Redet zu dem Felsen

Online seit dem 21.10.2007, Bibelstellen: 4. Mose 20

Der Aufstand Korahs hat das Priestertum Aarons deutlicher denn je zum Vorschein kommen lassen. Dienst ist nicht Priestertum, auch wenn er seinen eigenen wichtigen Platz hat. Aber nur das Priestertum kann und wird das versagende Volk Gottes durch die Wüste hindurch nach Kanaan bringen. „Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, viel mehr werden wir, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden“ (Rö 5,10). „Daher vermag er auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden“ (Heb 7,25). Zuerst kommt  das Opfer, dann der Dienst des Priesters – bis zur Errettung. Denn noch sind wir auf dem Weg durch die Wüste, und der Gerechte wird mit Not errettet.

„Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt“ (1. Kor 10,13). „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe“ (Heb 4,15–16).

Die Notwendigkeit des Priestertums Aarons wurde offenkundig, als die Plage unter den murrenden Israeliten begann, und Aaron mitten unter die Versammlung laufen musste, das Räucherwerk auflegte und Sühnung für das Volk tat. „Und er stand zwischen den Toten und den Lebendigen, und der Plage wurde gewehrt (4. Mo 17,13).

Doch Gott tat noch mehr. Er entschied für immer zwischen den Fürsten des Volkes und den Priestern Seiner Wahl. Denn jeder der zwölf Häupter Israels legte seinen Stab nieder vor dem Herrn, damit Er ein für alle Mal wählen möge, wer sich bei Ihm für das Volk verwenden sollte. „Siehe, da hatte der Stab Aarons, vom Hause Levi, gesprosst: Er hatte Sprossen getrieben und Blüten gebracht und Mandeln gereift“ (4. Mo 17,23). Alle anderen Stäbe waren trocken und ohne Frucht. Am Morgen hatte nur der Stab Aarons zu Leben, Sprossen, Blüten und Frucht ausgeschlagen. Die Frage war ein für allemal entschieden: Er allein war dazu erwählt, zu nahen. Israel war in sich selbst genau so saftlos und verdorrt wie seine Stäbe. Der Mensch braucht einen lebendigen Priester. Der Stab Aarons (und zwar hier noch mehr im Charakter Melchisedeks) ist jedoch ein Bild von Dem, in dem die Kraft eines unauflöslichen Lebens ist. Fortan ist dies der Stab, das lebendige, unveränderliche Zeugnis von der göttlichen Kraft und dem Gott entsprechenden Segen für das Volk. Der Priester trägt die Ungerechtigkeit des Heiligtums. Dienst ist dem Priestertum untergeordnet; so wie sich der Stamm Levi an den Priester anschloss (4. Mose 18). Und Gnade stellte für alle die Asche der roten jungen Kuh bereit, damit es den Verunreinigten unter den Kindern Israel zu keiner Zeit an einer Reinigung von Sünden mangelte. Denn sie waren auf dem Weg immer der Unreinigkeit ausgesetzt, und das Wasser der Reinigung musste auf sie gesprengt werden, damit sie entsündigt wurden. Gott wird Seine Heiligkeit nicht durch das Gestatten von Verunreinigung in Seinem Volk verringern, aber Er stellt für den Verunreinigten das Wasser der Reinigung bereit, damit der Unreine täglich entsündigt werden konnte. „Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn“ (Rö 5,21).

Hier sieht man, wie die neue Generation am Ende des Auszugs geprüft wird, so wie die alte zu Beginn des Auszugs geprüft wurde. Wie damals war auch jetzt kein Wasser da für die Gemeinde, und sie versammelt sich gegen Mose und gegen Aaron. „Und das Volk haderte mit Mose, und sie sprachen und sagten: Wären wir doch umgekommen, als unsere Brüder vor dem Herrn umkamen! Und warum habt ihr die Versammlung des Herrn in diese Wüste gebracht, dass wir da sterben, wir und unser Vieh? Und warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, um uns an diesen bösen Ort zu bringen? Es ist kein Ort der Aussaat und der Feigenbäume und der Weinstöcke und der Granatbäume, und es gibt kein Wasser zu trinken“ (Vers 3–5). Kein Wunder, dass Mose und Aaron bei einem so niederträchtigen Unglauben auf ihr Angesicht fielen. Aber die Herrlichkeit des Herrn erschien, und ohne einen Vorwurf sagt der Herr zu Mose: „Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet vor ihren Augen zu dem Felsen, so wird er sein Wasser geben; und du wirst ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und der Gemeinde zu trinken geben und ihrem Vieh“ (Vers 8).

Es gab kein Missverständnis, denn „Mose nahm den Stab vor dem Herrn weg, so wie er ihm geboten hatte. Und Mose und Aaron versammelten die Versammlung vor dem Felsen.“ Von diesem Moment an lief alles verkehrt. Denn Mose, durch die maßlose Undankbarkeit und Auflehnung des Volkes provoziert, „redete unbedacht mit seinen Lippen.“ „Hört doch, ihr Widerspenstigen! Werden wir euch Wasser aus diesem Felsen hervorbringen?“(Vers 10). Wer verlangte das von ihm? Mose wurde von dem Bösen überwunden, anstatt das Böse mit dem Guten zu überwinden. Er, der lange Zeit der Sanftmütigste von allen Menschen gewesen war, versagte schließlich gerade in dieser Beziehung. Als Gott seine Barmherzigkeit großmachen und ausdrücklich auf die Wahrheit aufmerksam machen wollte, dass nichts ein irrendes Volk durchbringen konnte als nur priesterliche Barmherzigkeit, gab Mose seinem natürlichen Unmut Raum und behauptete seine eigene Autorität: „und es erging Mose übel ihretwegen“ (Ps 106,32). Er war weit herabgesunken auf ihr Niveau, anstatt sich, wie der Glaube es getan hätte, hinter der Gnade Gottes zu verbergen. Und seine Tat war nicht besser als seine Worte in diesem kritischen Moment. „Lasst ab vom Menschen, in dessen Nase nur ein Odem ist! Denn wofür ist er zu achten?“ (Jes 2,22). „Und Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit seinem Stab zweimal“ (Vers 11). Wer, frage ich erneut, verlangte das von ihm? Das war vollständiges Abweichen von dem Gebot des Herrn, der ihm geboten hatte, „den Stab“ zu nehmen – nicht seinen, sondern Aarons Stab – und zu dem Felsen zu reden, und er würde sein Wasser geben. Mit seinem Stab schlug Mose den Felsen zweimal. Der Zeuge, bis dahin treu, stellte Gott falsch dar und musste für diesen Fehler sterben. Der Missbrauch des Stabes des Gerichts brachte ihm selbst den Tod, der Stab der Gnade gab den Ausschlag für das Volk. Denn diesen Stab hatte er herausgebracht, das Symbol dessen, was allein angemessen war für ein so versagendes Volk.

In 2. Mose 17 war es in Übereinstimmung mit Gott, dass Mose den Felsen schlagen sollte. Dort erschien Mose allein. Aus dem geschlagen Felsen musste Wasser hervorkommen. Jesus kam durch Wasser und Blut. Erniedrigung bis zum Tod musste das Teil Christi sein, wenn das Volk Gottes den Geist empfangen sollte. Es muss eine Grundlage der Gerechtigkeit geben, und es gibt sie. Der Sohn des Menschen muss erhöht werden.

Doch jetzt, für die Reise des Volkes durch die Wüste, für das Eingehen in das Land Kanaan, kann nur Gnade helfen, die Gnade eines immerdar lebenden Priesters. Verletzte und aufgebrachte Gefühle können nichts erreichen. „Wenn du, Jah, auf die Ungerechtigkeiten achtest: Herr, wer wird bestehen?“ (Ps 130,3). „Und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht! Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht“ (Ps 143,2). „Hört doch, ihr Widerspenstigen“, mag aus menschlicher Sicht wahr und sogar gerecht sein, aber war es Gottes Wort für diesen Augenblick? Handelte Er in Gnade oder in Gericht? Und wenn hinzugefügt wird: „werden wir euch Wasser aus diesem Felsen hervorbringen“ – stand Gott dann vor ihren Blicken? War es nicht das Ich, das durch die Undankbarkeit des Menschen verletzt war?

Es erstaunt uns, dass der Fehler des Dieners die Gnade Gottes nicht behinderte. „Da kam viel Wasser heraus, und die Gemeinde trank und ihr Vieh“ (Vers 11).

„Da sprach der Herr zu Mose und zu Aaron: Weil ihr mir nicht geglaubt habt, mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen, darum sollt ihr diese Versammlung nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe. Das ist das Wasser von Meriba, wo die Kinder Israel mit dem Herrn haderten und er sich an ihnen heiligte“ (Vers 12–13). Mose und Aaron heiligten Ihn nicht, sondern gaben für die Wiederherstellung ihrer verletzten Autorität die Gnade auf. Wäre das auch Gottes Empfinden gewesen, hätte Er kein Wasser aus dem Felsen hervorgebracht. Der Herr wurde geheiligt; doch es geschah durch das Aufrechterhalten Seines eigenen Wortes, Seiner eigenen Gnade, ungeachtet des Versagens Moses und Aarons, eines Versagen, das ihnen unmittelbaren Tadel einbrachte und die harte Züchtigung des Sterbens außerhalb des Landes, des Landes Kanaan, wohin die Gnade das Volk führen würde.

[Übersetzt aus „The Bible Treasury“ von Marco Leßmann]

William Kelly