Glaube gegen jede Hoffnung

Online seit dem 20.08.2022, Bibelstellen: Rö 8,28; 1. Mose 15,4.6; Rö 4,17-22

Abraham in 1. Mo 15 – Glaube gegen jede Hoffnung

Fällt es dir oft schwer, Gottes Verheißungen zu glauben? Zweifelst du an Versen wie Römer 8,28, dass Gott immer einen perfekten Plan verfolgt? Fragst du dich oft, wie Gott seine scheinbar unmöglichen Versprechen in deinem Leben überhaupt noch umsetzen kann? Dann darfst du vom „Vater aller Glaubenden“ höchstpersönlich lernen.

Wo Glaube beginnt

Glaube ist keine Wahrscheinlichkeitsrechnung und fragt auch niemals: „Wie realistisch ist diese Aussage Gottes?“ Glaube beginnt genau da, wo wir keine andere Erklärung haben als Gottes Macht. Bei Abraham zeigte sich sein großer Glaube an einem schier unglaublichen Versprechen Gottes: „Der aus deinem Leib hervorgehen wird, der wird dich beerben“ (1. Mo 15,4).

Warum ist hier Glaube nötig? Weil jede menschliche Vernunft, jede biologische Wahrscheinlichkeit Gottes Versprechen entgegenstehen. Als Abraham einige Zeit später dasselbe Versprechen noch einmal bekommt, rechnet er Gott vor, dass unmöglich ein 100-jähriger Mann und eine 90-jährige Frau ein Kind zeugen können (1. Mo 17,17). Jeder Biologe würde hier zustimmen. Nicht jedoch der Glaubende. Der Geist Gottes teilt uns ganz schlicht mit: „Und Abraham glaubte dem Herrn“ (1. Mo 15,6). Zwischen Vers 5 (dem Versprechen einer großen Nachkommenschaft) und Vers 6 (dem Glauben Abrahams) findet sich nicht die Spur von Unglauben oder einhergehendem Misstrauen. Abraham nahm Gott beim Wort.

Gottes Kommentar

Diese Begebenheit ist eine der wenigen aus dem Alten Testament, die Gott selbst im Neuen Testament ausführlich kommentiert (Rö 4,17b-22). Lesen wir, wie er Abrahams Glauben bewertet[1]:

  • „... vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre“ (V. 17b): Abraham war in dem Sinne tot (der Hebräerbrief nennt ihn „Erstorbenen“), als dass seine biologische Uhr abgelaufen war und er keine Kinder mehr mit Sarah zeugen konnte. Ist das ein Problem für Gott, der das Nichtseiende – den noch ungezeugten Isaak – jetzt schon sieht? Tatsächlich „tötet“ Gott oft jedes sinnvolle, logische oder vernünftige Fundament, auf das wir unser Vertrauen setzen können.
  • „... der gegen Hoffnung auf Hoffnung geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen würde, nach dem, was gesagt ist: ‚So wird deine Nachkommenschaft sein.'“ (V. 18): „Gegen Hoffnung“ bedeutet, dass jede Vernunft und alles, aber auch wirklich alles, gegen Gottes Verheißung stand. Jeder Aspekt, der Abraham Hoffnung hätte geben können, war dahin. Nun blieb ihm „nur noch“ Gott, und genau das gab ihm die nötige Hoffnung. Hebräer 11,11 spricht von der Zeugung Isaaks als „über die geeignete Zeit des Alters hinaus“ – doch Gott ist nicht auf „geeignet“ angewiesen.
  • „Und nicht schwach im Glauben, sah er [nicht] seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara“ (V. 19): Eins der großen Glaubensvorbilder, Georg Müller, sagte einmal: „Das Gebiet des Glaubens beginnt, wo die Wahrscheinlichkeit aufhört und wo Schauen und Vernunft versagen.“ Abraham schaute eben nicht rational auf die alten Körper, sondern auf Gott. Großer Glaube zeigt sich dann, wenn wir nicht auf den unüberwindbaren Berg vor unseren Füßen schauen, sondern auf Gott, der den Berg wegnehmen kann.
  • „... und zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend“ (V. 20): Unglaube ist nichts anderes als Zweifel. Zweifelnde Fragen offenbaren Unglauben, der nichts anderes ist als mangelndes Vertrauen. Wir halten Gott dann nicht für vertrauenswürdig. Johannes geht sogar so weit, dass er schreibt: „Wer Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht“ (1. Joh 5,10). Gleichzeitig zeigt Paulus uns in diesem Vers das Ziel einer solchen Glaubensprüfung: Gott soll die Ehre gegeben werden. Je unwahrscheinlicher, unlogischer und unmöglicher ein Versprechen Gottes ist, desto größer seine Ehre[2]. Ein Nachkomme eines Paares in den 30ern ist kaum nennenswert; aber ein Erbe für biologisch Unfruchtbare zeugt von der Größe Gottes. Glaube in ausweglosen Situationen ehrt Gott.
  • „... und war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheißen hatte, auch zu tun vermag“ (V. 21): Auch wenn Abraham zwischendurch doch Zweifel kamen (s. 1. Mo 17,17), bescheinigt Gott ihm hier doch volle Gewissheit. Wissenschaftler würden hier einwenden: „Man kann doch nur bei Fakten Gewissheit haben“. Doch im Bereich des Glaubens ist dies ein Irrtum: Wir fühlen unsere Errettung nicht, wir hoffen nicht darauf, sondern wir wissen, dass wir sie haben (1. Joh 5,13). Warum ist das so? Weil Gott das, was er verheißen hat, tun kann. Wahrer Glaube fußt nicht auf Erfahrungswerten und Wahrscheinlichkeitsrechnungen, sondern auf einer Sache: der Allmacht Gottes.

Vertraust du Gott?

Letztlich bringt die Frage nach der Größe unseres Glaubens uns zu unserem Gottesbild.

  • Erachte ich Gott für allmächtig? „Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott.“ (Lk 18,27)
  • Halte ich Gott für vertrauenswürdig? „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.“ (Heb 2,13)
  • Steht Gott in meinen Augen treu zu dem, was er sagt? „... weil sie den für treu erachtete, der die Verheißung gegeben hatte.“ (Heb 11,11)

Simpler Glaube daran, dass Gott zu seinem Wort steht, ehrt Gott, da er dabei sieht, dass sich seine Kinder blind (im positiven Sinn) auf ihn werfen und ausrufen: „Ich weiß zwar nicht, wie das gehen soll, aber ich vertraue dir dennoch!“ Gott ehrt den Glauben, weil der Glaube Gott ehrt.

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)

„Mehre uns den Glauben!“ (Lk 17,5)


[1] Dazu, wie der Herr Jesus verschiedene „Glaubenstiefen“ beurteilt, siehe folgende Verse: Mt 8,10.26; 9,28; 14,31; 15,28; 17,20; Mk 4,40; 11,24.

[2] Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Mensch auf dem Wasser gehen kann (Mt 14)? Wie logisch kann es sein, mit 5 Broten und 2 Fischen mehr als 5000 Menschen zu speisen (Joh 6)? Gibt es zuverlässige Erfahrungswerte, dass ein Toter wieder erwacht (Joh 11)? Wie vernünftig ist es schon, durch das Berühren eines Kleidungsstücks eine unheilbare Krankheit zu verlieren (Mk 5)? In allen diesen Fällen bekam Gott gerade dadurch große Ehre, dass er die Gesetze der Wahrscheinlichkeit auf den Kopf und seine Allmacht unter Beweis stellte.

Alexander Schneider