Nach der Entrückung der Gläubigen wird sehr schnell „der Abfall“ beginnen (2. Thes 2,3) – ein Ausdruck, der das dann sehr schnell hereinbrechende geistliche Klima beschreibt, wenn „der, der zurückhält“, der Heilige Geist, nicht mehr auf der Erde sein wird. Diese gewaltige Bewegung wird dahin führen, dass man alle Wahrheiten des Christentums abstreifen und leugnen wird, dass der Mensch Gott als Autorität über sich hat. Gott wird entthront und der Mensch vergöttert sich selbst. Zwar fallen auch heute schon etliche vom Glauben ab (1. Tim 4,1), aber „der Abfall“ ist das Abwenden der gesamten Christenheit von Gott und der Wahrheit. Heute fallen gleichsam einzelne Bäume um, aber dann wird der ganze Wald erdrutschartig zerstört.

Diese Bewegung macht dem Antichristen Bahn – die Vergötterung des Menschen bereitet den Weg für die Verkörperung dieses bösen Prinzips. Der Antichrist ist eine teuflische Nachahmung Christi. „Wenn die Kenntnis Christi einen wahren Christen ausmacht, dann muss und wird der Widersacher versuchen, die Wahrheit von Christus mit aller diabolischen Weisheit zu verderben“ (Chr. Briem). Wir verstehen gut, dass gerade der Apostel, der sich besonders der Liebe Jesu bewusst war, diesen von Satan inspirierten Supermenschen „Antichrist“ nennt (1. Joh 2,18).

Die teuflische Imitation zeigt sich in verschiedenen Kennzeichen. Der Antichrist wird wie ein Lamm aussehen (Off 13,11). Er wird mit großer Macht und Herrschaftsanspruch kommen und diesen Herrschaftsanspruch mit übernatürlichen Zeichen und Wundern untermauern (2. Thes 2,9). Sogar Feuer wird vom Himmel fallen (Off 13,13). Und bis auf wenige Ausnahmen wird ihn das jüdische Volk als Messias annehmen (Joh 5,43).

Doch ein Herz, das Christus liebt, erkennt in den Beschreibungen dieser unheilvollen Persönlichkeit sofort große Gegensätze zu unserem Herrn:

  • Der Antichrist ist ein Mensch und macht sich zu Gott (2. Thes 2,4) – Christus war und ist Gott und wurde Mensch.
  • Der Antichrist erhöht sich selbst (2. Thes 2,4) – Christus erniedrigte sich selbst.
  • Der Antichrist widersteht gegen alles, was von Gott ist, und handelt im Eigenwillen (2. Thes 2,4; Dan 11,36) – Christus ordnete sich in allem dem Willen Gottes unter.
  • Der Antichrist setzt sich in den Tempel und lässt sich dort verehren (2. Thes 2,4) – Christus saß als Zwölfjähriger im Tempel, hörte zu und stellte Fragen. Er heilte im Tempel Lahme und Blinde, die selbst David verhasst waren.
  • Der Antichrist wird große Lästerworte gegen Gott reden (Dan 11,36) und niemand wird ihn dafür belangen – Christus ehrte durch seine Worte seinen Vater, aber Er wurde der Lästerung bezichtigt.
  • Der Antichrist wird durch Zeichen und Wunder lügen, betrügen und verführen (2. Thes 2,9.10; Off 13,14) – Christus tat durch Wunder wohl, heilte und tröstete.
  • Der Antichrist ist der Gesetzlose, der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens (2. Thes 2,3.8) – Christus ist der Gerechte, der Sündlose, der Heiland der Welt.

Wie anders ist Christus als der Antichrist. Wie ein Reis schoss Er vor Gott auf und wurde für nichts geachtet (Jes 53,2.3). Er suchte nie seine Ehre, sondern ehrte seinen Vater (Joh 8,54) – eine ständige Anklage an  die Menschen, die Ehre voneinander annehmen und deshalb so bereit sein werden, den Antichristen, die Verkörperung der Selbstherrlichkeit, anzunehmen (Joh 5,43.44).

Der Antichrist wird leugnen, dass Jesus der Christus ist (1. Joh 2,22a). Ebenso wird er den Vater und den Sohn leugnen (1. Joh 2,22b). So verwirft er sowohl das Alte als auch das Neue Testament und bringt Juden und Christen (christliche Bekenner) gleichermaßen hinter sich. Welche moralische Finsternis offenbart sich hier, dass der Antichrist gerade die verführen kann, die das Gesetz und die das Evangelium hatten.

Aber bevor wir uns zu schnell zurücklehnen und sagen: „Das betrifft uns ja nicht“, lasst uns die Warnungen von Paulus und Johannes nicht überhören. Denn zwar ist der Antichrist noch nicht gekommen, aber der antichristliche Geist verbreitet sich immer mehr. Es „sind auch jetzt viele Antichristen geworden[1]“ (1. Joh 2,18), und „das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon wirksam“ (2. Thes 2,7). Menschen an die Stelle des Herrn Jesus zu setzen, das ist antichristlicher Geist. Und wie weit verbreitet ist das. Und wer sich an die Stelle Christi setzt, der ist ein Antichrist. Lasst uns vor dieser satanischen Verführung auf der Hut sein.


Fußnoten:

  1. Oder: aufgetreten.