Der Prophet Daniel ist ein hoch interessantes Buch, sicherlich an vielen Stellen auch nicht ganz einfach zu verstehen. Aber auch wenn es im Kern ein prophetisches Buch ist und Gott uns dort seine Gedanken mitteilt, die teilweise heute noch zukünftig sind und die sein Handeln mit seinem irdischen Volk und mit den Nationen zeigen, ist dieses Buch auch voll von praktischen Belehrungen und Ermutigungen. Es ist ein Buch, das gerade in unsere Zeit hineinspricht.
Auf der einen Seite ist die Zeit doch leider gekennzeichnet durch Niedergang im Volk Gottes, durch Niedergang auch unter wahren Gläubigen, nicht nur in der Christenheit im Allgemeinen. Und sie ist gekennzeichnet dadurch, dass wir in einer Welt leben, die zunehmend die Gedanken Gottes, die Er uns in der Bibel mitgeteilt hat, auf den Kopf stellt. Dieses Buch zeigt uns nun, wie wir in so einer Zeit persönlich unseren Weg in Treue gehen können, dass Gott einen Weg für uns hat und dass Gott auch einen Weg für unsere Kinder hat.
In den ersten sechs Kapiteln dieses Propheten wird uns ein historischer Bericht gegeben über Daniel und seine Freunde, wie sie als ein kleiner Überrest inmitten der Masse in Treue ihren Weg gehen und wie Gott sich zu ihnen bekennt. Sie sind darin ein Vorbild für uns, wie ein treuer Wandel während dieser Zeit zur Ehre Gottes „funktioniert“.
Gerade da, wo die Umstände dazu angetan wären, entweder zu resignieren oder sich wegzuducken und sich anzupassen, sehen wir, wie Daniel und seine Freunde in Konsequenz Gott treu sind. Und das, obwohl sie keine guten Vorbilder hatten. In Juda regierte ein gottloser König, und von anderen, die weggeführt waren, lesen wir auch nicht, ob sie dem Herrn treu waren. Aber sie schauten nicht auf die anderen, sondern sie stützten sich auf Gottes Wort und auf ihre Beziehung zu Gott. Sie waren gekennzeichnet durch Gebet und durch ein gerechtes Leben inmitten der Ungerechtigkeit. Gott führt sie auch durch schwierige Umstände. Er bewahrt sie durchaus nicht vor Nöten, aber Er bewahrt sie in den Nöten und bekennt sich zu ihnen.
Gerade in Kapitel 1 sehen wir, wie Daniel und seine Freunde durch ihr Verhalten Gott ehren. Und in Kapitel 2 gibt Gott dann eine direkte Antwort darauf, indem Er sich sichtbar zu ihnen bekennt, seine Gedanken offenbart und einen Weg gibt, als alles ausweglos erscheint. Es ist ein Beispiel für das Wort aus 1. Samuel 2,30: „Denn die, die mich ehren, werde ich ehren.“ Ja, gerade da triumphiert die Gnade Gottes. Und wir sehen etwas von der unvergleichlichen Größe Gottes.
Weiter lernen wir: Selbst wenn wir vielleicht im Moment keinen Ausweg sehen und wenn uns alles so erscheint, als wenn der Teufel, als wenn die Welt triumphiert, ist Gott der Gott des Himmels. Er sitzt im Regiment und hat einen Weg für uns.
Und wenn wir an unsere Kinder denken, dann sehen wir auch, dass wir in einer Zeit leben, wo es zunehmend schwierig wird und wo man vielleicht sagen könnte: Es ist eine Zeit, wo wir die Kinder gar nicht mehr für den Herrn erziehen können. Und doch ist es so! Auch wenn uns von den Eltern Daniels überhaupt nichts mitgeteilt wird, sehen wir doch in dem Namen, den sie ihm gegeben hatten: „Mein Gott ist Richter“, dass sie solche waren, die offensichtlich zu den Treuen in Israel gehörten und die wussten, dass die Abwendung von Gott das Gericht nach sich zog. Sie hatten aber auch eine Beziehung zu Gott, da sie ihren Sohn Daniel unterwiesen hatten im Wort Gottes. Sie hatten ihn gelehrt, ein Gebetsleben zu führen und das zu tun, was recht ist in den Augen Gottes. Daniel verhielt sich recht gegenüber seinen Vorgesetzten. Er war der Obrigkeit untertan, hatte aber sehr wohl auch im Bewusstsein, dass es gilt, Gott mehr zu gehorchen als Menschen. Er war in jungen Jahren nach Babel gekommen, wahrscheinlich war er kaum älter als 15 Jahre gewesen. Wir können nicht annehmen, dass er in Babel etwas gelernt hatte, was ihn zur Treue animierte, sondern die Eltern hatten ein Gerüst, ein Fundament gelegt in seinem Leben durch die Gnade Gottes, und Daniel ging jetzt in seiner Verantwortung vor dem Herrn in Treue voran.
So gilt für dieses Buch in Bezug auf den praktischen Wandel das „Du aber“, das wir auch im zweiten Timotheusbrief finden. Egal, was die anderen tun, egal, wie die Masse sich entwickelt, Gott hat einen Weg für uns. Dieses „Du aber“ ermutigt uns persönlich, Ihm treu nachzufolgen zu seiner Ehre als ein Licht in dieser Welt.
