In der Begebenheit von Daniel und seinen Freunden, die vermutlich schon als Jugendliche in eine gottfeindliche Umgebung nach Babel verschleppt wurden, finden wir bereits am Anfang der Begebenheit zweimal in Daniel 1 den Ausdruck „und Gott gab.“
Das erste Mal in Daniel 1,9. Dort heißt es „Und Gott gab Daniel Gnade und Barmherzigkeit vor dem Obersten der Hofbeamten.“ Dem war vorausgegangen, dass Daniel einen Herzensentschluss gefasst hatte, sich nicht zu verunreinigen. Er kannte Gottes Wort, und er wollte diesem Wort gehorsam sein, auch wenn die Umstände dagegensprachen, auch wenn es unvernünftig schien. Aber der Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort ging für ihn über alles, und das setzte er in die Tat um in einer guten Gesinnung. Gott antwortete auf dieses Herz der Treue unmittelbar – er gab. Er gibt erstens Gnade. Gnade meint die unverdiente Zuwendung Gottes uns gegenüber. Die Gnade entspringt seinem Herzen, also seinem Wesen, er gibt nach dem, was er ist, während Barmherzigkeit anknüpft an unseren Bedürfnissen und unserem Zustand entspricht. Er sah also Daniel in dieser schwierigen Situation, in den Nöten, in denen er war. Auf der einen Seite sicherlich Gewissensnöte wegen der Aufforderung, etwas zu tun, was dem Glauben, dem Wort Gottes widersprach. Auf der anderen eine schwierige Situation gegenüber diesem Obersten, dem er doch unterstellt war. Aber Gott gibt sowohl das, was den Bedürfnissen entspricht, als auch aus der Fülle seines Herzens in Gnade, und das geht noch weit über das hinaus, wessen wir bedürfen. So sehen wir dann auch, dass Gott die Umstände hinter den Kulissen so lenkt, dass es möglich ist, dass die vier Freunde sich nicht verunreinigen. Er bekennt sich dazu, dass sie sogar in ihrem Aussehen völliger an Fleisch sind als die anderen Jünglinge, die die Tafelkost des Königs aßen. Also eine wunderbare Antwort Gottes auf diese Treue von Daniel, aber auch von seinen Freunden.
Und dann kommt in Daniel 1,17 das zweite Mal, dass Gott etwas gibt. Dort heißt es: „Und diesen vier Jünglingen, ihnen gab Gott Kenntnis und Einsicht in aller Schrift und Weisheit.“ Hier wird ausdrücklich gesagt „diesen vier“. Es waren viele nach Babel verschleppt worden, aber diese vier standen im Gegensatz zu vielen anderen. Wir wollen nicht über die anderen urteilen, weil die Situation sicherlich schwierig war, aber doch die Frage an uns selbst richten, inwieweit wir bereit sind, dem Herrn treu zu sein, auch wenn die Umstände schwierig sind. Gerade diesen vier und nicht den anderen gibt Gott etwas. Er gibt Kenntnis und Einsicht. Die eine Seite ist, dass sie sicherlich fleißig gelernt haben, dass sie sich mit dem Lernstoff, mit dem sie konfrontiert worden waren, auch auseinandergesetzt hatten. Aber letztendlich ist es Gott, der zu allem Gelingen gibt, der sie in die Lage versetzte, das zu verstehen, was sie lernen sollten, den Sinn zu begreifen, der dahinterstand, und es auch im Alltag anzuwenden. Und das bezog sich auf die Lerninhalte Babels, denn das wird später bei der Prüfung des Königs deutlich. Aber die Priorität von Daniel und seinen Freunden lag auf der Treue gegenüber dem Wort Gottes. Und wenn Gott uns Gnade schenkt in unseren irdischen Umständen und Gelingen, dann kann er auch erwarten, dass wir unsere Arbeit gut und fleißig machen. Wir wollen aber auch daran denken, dass letztendlich er es ist, der uns die Fähigkeiten gegeben hat und dass wir es uns nicht selbst zuschreiben dürfen. Weil das bei Daniel und seinen Freunden so war, weil sie ein Bewusstsein hatten, dass Gott sie leitete und ihnen aus seiner Fülle gab, gibt Gott ihnen auch diese unmittelbare Antwort.
Das darf auch uns Mut machen. Ob es in ganz praktischen Situationen in Beruf oder Schule oder Ausbildung und Studium ist oder ob es überhaupt in schwierigen Situationen unseres Lebens ist. Gott hat einen Weg für uns. Er gibt eine Antwort auf die Treue auch heute noch. Deshalb lasst uns in einer gottfeindlichen Umgebung nicht mutlos werden, sondern auf unseren Herrn und auf sein Wort vertrauen. Er wird uns einen Weg geben.
