Priester nach der Ordnung Melchisedeks

Online seit dem 13.09.2007, Bibelstellen: Hebräer 7

Wer ist der erste Priester, den die Schrift nennt? Ist es Aaron? Nein. Lange vor der Gesetzgebung lebte in Jerusalem ein Priester, der zugleich König war: Melchisedek.

Dieser Melchisedek war größer als Aaron und seine Nachfolger. Er gehörte zu einer höheren Ordnung. Denn (Hebräer 7,1–10): Abraham gab Melchisedek den Zehnten. Abraham war der Vorfahre der Leviten und Priester Israels, die den Zehnten des Volkes empfingen. In der Person Abrahams lieferten die Leviten sozusagen den Zehnten ab. Und das geschah nicht aufgrund einer Verordnung, sondern angesichts der Würde der Person eines Melchisedeks.

Und Melchisedek segnete Abraham, den Vorvater Levis, der das auch akzeptierte. „Ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet“ (Hebräer 7,7). 

Von Melchisedek erwähnt die Schrift weder Vater noch Mutter, weder Geburt noch Tod und auch nicht das Ende seines Priesterdienstes. Darum wird er mit dem ewigen Sohn Gottes verglichen, der Priester ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Im Gegensatz dazu sind die Eltern Aarons bekannt (Amram und Jokebed) und auch sein Tod wird berichtet (4. Mose 20,28; 33,39).

Lange nachdem das Gesetz mit dem levitischen Priestertum eingeführt worden war, schrieb David in einem offenbar messianischen Psalm eine sehr bemerkenswerte Aussage: „Geschworen hat der HERR und es wird ihn nicht reuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks“ (Psalm 110,4). Wenn das levitische (oder aaronitische) Priestertum die Vollkommenheit gebracht hätte, dann hätte David nicht von einem Priestertum nach einer anderen Ordnung reden müssen.

Dieser eine Vers aus Psalm 110 macht klar, dass die Ordnung Melchisedeks die überlegene ist: Der Priesterdienst nach der Ordnung Melchisedeks ist bis in Ewigkeit, in der „Kraft eines unauflöslichen Lebens“, Christus hat ein „unveränderliches Priestertum“ (Hebräer 7,16.24). Bei dem levitischen Priestertum sieht das anders aus: „Und von jenen sind mehrere Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert waren zu bleiben“ (Hebräer 7,23). David erwähnt in Psalm 110 einen Schwur Gottes; dieser fehlt bei dem levitischen Priestertum. „Denn das Gesetz bestellt Menschen, die Schwachheit haben; das Wort des Eidschwurs aber, das nach dem Gesetz gekommen ist, einen Sohn, vollendet in Ewigkeit“ (Hebräer 7,25).

Christus ist nach seinem Eingang in den Himmel Priester nach der Ordnung Melchisedeks (Hebräer 5 und 7). Nach der Ordnung Aarons hätte er nicht einmal Priester sein können – denn er kam aus dem Haus Juda und nicht aus dem Haus Levi (Hebräer 7,14). Doch wenn auch Christus Priester nach der Ordnung Melchisedeks ist, so übt er den Priesterdienst heute nach dem Vorbild Aaron im himmlischen Heiligtum aus! Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn wir uns zum Beispiel mit der hohenpriesterlichen Kleidung in 2. Mose 28 beschäftigen, dann denken wir an Christus, der in das himmlische Heiligtum hineingegangen ist, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen.

Doch der Tag wird kommen, wenn der Herr Jesus das himmlische Heiligtum verlassen wird. Dann wird er den Priesterdienst nach dem Vorbild Melchisedeks erfüllen. Melchisedek brachte Abraham nach erfolgreicher Schlacht Brot und Wein heraus (1. Mose 14,18). Und so wird Christus dem gläubigen Überrest reiche Segnungen nach der Drangsalzeit bringen. Sie werden die „zukünftigen Güter“ (Hebräer 9,11) empfangen. Wir genießen sie heute schon, wenn wir in das Heiligtum hineingehen. 

Fassen wir das Bisherige zusammen: Der Herr Jesus hat ein unveränderliches Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks. Heute übt er seinen Dienst nach dem Vorbild Aarons aus, aber im Reich wird er den Priesterdienst nach dem Vorbild Melchisedeks (und immer noch nach dessen Ordnung) versehen. 

Auf eine sehr bemerkenswerte Vorschrift des Alten Testaments möchte ich in diesem Zusammenhang noch hinweisen: Wenn in Israel jemand aus Versehen getötet hatte, durfte der Totschläger in eine der sog. Zufluchtsstädte gehen. Dort war er sicher vor dem Bluträcher. Erst wenn der Hohepriester gestorben war, durfte er diese Stadt wieder verlassen und in das Land seines Eigentums zurückkehren (siehe 4. Mose 35,22–28). Der Totschläger ist ein Bild der Juden. Sie wurden aus ihrem Erbteil vertrieben, weil sie Christus getötet haben. (Das Gebet des Herrn: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ gab ihn sozusagen den Status eines Totschlägers). In der Fremde werden sie von Gott bewahrt. Wenn der Herr aus dem Heiligtum heraustreten und seinen derzeitigen Dienst nach dem Vorbild Aarons beenden wird – das wird in dem Tod des Hohenpriesters vorgestellt –, dann wird Israel sein Land wieder besitzen und die Segnungen genießen dürfen, die ihnen ihr König-Priester Jesus bringen wird.

Gerrid Setzer