„Ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Frieden und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen“ (1. Thes 5,2.3).

Der Tag des Herrn wird durch Gerichte eingeleitet. Bevor der Herr Jesus seine öffentliche Herrschaft antritt, muss jeder Widerstand im Gericht beseitigt werden. Der Tag des Herrn ist anfänglich „ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung“ (Zeph 1,15).

Um deutlich zu machen, was der Tag des Herrn für die Ungläubigen bedeutet, benutzt Paulus in der oben zitierten Stelle zwei Bilder:

  • Die Gottlosen werden den Tag des Herrn erleben wie einen Diebstahl in der Nacht, der unerwartet geschieht und Schaden und Verwüstung bringt (vgl. Mt 24,43).
  • Den Gottlosen wird es wie einer Schwangeren ergehen, über die plötzlich die geburtswirksamen Wehen kommen, was einen unaufhaltsamen und stetig schmerzhafteren Prozess einleitet, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Plötzliches Verderben

Das Verderben kommt für die Gottlosen gerade auch deshalb unerwartet, weil es in eine Phase des Friedens und der Sicherheit hereinbricht. Denn nachdem die Gläubigen entrückt sind, wird es einen Zeitpunkt geben (vgl. 1. Thes 5,1), wo rund um den Globus „Frieden und Sicherheit“ proklamiert wird.[1]

Den Beginn der Gerichte schildert der Apostel Johannes so: „Und ich sah: Und siehe, ein weißes Pferd, und der, der darauf saß, hatte einen Bogen; und eine Krone wurde ihm gegeben, und er zog aus, siegend und damit er siegte“ (Off 6,2). Es tritt offenbar jemand auf, der als ein Sieger erscheint („weißes Pferd“). Es ist jemand, der über weitreichende militärische Ressourcen verfügt, diese aber nicht einsetzt – es ist die Rede von einem Bogen, aber nicht von Pfeilen. Dieser Führer bekommt Autorität („Krone“) und wird sie entschlossen dafür einsetzen, seinen Machtbereich auszudehnen. Der vorangetriebene Imperialismus bringt scheinbare Stabilität, wobei auch der Bund zwischen dem Römischen Reich und Israel manche beruhigen mag (Dan 9,27). Doch das Gegenteil ist der Fall: Unter der Oberfläche formiert sich erbitterter Widerstand und erbarmungsloser Hass, was sich kurze Zeit später in voller Wucht entladen wird.

Den darauffolgenden Gerichtsschlag schildert Johannes wie folgt: „Und ein anderes, feuerrotes Pferd zog aus; und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und dass sie einander schlachteten; und ein großes Schwert wurde ihm gegeben“ (Off 6,4). Jetzt wird der Frieden von der Erde weggenommen, jede Sicherheit geht den Menschen verloren, denn es kommt zu einem globalen Gemetzel. Es ist der „Anfang der Wehen“ (Mt 24,8), dem noch viele weitere, schmerzhafte „Wehen“ folgen werden, bis die Gerichte ihren Abschluss und Höhepunkt in der Erscheinung des Herrn Jesus finden (Mt 24,27). Die Gottlosen, die die große Rettung in Christus Jesus verachtet haben, werden nicht entfliehen (vgl. mit Röm 2,3; Heb 2,3).

Eine andere Perspektive

Uns aber, die wir nicht wie die Gottlosen in der Finsternis sind, wird der Tag nicht wie ein Dieb ergreifen (1. Thes 5,4). Wir warten vielmehr darauf, dass der Herr Jesus wiederkommt, um uns aus dieser Welt herauszuretten (1. Thes 5,9). Das ist unsere Hoffnung und Freude. Später wird der Herr Jesus mit uns erscheinen und seine Herrschaft als König über diese Erde antreten. Dann, aber auch erst dann, wird diese geplagte Erde und sein irdisches Volk Israel dauerhaften Frieden und echte Sicherheit erlangen. Der Prophet Jesaja verkündet im Blick auf diese Zeit: „Siehe, ein König wird regieren in Gerechtigkeit; und die Fürsten, sie werden nach Recht herrschen … und das Werk der Gerechtigkeit wird Frieden sein und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit in Ewigkeit. Und mein Volk wird wohnen an einer Wohnstätte des Friedens und in sicheren Wohnungen und an stillen Ruhestätten“ (Jes 32,1.17.18).

[Aus der Monatszeitschrift Im Glauben leben]


Fußnoten:

  1. Die Organisation der Vereinten Nationen, zu der fast alle Länder der Erde gehören, hat „Frieden und Sicherheit“ zur höchsten Priorität gemacht. Im ersten Satz der UN-Charta heißt es: „Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele: den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen.“ Die Sehnsucht nach Frieden und Sicherheit ist unter den Völkern bereits heute stark ausgeprägt – aber noch ist die Zeit nicht gekommen, wo das als Tatsache verkündet wird!