Einleitende Gedanken

Das Johannesevangelium wirft ein besonderes Licht auf die Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus als Sohn Gottes. Dieses Evangelium hat drei große Hauptteile: Die Kapitel 1 bis 12 zeigen uns das Leben des Herrn Jesus auf der Erde und Seinen öffentlichen Dienst; die Kapitel 13 bis 17 berichten uns die Abschiedsworte, die der Herr Jesus an Seine Jünger gerichtet hat, als Er allein mit ihnen war; und in den Kapiteln 18 bis 21 werden uns Sein Tod und Seine Auferstehung vorgestellt.

Hier in Johannes 12 befinden wir uns also am Ende des ersten Teiles dieses Evangeliums. In diesem Teil wird uns der Herr Jesus zuerst als das Leben (Kapitel 3 bis 7) und dann als das Licht (Kapitel 8 bis 12) vorgestellt. Als das Leben und als das Licht ist der Herr Jesus in diesem Evangelium von Anfang an abgelehnt worden (Joh 1,11). Von Anfang an ist Er derjenige, der zurückgewiesen wird, den man nicht haben wollte.

Und hier am Ende dieses ersten Teiles sorgt Gott dafür, dass noch einmal ein herrliches Zeugnis von dem, was der Herr Jesus ist, gegeben wird. In Johannes 12,1–11 sehen wir, wie Er als Sohn Gottes von Maria gesalbt wird. Johannes schildert nicht, dass sie dem Herrn Jesus als dem König das Haupt salbt (wie es Matthäus tut), sondern dass sie Ihm als dem Sohn Gottes die Füße salbt. Als zweites Zeugnis finden wir dann in Johannes 12,12–19, dass Er als Messias, als Sohn Davids begrüßt wird, als Er in Jerusalem einzieht und die Weissagung aus Sacharja 9 erfüllt. Auch für dieses Zeugnis hat Gott gesorgt. Ab Vers 20 in diesem Kapitel sehen wir dann, dass Griechen nach Jerusalem kommen, und der Herr Jesus offenbart sich als der Sohn des Menschen. Auch das ist ein herrliches Zeugnis, dass Gott, der Vater, Ihm gibt. Sohn des Menschen ist ein besonderer Titel des Herrn Jesus sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament.

Die Pharisäer hatten in Vers 19 gesagt: „Ihr seht, dass ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist ihm nachgegangen“. Die Seinen hatten Ihn abgelehnt, aber der Herr Jesus war nicht nur zu Seinem irdischen Volk gekommen, sondern der Segen sollte weit über die Grenzen Israels hinausgehen. Diese Griechen, die jetzt zu Ihm kommen, sind solche Menschen aus der Welt, die Ihm nachgegangen sind, und sie haben den Wunsch, Jesus zu sehen.

Philippus und Andreas helfen ihnen, dass ihr Wunsch erfüllt wird. Und diese Gelegenheit nutzt der Herr, um eine wunderbare Herrlichkeit zu offenbaren, mit der wohl niemand gerechnet hatte. Er spricht über den Sohn des Menschen, aber Er spricht darüber in einer ganz anderen Weise, als man hätte erwarten können. Im Alten Testament finden wir diesen Titel drei Mal, und jedes Mal in Verbindung mit der Herrschaft des Herrn Jesus. Psalm 80,18 zeigt den Sohn des Menschen als den König über Sein Volk; Daniel 7,13 als den Herrscher über die Nationen; und die wohl bekannteste Stelle in Psalm 8,5 ff. zeigt Ihn uns als den Sohn des Menschen, der einmal über alle Werke der Hände Gottes gestellt werden wird.

Aber wenn der Herr Jesus hier über den Sohn des Menschen spricht, sagt Er über diese Herrschaft gar nichts. Es ist sehr bewegend, dass Er hier etwas ganz anderes zeigt: Er spricht nicht von der Herrlichkeit des Reiches, sondern Er spricht von Seinen Leiden und Seinem Tod, von Seiner Auferstehung und auch von der Frucht, die daraus hervorgehen würde. Nicht nur Frucht aus Israel, sondern eine ganz andere Frucht (Vers 24). Die Verse 25 und 26 sind dann eine Art Einschaltung, in denen der Herr zeigt, was mit denen geschieht, die jetzt schon Frucht für den Herrn Jesus sind, die Ihm nachfolgen.

„Jetzt ist meine Seele bestürzt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ (V. 27.28a).

Dieser Vers schließt nach der Einschaltung der Verse 25 und 26 direkt an Vers 24 an, und der Herr Jesus zeigt, was es für Ihn bedeutet, dass Er als das Weizenkorn in die Erde gelegt würde – die Voraussetzung dafür, dass es diese Frucht einmal geben könnte. Er spricht hier von Golgatha, und Er wusste ganz genau, was auf Ihn zukam. Er wusste, dass Er gekreuzigt werden würde und dort Sein Leben lassen würde.

Wir sehen hier in Seinen Worten, dass Er einerseits als vollkommener Mensch zurückschreckte vor diesem schrecklichen Geschehen; Er konnte nicht wünschen, zur Sünde gemacht zu werden. Er hatte einen Geist, der erschüttert wurde; Er hatte eine Seele, die bestürzt wurde; und Er hatte einen Körper – Er war wahrer Mensch. Und dieser vollkommene Mensch war zugleich der ewige Gott, der andererseits wusste, dass es keinen anderen Weg gab, und der um jeden Preis wollte, dass der Name des Vaters verherrlicht würde.

Wenn der Herr Jesus über Seinen Tod spricht, dann ist Er innerlich absolut betroffen. Wenn wir jetzt darüber in Ehrfurcht nachdenken, können wir zwei Gefahren erliegen: Wir können dabei über das hinausgehen, was Gottes Wort uns darüber sagt; es kann aber auch sein, dass wir das nicht mit Namen nennen, was Gottes Wort uns im Blick auf den Herrn Jesus dabei zeigt. Wenn Gottes Wort z.B. über die äußerlichen Leiden des Herrn Jesus wie etwa die Geißelung spricht, dann geschieht das sehr sparsam und ohne jede Ausmalung, wie wir das in profaner Literatur oder Filmen finden. Und wenn es um die sühnenden Leiden des Herrn Jesus geht, was Golgatha für den Herrn Jesus bedeutete, dann sagt Er selbst darüber, dass Er sehr bestürzt und beängstigt und Seine Seele sehr betrübt war (Mk 14,33.34).

Hier sagt der Herr, dass Seine Seele bestürzt war. In Joh 11,33 hatten wir davon gelesen, dass Er angesichts des Todes als der Folge der Sünde tief geseufzt hatte und sich erschütterte. Das ganze Ausmaß dessen, wohin die Sünde den Menschen führt, stand vor Ihm, und dort wird der gleiche Ausdruck dafür gebraucht wie hier in Vers 27. Zum dritten und letzten Mal wird dieser Ausdruck im Blick auf den Herrn Jesus in Joh 13,21 gebraucht, als Er den Verrat des Judas vor sich sah und ihn offenbaren musste. Alle diese Stellen weisen darauf hin, dass der Herr ein volles Bewusstsein davon hatte, dass diese Ereignisse jetzt hinführen würden zu Seinem Tod, und was würde das für ein Opfer und ein Tod sein! Das erschütterte Ihn in seinem Geist!

Außer dem Herrn selbst gab es niemand, der ein solches Bewusstsein davon hatte, was dieses Leiden auf Golgatha für Ihn bedeuten würde. Er hatte ein vollkommenes Empfinden darüber; und weil Er Gott ist, empfindet Er es nicht weniger, sondern sogar stärker. Wir dürfen nie außer Acht lassen, dass das Brandopfer, das ja in allem zum Wohlgefallen und zur Verherrlichung Gottes war, zur gleichen Zeit in vollem Maß verbunden war mit Feuer. Der Herr hatte eine vollkommene innere Empfindung von dem, was jetzt vor Ihm stand, was Er auf Golgatha vollbringen würde, um Frucht hervorzubringen – in erster Linie für den Vater, um Ihn zu verherrlichen. Einzigartiges, vollkommenes Empfinden dafür, was dieses Kreuz in seinem ganzen Ausmaß bedeutet!

Der Herr Jesus fragt in Vers 27 nicht, was Er wählen soll, sondern was Er sagen soll. Wir dürfen niemals denken, dass unser Herr unentschlossen gewesen wäre. Solche Aussagen des tiefsten Empfindens unseres Herrn, auch dann in Gethsemane, sind niemals der Ausdruck etwaiger Unentschlossenheit, als hätte der Herr sich durchringen müssen, den Vater durch das schwere Werk am Kreuz zu verherrlichen. Es geht hier um sein inneres vollkommenes Empfinden als Mensch.

„Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde“? Das ist die Textalternative, die die Fußnote anbietet. Wir können uns nicht ausdenken, was diese Stunde für den Herrn bedeutet hat, wenn Er diese Empfindung in dieser Weise als Bitte vor den Vater bringt. Er konnte es in seiner heiligen Seele nicht wünschen, das zu erdulden, was da über Ihn kommen würde. Und doch sehen wir gleichzeitig die andere vollkommene Empfindung in der Antwort, die unser gepriesener Herr in den nächsten Worten selbst gibt: „Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Er wollte nie etwas anderes, als den Vater zu ehren und zu verherrlichen – und wenn es Ihn das Äußerste kostete. Er überließ es völlig dem Vater, das zu tun, was Ihm gefällt, obwohl Er wusste, dass der Vater das Feuer und das Messer nehmen würde (vgl. 1. Mo 22,6). Und wenn der Herr in seinem vollkommenen Empfinden das nicht wünschen konnte, überlagert doch diese seine zweite Aussage das, was Ihn selbst betrifft. Der Vater sollte handeln, wie es Ihm gefällt – das macht uns die Person unseres Herrn so erhaben groß!

Wir stehen weit hinter solchen Empfindungen zurück. Bei all unseren geistlichen Empfindungen besteht immer die Gefahr, dass sich unser Fleisch einmischt, wir haben keine vollkommen reinen und heiligen Empfindungen. Das war bei dem Herrn Jesus nicht so. Was Er im Blick auf diese Stunde empfunden hat als der, der keine Sünde kannte, in dem keine Sünde war und der keine Sünde tat (2. Kor 5,21; 1. Joh 3,5; 1. Pet 2,22), können wir nicht nachempfinden.

Wenn der Herr Jesus dann sagt, dass Er in diese Stunde gekommen ist, dann ist das ein aktives Kommen in diese Stunde. Das ist nicht irgendwie mit Ihm geschehen, als wäre Er da unversehens hineingeraten, sondern Er hat aktiv diesen Weg dorthin gewählt und ist Ihn bewusst gegangen. So hatte Er auch in Joh 10,10 gesagt, dass Er gekommen ist, damit Seine Schafe Leben haben.

Der Herr gibt in diesen Worten nicht den Charakter dieser Stunde an, Er spricht nicht von dem Verlassen-Sein von Gott, Er spricht nicht von dem Tragen der Sünde und dass Er zur Sünde gemacht werden würde. Er sagt nur: „Rette mich aus dieser Stunde“. Die Bestürzung, die Er dabei empfand, war eine vollkommene, heilige Bestürzung und Erschütterung angesichts dessen, was Er vor sich hatte. Wir dürfen versuchen, uns in diese Empfindungen hineinzudenken, mitzuempfinden; aber wie unser Herr in seiner Reinheit und vollkommenen Heiligkeit das empfunden hat, was jetzt vonseiten der Menschen und vor allen Dingen von Gottes Seite auf Ihn zukam, das werden wir wohl nie in seiner Tiefe verstehen können. Uns fehlt einfach diese Vollkommenheit, die wir erst dann haben werden, wenn wir Ihn mit den verherrlichten Augen unseres geistlichen Leibes sehen, wie Er ist (1. Joh 3,2). Jetzt sind wir davon noch weit entfernt.

„Vater, verherrliche deinen Namen!“ Das war der höchste Wunsch des Herrn Jesus! Gott, der Vater, sollte durch das vollbrachte Werk vom Kreuz und durch die Auferweckung aus den Toten in höchstem Maß verherrlicht werden. Mit der Auferweckung aus den Toten würde Gott das Werk des Herrn Jesus krönen. Diese Zielsetzung des Herrn wurde durch nichts getrübt, Er empfand alles – auch das Böse – in vollkommen unbefleckter Weise. Mit Ehrfurcht können wir sagen, dass der Herr Jesus abwog zwischen dem Ergebnis der Verherrlichung des Namens des Vaters und dem, was es Ihn kosten würde – und Er war darüber in völligem Frieden!

Wir dürfen nie dem Gedanken Raum geben, dass die Tatsache, dass der Herr Jesus wahrer Gott war und ist, irgendwie dazu geführt hätte, dass Er diese Dinge als Mensch weniger empfunden hätte! Eigentlich ist es genau andersherum: weil Er vollkommen Mensch und vollkommen Gott war, hatte Er diese Kapazität, die ganze Schwere des vor Ihm liegenden Werkes so zu empfinden. Wir sehen deshalb sowohl in seiner Bestürzung als auch in dem Wunsch, dass der Name des Vaters verherrlicht würde, Seine Vollkommenheit. Bei dem Herrn Jesus waren diese beiden Herrlichkeiten als wahrer Mensch und wahrer Gott nie im Widerspruch zueinander, sondern immer in vollkommener Harmonie.

Dieser Wunsch beinhaltet ja, dass alle Attribute des Vaters sichtbar gemacht werden sollten. Und auf was für eine vollkommene Weise ist das am Kreuz geschehen! Angesichts einer solchen Darbringung, eines solchen Wohlgeruchs, konnte der Vater nicht schweigen und antwortete sogleich mit Seiner ganzen Zustimmung und Wertschätzung über das, was Er in seinem Sohn sah.

„Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen“ (V.28b)

Die Antwort des Vaters folgt sofort. Schon einmal hatte der Vater bei der Auferweckung des Lazarus für diese Erde Seinen Namen verherrlicht, und Er würde es wieder tun bei der Auferweckung Seines Sohnes für den Himmel. „Ich [der Vater] habe ihn [meinen Namen] verherrlicht“ spricht von der gewaltigen Begebenheit, bei der der Herr Jesus gerufen hatte „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11,43). Dort hatte der Herr bewiesen, dass Er die Auferstehung und das Leben ist (Joh 11,25). Und obwohl es sich bei dem zweiten Verherrlichen des Namens des Vaters auch um eine Auferstehung handelt, geht das doch unendlich weiter. Natürlich beziehen sich diese Worte auf die Auferstehung des Herrn Jesus, aber das ist eine ganz andere Art von Auferstehung. Bei Lazarus war es eine Auferstehung zum Leben auf dieser Erde für einige Jahre, um dann wieder zu sterben. Bei dem Herrn Jesus ist es eine Auferstehung in den Bereich, der wirklich vollkommen jenseits des Todes liegt. Eine wunderbare Antwort des Vaters auf den Wunsch des Herrn Jesus!

Drei Mal hat der Vater öffentlich Stellung bezogen: bei der Taufe des Herrn Jesus (Mt 3,17; Mk 1,11; Lk 3,22), auf dem Berg der Verklärung (Mt 17,5; Mk 9,7; Lk 9,35), und hier. Jedes Mal geht es um den Tod des Herrn Jesus. In der Taufe schattet der Herr Jesus vor, was Er tun würde, nämlich in den Tod gehen. Auf dem Berg der Verklärung besprach Er mit Mose und Elia seinen Ausgang, den Er in Jerusalem erfüllen würde. Und hier ist es, wie wir betrachtet haben, die Stunde Seiner Leiden und des Verlassen-Seins von Seinem Gott. Und bei diesen drei Begebenheiten steht jeweils auch die Auferstehung mit in Verbindung.

Wie hat der Vater seinen Namen verherrlicht? Indem Er den Sohn groß gemacht hat! Er hat sich sichtbar gemacht in seinem Handeln, indem Er den Sohn erhört hat und in den Mittelpunkt gestellt hat. Bei der Auferweckung des Lazarus hat der Vater Den erhört, der als der Gesandte des Vaters in Abhängigkeit vom Vater und in göttlicher Macht auf dieser Erde gehandelt hat. Die Verherrlichung des Vaters steht in Verbindung mit der Tatsache, dass der Herr Jesus der Gesandte des Vaters ist. Und wenn der Vater seinen Namen bei der Auferweckung des Lazarus verherrlicht hat, indem Er seinen Sohn, der als Mensch zu Ihm gebetet hat, erhört hat, dann hat der Vater in der Auferweckung des Herrn Jesus seinen Namen dadurch verherrlicht, dass Er den aus dem Tod hervorgebracht hat, der als der Gesandte des Vaters den Auftrag des Vaters – das Erlösungswerk – bis zum Ende ausgeführt hat. Der Vater und der Sohn sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn der Vater verherrlicht wird, dann, indem der Sohn groß gemacht wird; und wenn der Sohn handelt, dann immer, indem Er den Vater groß macht. Beide haben immer die gegenüberstehende Person der Gottheit vor ihren Augen.

Der Herr Jesus ist durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt worden (Röm 6,4). Die ganze Herrlichkeit des Vaters ist in der Auferweckung des Herrn Jesus inbegriffen gewesen. In den Stunden der Finsternis, als unser Heiland so unendlich gelitten hatte, gab es keine Antwort aus dem Himmel auf Seine Frage: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Ps 22,2; Mt 27,46; Mk 15,34). Aber in Verbindung mit der Auferweckung des Herrn Jesus aus den Toten haben wir die deutliche Antwort des Vaters. Gott in seiner absoluten Heiligkeit war über alle Maßen durch das Werk des Herrn Jesus verherrlicht worden, und die Wertschätzung des Vaters im Blick auf dieses Werk kam in der Auferweckung Seines Sohnes völlig zum Ausdruck. In der Heraus-Auferstehung aus Toten kommt das Wohlgefallen Gottes an denen, die Er auferweckt, zum Ausdruck – sowohl an seinem Sohn als auch an den Gläubigen, die bei der Entrückung auferweckt werden.

O Tag der Schmach, der Schande und der Schmerzen, o Tag, erfüllt mit unfassbarer Not,

als Du am Leib, Herr Jesus, und im Herzen für uns erduldet hast den Zorn von Gott.

Du hast vollbracht, sanftmütig bis zum Ende, das schwere Werk, das Dir der Vater gab;

befahlst den Geist in Seine treuen Hände und gabst für uns Dich hin in Tod und Grab.

O teurer Herr, wir singen Dankeslieder und preisen Dich, Du starbst an unsrer statt!

Wir beten an und fallen staunend nieder vor Dir, der Gott so hoch verherrlicht hat.[1]

Willig hat Er Dein Verlangen gestillet, täglich nach Deinen Geboten gefragt,

hat als der „zweite Mensch“ völlig erfüllet das, worin wir als Geschöpfe versagt.

Er war inmitten von Sündern der Eine, Dir nur Geweihte, Gehorsame, Reine.

All Seine Worte, in Gnade und Wahrheit, hat Er bei Dir, Seinem Vater, gehört.

All Seine Werke, sie zeigten in Klarheit, dass Du in Liebe Dich uns zugekehrt.

Er ist gekommen – in unser Verderben – nur um zu dienen, zu leiden, zu sterben.

Was Er für Dich dann am Kreuze gewesen, wo Er vollbracht Deinen ewigen Plan,

wo wir, o Gott, Deine Herrlichkeit lesen: das schaun wir voller Bewunderung an!

Er hat vollendet, was Du Ihm gegeben, Dich nur verherrlicht – im Tod, wie im Leben![2]


Fußnoten:

  1. Lied 160, Strophe 1.4.5 aus Kleine Sammlung Geistlicher Lieder
  2. Lied 225, Strophe 2–4 aus Kleine Sammlung Geistlicher Lieder