„O dass mein Kummer doch gewogen würde und man mein Missgeschick auf die Waagschale legte allzumal! Denn dann würde es schwerer sein als der Sand der Meere“ (Hiob 6,2.3).

„Deshalb ermatten wir nicht … Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Trübsal bewirkt uns ein über jedes Maß hinausgehendes, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig“ (2. Kor 4,16–18).

Hiob und Paulus – zwei Männer, die unfassbar viel Leid ertragen mussten. Doch beide hatten verschiedene Ansätze. Bei Paulus sehen wir einen ganz wichtigen Schlüssel, wie wir trotz harter Umstände nicht aufgeben.

a) Die Ausgangslage: schweres Leid

Hiob und Paulus wiegen beide ihr Leid, indem sie es vor ihrem inneren Auge auf eine Waage legen (eine Balkenwaage mit zwei Waagschalen, die wir möglicherweise noch von Märkten kennen). Sie legen ihr Leid auf die eine Seite – und spüren das schwere Gewicht. Hiob sagt sogar, es sei schwerer als der Sand der Meere. Leider bleibt er hier stehen. Paulus nicht.

b) Der Schlüssel: die andere Waagschale

Paulus empfindet auch die Schwere seines Leids. Nur ein kleiner Auszug: „Wir verzweifelten am Leben“ (2. Kor 1,8); „In Mühen überreichlicher, in Gefängnissen überreichlicher, in Schlägen übermäßig, in Todesgefahren oft. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Schläge weniger einen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren durch Flüsse, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem, was außergewöhnlich ist, noch das, was täglich auf mich andringt: die Sorge um alle Versammlungen“ (2. Kor 11,23–28).

Doch plötzlich ändert sich sein Fokus. Nun legt er nämlich etwas anderes auf die zweite Waagschale – und merkt dann, dass das schwere Leid auf einmal ganz leicht wird.

Beachten wir die Kontraste, die ihm hier deutlich werden:

  • das schnell vorübergehende Leichte – ewiges
  • Leichte – ein über jedes Maß hinausgehendes Gewicht
  • Trübsal – Herrlichkeit

Seine Schlussfolgerung: „Deshalb geben wir nicht auf“ (2. Kor 4,16). Weil Paulus den richtigen Ewigkeitsblick hatte und merkte, dass sein irdisches Leid (das für sich genommen natürlich furchtbar erdrückend war) im Vergleich zur Hoffnung der Herrlichkeit völlig verblasst, konnte er gestärkt im Glauben weitermachen.

Hast du, wie Hiob, auch manchmal den Eindruck, dass deine Leiden so schwer wären wie der Sand des Meeres? Paulus zeigt uns hier seinen Schlüssel, nicht das Handtuch zu werfen: der richtige Fokus,  die richtige Perspektive. Er sagt sozusagen: Was sind achtzig Jahren Gefängnis, verglichen mit Trillionen von Jahren Vaterhaus? Diesen Vergleich finden wir übrigens mehrmals im Neuen Testament: Römer 8,18; 1. Petrus 1,6; 5,10. Ein Wort umschreibt diesen Schlüssel: Hoffnung.

c) Unsere Verantwortung: unser Blick

Wir wissen aus Erfahrung, dass diese Perspektivverschiebung nicht automatisch gelingt. Deshalb schreibt er auch in 2. Korinther 4,18 davon, dass er seinen Blick bewusst auf ewige Dinge richtet. Das ist unsere Verantwortung. Dabei denken wir an Petrus, der dann anfing zu sinken, als er seinen Blick abwandte vom Herrn (Mt 14,30). Wir denken an Mose, der nur deshalb mutig vor dem Pharao auftreten konnte, weil er sozusagen den Unsichtbaren sah (Heb 11,27). Wir denken an Elisa, der – im Gegensatz zu seinem Knecht – nicht nur die Feinde sah, sondern auch die Heerscharen des Himmels, und deshalb furchtlos sein konnte (2. Kön 6,15–17). Der Schlüssel Hoffnung kann also angewendet werden durch: Glauben.

Diese Hoffnung und diesen Glauben – um eben trotz aller Widrigkeiten nicht aufzugeben – benötigen wir Tag für Tag!