschluss in Gnaden zu handeln fasste und natürlich auch die Liebe des Sohnes, diesen Ratschluss auszuführen. Anbetungswürdige Liebe und Harmonie als Motivation jedes Handelns im Licht, in das er sich kleidet wie in ein Gewand (Psalm 104,2).

Der Ausgangspunkt war ja, dass der Herr am Sabbat geheilt hatte. Wir sehen, dass auch dieses Handeln ganz dem Willen des Vaters entsprach und er es bei ihm gesehen hatte. Ferner beschuldigten sie ihn der Lästerung, der der Herr durch diese Antwort begegnet. Nun war eine bloße Behauptung, der Sohn des Vaters zu sein, noch kein Beweis dafür. Darum kündigt der Herr einen solchen an durch die ‚größeren Werke' durch welche, sie sich verwundern würden. Aber was sollten diese Werke sein?

Im Judentum war allgemein anerkannt, dass Totenauferweckung das eindeutige Werk Gottes war. Dies sagt Gott selbst im Pentateuch:

(5. Mose 32:39 [ELB-CSV]) Sehet nun, dass ich, ich bin, der da ist, und kein Gott neben mir! Ich töte, und ich mache lebendig, ich zerschlage, und ich heile; und niemand ist, der aus meiner Hand errettet!

Ein zweifelsfreier Beweis seiner Gottheit würde also die Auferweckung eines Toten bedeuten. (Dass die Juden selbst danach es nicht glauben wollten, zeigt ihren tiefsitzenden Unglauben.) Bezugnehmend auf diesen allgemein anerkannten Aspekt jüdischen Glaubens, gibt der Herr Ausdruck davon im folgenden Vers:

(Johannes 5:21 [ELB-CSV]) Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Totenauferstehung durch die Macht Gottes am letzten Tag; davon spricht auch Martha in Johannes 11. Aber es ist nicht der Vater allein, der dies bewirkt, sondern auch der Sohn macht lebendig welche er will. Dies ist nicht etwa ein unabhängiges Handeln innerhalb der Gottheit, sondern vielmehr der Ausdruck, dass sowohl der Vater, als auch der Sohn in völliger göttlicher Machtvollkommenheit dieses bewirken. Die Harmonie in diesem Handeln wird uns gerade in Johannes 11 bei der Auferweckung des Lazarus durch den Herrn gezeigt: Er steht am geöffneten Grab und dankt dem Vater, dass er ihn allezeit erhört; er ist es aber selbst, der den göttlichen Befehl an Lazarus gibt: „Lazarus, komm heraus!“

Im nächsten Vers kommt der Herr auf einen Gedanken der im jüdischen Glauben eng mit der Auferstehung am letzten Tag verbunden ist: dem des Gerichts.

(Johannes 5:22+23 [ELB-CSV]) Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

Auch dieses gerechte Gericht war anerkanntermaßen göttliches Handeln. Jeder Mensch würde dort erscheinen müssen um Rechenschaft zu geben und ein Urteil über sein Werk zu empfangen. In Psalm 73 beschäftigen Asaph solche Gedanken: Er haderte mit dem ‚Schicksal', dass oftmals der Gottlose ein scheinbar sorgloses Leben führte und jene, die Gott fürchten, Schweres zu ertragen hatten. Doch als er das Ende anschaute wurde er ruhig und vertraute auf Gottes Gerechtigkeit, in der er jedem Menschen begegnen würde. Seine Sicht geht sogar weiter, dass er sich und damit jeden der Gott fürchtet an seiner Hand gehalten wusste. Welche Güte und Gnade unseres großen Gottes.

Nun spricht der Herr aber nicht so sehr von dem allgemeinen Gedanken des Gerichts, sondern im Besonderen davon, dass er als der Sohn dieses Gericht ausführen würde. Es zeigt also verstärkt, dass er in Wahrheit göttliche Autorität besaß. Genau diese Tatsache sollte zur Folge haben den Sohn zu ehren wie der Vater geehrt ist. Die Einheit von Vater und Sohn kommt auch darin zum Ausdruck, dass nur der den Vater ehrt, der auch den Sohn ehrt. Jeder der die Wahrheit über die Dreieinheit Gottes kennt, ehrt Gott nur wirklich, wenn er dies anerkennt und dem in Selbsterniedrigung, menschgewordenen Sohn Gottes Ehre gibt. Manche Menschen anerkennen Gott, vielleicht sogar als Schöpfer, aber nicht Jesus Christus als den ewigen Sohn Gottes wie er im NT gezeigt wird. In Kenntnis über den menschgewordenen Sohn Gottes muss er diesen also ehren, wenn er wirklich Gott ehren will: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat!

Man sollte meinen, dass spätestens mit der nächsten großen Aussage des Herrn, jeder die Bereitschaft dazu hätte, ja mehr noch, Gott dankbar wäre, für die Sendung seines Sohnes:

(Johannes 5:24 [ELB-CSV]) Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.

Eingeleitet und damit betont durch ein neuerliches ‚Wahrlich, wahrlich' setzt der Herr seine Zuhörer in Kenntnis darüber, dass der zukünftige Richter jetzt gesandt war zu verlorenen Menschen, um ihr Retter und Heiland zu sein. Und das, wie er an anderer Stelle sagt, sogar zunächst für die verlorenen Schafe des Hauses Israel (siehe Mt. 10,6; 15,24). Um der verdienten Verurteilung im gerechten Gericht zu entgehen hatte Gott eben diesen seinen Sohn in Gnade gesandt! Durch den Glauben an seine Worte und damit auch an seine Person als den Retter erhält damals wie heute jeder Mensch ewiges Leben. Das war jetzt weit mehr, als die Juden bisher kannten. Die Worte des Herrn zeigten ihnen den Weg und gaben ihnen Rechtssicherheit. Ja mehr noch: Wer glaubt, kommt erst gar nicht ins Gericht. Wie das möglich sein sollte, darauf geht der Herr an dieser Stelle nicht ein, aber er würde selbst die gerechte Strafe für die Schuld des Glaubenden tragen. Ewiges Leben bedeutete eine völlig neue Qualität in der Beziehung zu Gott: ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Diese Worte zeigten den Hörern, ihre eigene Stellung zu Gott von Natur aus und damit auch die eines jeden Menschen: tot. Das ist was Paulus später im Brief an die Epheser näher erklärt:

(Epheser 2:1 [ELB-CSV]) auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden,

Dies zeigte den Juden ihre ganze ausweglose Situation auf: Sie, die sich so vieler Vorzüge rühmten und ihr Leben in völliger Selbstgerechtigkeit führten, mussten erst einmal zum Leben gebracht werden. Und dieses Leben nennt der Herr hier ‚ewiges Leben'. Sicher hat dies bei den Zuhörern einiges Erstaunen ausgelöst, da sie es sich nicht vorstellen konnten, dass Menschen ewig leben sollten. Doch der Herr hatte keineswegs von einer Unsterblichkeit im biologischen Sinn gesprochen, sondern damit nur die Veränderung in der Beziehung und Stellung zu Gott erklärt. Dieser unser heutiger Leib ist und bleibt ein sterblicher. Dies würden auch alle weiterhin also erfahren, selbst die, welche entsprechend seinen Worten ihn im Glauben angenommen haben.

Aber es würde die Stunde kommen, wo alle Glaubenden, ja sogar alle Menschen auferweckt werden würden. Das erklärt der Herr im Folgenden[MOU1] :

(Johannes 5:25 [ELB-CSV])

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.

Durch das dritte ‚wahrlich, wahrlich' in unserem Abschnitt kommt der Herr auf die gewaltige und herrliche Wahrheit der Auferstehung aus den Toten zu sprechen. Der Tod, dieser schreckliche und für uns Menschen unüberwindbare Feind ist besiegt worden dort am Kreuz auf Golgatha. Dort hat der Sohn Gottes als Mensch, den besiegt, der die Macht des Todes hatte:

(Hebräer 2:14–16 [ELB-CSV])

Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, damit er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren.

Auch wenn bis heute noch Menschen, ob Gläubige oder Ungläubige, ohne Unterschied sterben müssen, wird es die Stunde geben, wo alle auferstehen werden. Der Herr deutet hier schon an, dass dies nicht für alle zum gleichen Zeitpunkt sein wird. Paulus erklärt dies später im seinem ersten Brief an die Thessalonischer und auch im ersten Brief an die Korinther genauer. Hier spricht der Herr nur von der grundsätzlichen Tatsache, dass es Gestorbene (Tote) geben würde die seine Stimme hören und leben werden! Ja, es wird seine Stimme sein; die Stimme dessen, der heute noch der verachtete Mann von Nazareth ist. Die Stimme dessen der am Kreuz in größtem Leid rief: „Mich dürstet!“. Die Stimme dessen, der in der tiefsten Not seiner Seele schrie: „Eli, Eli lama sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“.

Ja, es wird dieselbe Stimme sein, die in göttlicher Machtvollkommenheit und Autorität den Toten befiehlt: Kommt heraus! Und die sie hören werden ihr folgen und leben! Gewaltiger Augenblick!

Es kommt die Stunde und ist jetzt... – Der Herr stand im Begriff einen Vorgeschmack davon einigen zu geben, die bei der Auferweckung des Lazarus als Zeugen anwesend sein würden. Den Aspekt der Auferstehung zu einer kommenden (zukünftigen) Stunde greift er später noch einmal in Vers 28 auf.

(Johannes 5:26 [ELB-CSV])

Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst;

Mit dieser Aussage betont der Herr einmal mehr die Übereinstimmung und Einheit der Gottheit; hier jetzt in Bezug des ihr eigenen Lebens. In der Bibel stellt sich Gott wiederholt als der ‚Ewige' oder auch der ‚Ewig Seiende' vor. Er ist ohne Anfang und ohne Ende und also auch das Leben, das ihn kennzeichnet. Dieses Leben, das dem von neuem geborenen Menschen geschenkt wird, ist das Leben des Sohnes Gottes selbst, wie Johannes in seinem ersten Brief erklärt:

(1. Johannes 5:11+12 [ELB-CSV]) Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

Es ist das ‚ewige Leben', das ohne Anfang und ohne Ende ist und das Gott jetzt jedem Menschen schenkt, der ‚den Sohn hat'. Wie groß ist das Werk unseres geliebten Herrn, das wir in ihm so reich gesegnet sind. Wie innig ist die Beziehung, in der wir stehen und wir völlig eins gemacht worden sind mit ihm.

In unserem Textabschnitt ging der Herr in seiner Rede schon früher (in Vers 22) auf den Gedanken des Gerichts ein. Dort war es zunächst die Aussage, dass der Vater dem Sohn das ganze Gericht gegeben hat. Hier detailliert er diesen Gedanken jetzt indem er erklärt, dass er es nicht nur als ewiger Sohn ausführt, sondern als des ‚Menschen Sohn':

(Johannes 5:27 [ELB-CSV])

und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist.

Dies ist bemerkenswert. Es wird ein Mensch sein, der das ganze Gericht ausführt! Es kann keiner vor diesem Gericht behaupten, der Richter hätte keine Einsicht oder Erfahrung, was es heißt auf dieser Erde zu leben. Der Richter selbst ist wahrer Mensch hier gewesen, von der Geburt bis zum Tod; von der Krippe bis zum Kreuz. Ja in diesem Sinn ist er sogar mehr Mensch gewesen als Adam, der nie geboren wurde und nie Kind war! Er hat alle Erfahrungen gemacht und ist nicht nur als Gott sondern auch als Mensch befähigt ein gerechtes Urteil zu fällen. Niemand wird ihm ausweichen können; niemand eine Ausrede finden können. Heiliger Ernst!

Aber es zeigt auch welche Ehre ihm dann seitens Gottes zuteilwird. Gott ist ein gerechter Gott. Also ist auch die Ehre die er Christus als dem ‚Sohn des Menschen' verleiht nicht eine Gunst, sondern entspringt seiner Gerechtigkeit. Es zeigt uns wie sehr er durch diesen Menschen verherrlicht worden ist, vor allem und gerade dort am Kreuz. Ohne diesen Gedanken hier weiter zu verfolgen, genüge der Hinweis sich mit den Opfern und in diesem Zusammenhang gerade mit dem Brandopfer auseinander zu setzen. Dies zeigt uns in vorbildlicher Weise die Verherrlichung Gottes und als Folge davon, wie sehr Gott gerecht ist, wenn er jetzt seinem Sohn als des Menschen Sohn solche Herrlichkeit und Ehre gibt.

Alle diese Worte erregten bei den Zuhörern offensichtlich einiges Erstaunen. Sicher verständlich und uns wäre es gewiss nicht anders ergangen. Immerhin müssen wir berücksichtigen, dass wir heute hinter dem Werk von Golgatha stehen und das vollständige Wort mit sehr guten Erklärungen besitzen, die wir durch den Heiligen Geist verstehen dürfen. Der Herr greift jetzt den Gedanken der Auferstehung in der Zukunft wieder auf:

(Johannes 5:28+29 [ELB-CSV])

Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Wenn er hier wie früher von ‚der Stunde' spricht, dann meint das nicht, dass es sich um denselben Zeitpunkt handelt. Dies wird aus anderen Schriftstellen deutlich, in denen genauer der zeitliche Ablauf der Ereignisse vorgestellt wird (siehe Offb. 20, 4–6; 1.Thess. 4). Hier unterscheidet der Herr nur die beiden grundsätzlichen Auferstehungen und deren Zweck und Ziel. Die Unterscheidung wird gemacht nach dem was die Menschen getan haben, also ihren Werken. Natürlich kann sich niemand durch gute Werke den Himmel verdienen; darin ist die Schrift an vielen anderen Stellen sehr klar. Danach kann ein Mensch überhaupt nur ‚gute Werke' tun, wenn er errettet und wiedergeboren ist. Alles noch so Gute, das ein Mensch (in seinen Augen oder derer seiner Mitmenschen) bis dahin getan haben mag, fällt letztlich doch in die Kategorie ‚toter Werke', da sie von einem geistlich Toten verübt wurden. Davon zu unterscheiden sind im Weiteren natürlich alle ‚bösen Werke', welche alle Tatsünden darstellen. Für den Menschen ist somit das allernötigste die Buße vor Gott. Selbst dazu kann es nur kommen nach Lukas 15, wenn Gott ihn dazu führt. Und dann wird große Freude im Himmel sein!

Die Auferstehung Toter geschieht nach den Belehrungen von 1. Korinther 15 vollumfänglich auf der Grundlage des Werks von Christus:

(1. Korinther 15:21 [ELB-CSV])

denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Danach wird jeder Mensch auferstehen, weil durch Christus die Auferstehung bewirkt worden ist. Bemerkenswert ist, dass in Offenbarung 20 aber nur noch für die Gläubigen der Begriff der Auferstehung (erste Auferstehung) gebraucht wird. Für das Gericht der Toten wird nur noch gesagt, dass sie vor dem großen weißen Thron erscheinen um zur ewigen Pein im zweiten Tod verurteilt zu werden.

Die ‚erste Auferstehung' wird nach dem was uns mitgeteilt ist in vier Etappen stattfinden, deren erste bereits abgeschlossen ist:

1.

der Erstling Christus

1. Kor. 15,23

2.

alle Gläubigen des AT und NT bei der Entrückung

1. Thess. 4, 13–18

3.

die zwei Zeugen

Offb. 11,11

4.

die Gläubigen der Zeit der Drangsal vor dem Beginn des 1000-jährigen Reichs

Offb. 20,4

(Johannes 5:30 [ELB-CSV]) Ich kann nichts von mir selbst aus tun; so, wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.

Im letzten Vers unseres Textabschnitts gibt der Herr nochmals zu verstehen, dass jedes Gericht, das er als Mensch ausführen wird in völliger Übereinstimmung mit dem Willen seines Gottes und Vaters ist. Er schließt damit an den grundsätzlichen Gedanken (Vers 19) an und betont besonders, dass dies auch für die ihm anvertraute Gerichtsitzung gelten wird. Es wird ein objektiv absolut gerechtes Gericht sein. Sein Wille ist in allen Belangen deckungsgleich mit dem seines Vaters der ihn gesandt hat. Wunderbare Harmonie! Die Tatsache seiner Sendung durch den Vater unterstreicht zudem seine vollkommene Autorisierung für all sein Tun und Handeln.

Wenn wir unter dem Eindruck dieser seiner Herrlichkeit von Gott und Mensch in einer Person den Bericht über die finale Gerichtssitzung am großen weißen Thron in Offenbarung 20,11 ff. anschauen bekommen wir eine Ahnung von der Macht und Gewalt, der Größe und Herrlichkeit, zu der Gott seinen Sohn als Mensch erhoben hat. Ja, er ist Gott gepriesen in Ewigkeit, aber auch wahrer Mensch und als solcher war er bereit zu völliger Selbsterniedrigung, in Tiefen, Elend, Schande und Schmach wie wir es nicht ergründen können. Und auch das aus völliger Selbstlosigkeit aus Liebe zu anderen. Welch ein Mensch, welch ein Gott.

(Philipper 2:9 – 11[ELB-CSV])

Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.

Es wird in diesen Versen klar, dass Gott seinen Sohn als Lohn für sein Werk erhebt und verherrlicht. Es heißt hier: Darum hat Gott ... Es ist also keine Gunst, sondern Lohn. Gott ist immer gerecht, auch in der Entlohnung. Darum gibt uns auch das Anschauen des verherrlichten Sohnes des Menschen eine Ahnung von der Größe seines Werks! Anbetungswürdiger Herr! Danke und immer wieder Danke. Denn auch wir haben dadurch Teil an seiner Herrlichkeit, als sein Leib, seine Braut und Frau. Und er nennt uns seine Fülle. Unfassbare Gnade!

(Epheser 1:16 -23 [ELB-CSV])

nicht aufhöre, für euch zu danken, euch erwähnend in meinen Gebeten, damit der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst, damit ihr, erleuchtet an den Augen eures Herzens, wisst, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen und welches die überragende Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke, in der er gewirkt hat in dem Christus, indem er ihn aus den Toten auferweckte; (und er setzte ihn zu seiner Rechten in den himmlischen Örtern, über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen, und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt;)

Die Verherrlichung des Namens seines Gottes und Vaters ist die tiefe Motivation alles Wirkens unseres geliebten Herrn. Welch ein Ansporn auch für uns alle, die wir in seiner Nachfolge leben dürfen!

Marco Held