Das Wort wohnte unter uns

Online seit dem 18.03.2021, Bibelstellen: Johannes 1,14

In dem bekannten Vers in Johannes 1,14, der das Wunder der Menschwerdung des Herrn Jesus beschreibt, heißt es, dass das fleischgewordene Wort unter uns „wohnte“. Dieses Wort kann auch mit „zeltete“ (engl. „tabernacled“) übersetzt werden (siehe Fußnote der Elberfelder Übersetzung, Edition CSV). Damit haben wir in diesem Vers eine Andeutung auf das Zelt der Zusammenkunft, das in vielen Details auf diese erhabene Person hinweist, die in so tiefer Niedrigkeit auf die Erde kam.

Einige dieser Parallelen wollen wir uns kurz anschauen:

  1. Die Stiftshütte war eine vorübergehende Einrichtung, ein Zelt eben, das von Ort zu Ort zog. – Der Aufenthalt des Herrn Jesus auf der Erde war kurz, nur gut 30 Jahre. Und Er zog von Ort zu Ort, unermüdlich war seine Liebe tätig (Apg 10,38).
  2. Das Zelt der Zusammenkunft war für die Wüstenreise gedacht. – Es waren Wüstenumstände, in die der Heiland kam. Eine Krippe, eine Zimmermannsfamilie, dann kein Platz, wo Er sein Haupt hinlegen konnte. Die Menschen, zu denen Er kam, waren weit entfernt von Gott und glichen „einem dürren und lechzenden Land ohne Wasser“ (Ps 63,2). „Wüste“ und „Einöde“ waren der Aufenthaltsort des himmlischen Fremdlings (Ps 102,7).
  3. Äußerlich war das Zelt keine prachtvolle Erscheinung. Der buntgewirkte Teppich war verdeckt von einer Decke aus Seekuhfellen. – Für das ungläubige Auge hatte der Herr Jesus „keine Gestalt und keine Pracht“ und „kein Aussehen, dass wir ihn begehrt hätten.“ Nur wenige fanden sich, die unter dem Mantel seiner Erniedrigung die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater wahrnahmen (Jes 53,2; Joh 1,14).
  4. Die Stiftshütte war außerdem die Wohnung Gottes. Dort, im Allerheiligsten, zwischen den Cherubim, war der Thron Gottes inmitten seines irdischen Volkes. – Und während des Lebens des Herrn Jesus auf der Erde hatte Gott seinen Wohnort in Palästina. Wie die Schechina-Wolke im Allerheiligsten, wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig in dem Heiligen. Er konnte sagen: „Brecht diesen Tempel ab“, und meinte damit seinen Körper, den würdigsten Wohnort, den Gott jemals auf der Erde hatte.
  5. Mose nannte das Zelt „Zelt der Zusammenkunft“. Es war der Ort, wo Gott den Menschen begegnete. „Dort werde ich mit dir zusammenkommen“, sagte Gott damals zu Israel (2. Mose 25,22). – Was für ein herrliches Bild von Christus, der „unter uns wohnte“, der Immanuel, „was übersetzt ist: Gott mit uns.“ Gott kommt mit uns zusammen, weil einer Mittler geworden ist zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, ohne den niemand zu dem Vater kommt.
  6. Das Zelt hatte seinen Platz in der Mitte des Lagers Israels (vgl. 4. Mo 1,50; 2,17).Wenn das Volk zusammengerufen wurde, versammelte es sich am Eingang des Zeltes (z.B. 4. Mo 10,3). Es war der Sammelpunkt. – Wie deutlich redet das von dem Herrn Jesus, der auch für uns heute der große Sammelpunkt ist. Er möchte den Platz in der Mitte haben, in unseren Herzen und in unseren Versammlungen. Seine Verheißung gilt bis heute: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte (Mt 18,20).
  7. Das Heiligtum in der Wüste war der Ort, wo geopfert und geräuchert wurde. – Alle Geräte reden symbolisch von der Person und dem Werk des Herrn Jesus. Sein Kreuz war der Altar, wo das Sühnungsblut für uns floss und wo der duftende Wohlgeruch zu Gott aufstieg.
  8. An diesem „heiligen Ort“, „im Vorhof des Zeltes der Zusammenkunft“, wurde die priesterliche Familie mit Nahrung versorgt. Dort aßen sie von dem Speisopfer und von dem Sündopfer (vgl. 3. Mo 6,6+19). – Heute bilden alle Gläubigen die priesterliche Familie (1. Pet 2,5), und ihre geistliche Speise ist Christus, das Brot vom Himmel.
  9. Schließlich war das Zelt der Zusammenkunft der Ort der Anbetung. Wer dem Herrn eine freiwillige Opfergabe darbringen wollte, musste sie „am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft“ darbringen (3. Mo 1,3). – Nur „durch Ihn“ können die Gläubigen heute „Gott stets eine Opfer des Lobes darbringen“. Und gleichzeitig ist Er selbst dieses Opfer, das wir immer wieder anbetend vor Gott bringen dürfen.

Wir haben nur die wesentlichen Parallelen zwischen dem alttestamentlichen Vorbild und seiner vollkommenen Erfüllung in Christus aufgezeigt. Aber es genügt, um uns die Größe dieser Tatsache bewusster zu machen: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater)“.

Marco Leßmann