Vorbemerkungen zu Johannes 13 bis 17

Mit diesem Kapitel 13 beginnt ein neuer Abschnitt im Johannesevangelium, der bis Kapitel 17 geht. Es ist ein ganz besonderer Abschnitt, den wir nur im Johannesevangelium haben. Der Herr ist hier allein mit Seinen Jüngern, zunächst auf dem Obersaal und dann auf dem Weg zum Ölberg; und Er richtet in diesen Kapiteln letzte Worte an Seine Jünger, bevor Er an das Kreuz geht.

In diesem Abschnitt ändert sich auch das Schwerpunktthema im Johannesevangelium. Nach den beiden einleitenden Kapiteln 1 und 2 hatten wir in Kapitel 3 bis 7 den großen Gedanken des Lebens vor uns, und dann in den Kapiteln 8 bis 12 den Hauptgedanken des Lichts. In diesem Abschnitt nun ist der große Gedanke Liebe. Leben – Licht – Liebe; die großen Themen des Johannesevangeliums. Diese fünf Kapitel beginnen mit Liebe (Joh 13,1), und sie enden auch mit Liebe (Joh 17,26).

Was ist das Bemühen des Herrn Jesus in diesen Kapiteln? Er möchte Seinen Jüngern den unendlichen Reichtum ihrer neuen Beziehungen, in die sie durch Ihn kommen konnten, groß machen. Sie haben Mühe, den Worten des Herrn Jesus zu folgen, weil sie noch sehr verwoben sind mit ihren irdischen Erwartungen und der Aufrichtung des Reiches durch den Herrn Jesus. Der Herr wird ihnen zeigen, dass sie in Ihm noch einen weitaus größeren Segen haben, dass sie in eine neue Beziehung zu dem Vater gekommen sind, dass sie eine Heimat im Himmel haben, dass Er ihnen einen anderen Sachwalter, den Heiligen Geist, vom Himmel her senden wird. Diese neuartigen Segnungen – die auch allen Glaubenden der christlichen Haushaltung gelten – würden ihnen Kraft verleihen auf ihrem Weg durch diese gefahrvolle Welt, in der Er sie zurücklassen würde.

Es ist deshalb gut für uns, wenn wir bei der Betrachtung dieser Kapitel auch unsere Herzen für diese Bemühungen des Herrn öffnen. Sicher ist unsere Erwartung weniger das kommende Reich und unser Teil mit Ihm in diesem Reich, wie es bei den Jüngern der Fall war. Aber ist es nicht auch ein Problem unserer Zeit, dass wir so sehr beschäftigt sind mit irdischen Dingen, die uns attraktiv erscheinen, die uns fesseln und in denen wir aufgehen, sodass auch für uns die Gefahr besteht, dass wir vergessen, was für einen großartigen Reichtum an Segnungen wir in dem Herrn Jesus haben?

Dabei bauen diese Kapitel auch aufeinander auf. In Johannes 13 geht es darum, dass der Herr Jesus durch Seinen Dienst, den Er auch jetzt vom Himmel aus als unser Sachwalter ausübt, bei uns das wegnehmen will, was den Genuss unserer Gemeinschaft mit den Personen der Gottheit beeinträchtigt. In Johannes 14 stellt Er uns dann diese neuen himmlischen Beziehungen zu dem Vater, zu dem Sohn, und zu dem Heiligen Geist vor. Aus diesen Beziehungen heraus kommt dann in Johannes 15 die Kraft, Frucht zu bringen hier auf dieser Erde. Und in Johannes 16 können wir dann in der Kraft dieser neuen Beziehungen trotz der Feindschaft und des Widerstandes dieser Welt unseren Weg gehen.

Die Jünger werden also in diesen Kapiteln auf das Teil vorbereitet, was nach der Linie des Johannesevangeliums das wahre Teil der Glaubenden der Gnadenzeit ist – auf den Himmel. Man kann hinsichtlich der Vorbilder des Alten Testamentes in diesen Kapiteln drei Schritte sehen. Wir können sagen, dass Johannes 13 uns im Bild den Vorhof zeigt, wo die Priester, die in das Heiligtum eintreten mussten, sich immer wieder Hände und Füße reinigen mussten. Reinigung ist die Vorbedingung für jeden Dienst für den Herrn und vor allem auch für die Gemeinschaft mit dem Herrn. Die Fußwaschung hier fand auch statt vor der Einsetzung des Gedächtnismahls (das in diesem Evangelium nicht berichtet wird), bei dem wir die Gemeinschaft mit dem Herrn zum Ausdruck bringen. In Johannes 14 bis 16 beschäftigt der Herr die Jünger mit sich selbst, mit dem Vater und mit dem Heiligen Geist; geistliche Segnungen, die uns mit dem Himmel in Verbindung bringen – das ist im Bild das Heiligtum. Und schließlich werden wir in Johannes 17 geistlicherweise in das Vaterhaus geführt, in das Allerheiligste.

Wir werden im Verlauf dieser Kapitel immer wieder finden, dass die Jünger wenig von dem verstehen, was der Herr ihnen vorstellen möchte. Das gibt uns, die wir heute den Heiligen Geist besitzen und immer wieder über diese bewegenden Worte nachdenken können, überhaupt keinen Anlass, uns irgendwie in unseren Gedanken über sie zu stellen. Aber es muss den Herrn doch auch geschmerzt haben, dass Seine engsten Vertrauten oft so wenig in Seine Gedanken eingegangen sind. In Kapitel 13 versteht Petrus den Herrn nicht, in Kapitel 14 verstehen Philippus und Thomas den Herrn nicht; immer wieder wird Er von den Jüngern unterbrochen durch Äußerungen ihres Unverständnisses. Das mangelhafte Eingehen der Gläubigen im Blick darauf, dass der Herr uns von dieser Erde schon jetzt im Glauben wegziehen will in die Herrlichkeit des Himmels, muss für Ihn sehr betrübend sein! Obwohl wir Teil an Ihm haben, haben wir oft so wenig Teil mit Ihm, dass wir nicht verstehen, zu welchen Höhen Er uns führen möchte.

Wenig Verständnis zu haben über diese hohen geistlichen Wahrheiten kommt bei uns nicht in erster Linie daher, dass wir die Bibel nicht kennen, sondern dass wir sie nicht auf uns anwenden. „Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist, oder ob ich von mir selbst aus rede“ (Joh 7,17). Was wollen wir? Wenn wir wirkliches Licht über die Gedanken Gottes bekommen wollen, müssen wir die Herzensbereitschaft haben, Gott gehorchen zu wollen. Möchte deshalb die Betrachtung dieser wunderbaren Kapitel unsere Herzen auftun für die Bemühungen des Herrn an uns, den Seinen!

Einleitende Bemerkungen zur Fußwaschung

Das Wort Gottes zeigt uns verschiedene Arten und Notwendigkeiten der Reinigung. Deshalb ist es wichtig, die Bedeutung dieser unterschiedlichen Reinigungsarten zu kennen und unterscheiden zu können. Wir kennen Reinigung mit Wasser, aber auch Reinigung durch die Anwendung von Blut. Das Blut ist das Reinigungsmittel, das uns schuldige Menschen vor einem gerechten und heiligen Gott reinigt. Es sühnt unsere Sünden (Off 1,5; 1. Joh 1,7). Diese Reinigung ist zu Gott hin ausgerichtet, sie befriedigt die gerechten Forderungen eines heiligen Gottes im Blick auf unseren Zustand als Sünder, die wir Schuld aufgehäuft haben, und sie sichert die vollständige und ununterbrochene Annahme bei Gott. Deshalb ist es gut, zu betonen, dass wir als Erlöste nicht wieder „unter das Blut kommen“ müssen, wenn wir gesündigt haben. Gottes Wort sagt das an keiner Stelle. Aufgrund des Opfers des Herrn Jesus sind wir auf immerdar vollkommen gemacht worden (Heb 10,14). Diese Reinigung mit Blut wird hier bei der Fußwaschung gar nicht erwähnt.

Die Reinigung mit Wasser dagegen ist eine moralische, sittliche Reinigung. Grundlegend haben wir sie bei unserer Bekehrung erfahren (1. Kor 6,11; Tit 3,5). Der Heilige Geist hat bei unserer Bekehrung durch das Wort Gottes in uns gewirkt und bei uns die Sicht Gottes über unsere Sünden bewirkt, sodass wir eine Abscheu über diese Sünde empfunden haben. Wir sind zu einer inneren Übereinstimmung mit Gott in der Beurteilung unserer Sünden gekommen. Das geschieht grundsätzlich und einmalig bei unserer Bekehrung – die Reinigung mit Wasser durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes mittels des Wortes Gottes.

Hier bei der Fußwaschung geht es um eine wiederholte Reinigung durch das Wasser. Es ist dasselbe Wort Gottes, und es ist auch der Heilige Geist, der es auf uns anwendet. Das Wasser nimmt das Hindernis für die Gemeinschaft weg. Es ist die Wirkung des Dienstes unseres Herrn heute, vom Himmel aus (Eph 5,26). Diese Reinigung ist die einzige, die wiederholbar ist. Und diese Reinigung betrifft auch nur Erlöste, nur die Seinen. Diese buchstäbliche Fußwaschung ist eine symbolische Handlung, die eine tiefe geistliche Bedeutung hat. Diese Reinigung mit Wasser hat also nichts mit der Neugeburt von Joh 3 zu tun. Und sie hat auch nichts mit der Taufe zu tun. Hier geht es um das wiederholte Reinigen, wenn wir uns als Gläubige verunreinigt haben. Das ist der heutige Dienst unseres Herrn Jesus als Sachwalter bei dem Vater (1. Joh 2,1.2). Verunreinigungen geschehen manchmal ganz bewusst, aber es kann auch sein, dass etwas ungewollt bei unserem Durchgang durch diese Welt passiert – wir müssen nur an die Gefahren des Internet denken. Und jedes Mal, wenn wir uns bewusst oder ungewollt verunreinigt haben, brauchen wir das Wasser des Wortes Gottes unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes, damit uns diese Verunreinigung bewusst wird und wir sie bekennen, damit sie bereinigt werden kann. Wenn es um Sünde in meinem Leben geht, dann geschieht das allerdings nicht unbewusst, für Sünde bin ich immer verantwortlich. Und Sünde verunreinigt auch immer.

Einschub: Grundsätzliche Gedanken über Verunreinigungen

Verunreinigung auf dem Weg ist ein wichtiges Thema, über das wir auch schriftgemäße Gedanken haben müssen. Wir müssen auch unterscheiden zwischen Verunreinigung, wie wir sie im Alten Testament finden und wie wir sie im Neuen Testament finden. Im Alten Testament geht es um Äußerlichkeiten, wie z.B. die buchstäbliche Berührung einer Leiche oder das Essen von etwas, was von Gott als unrein bezeichnet worden war. Das geht bei dem Sündopfer sogar so weit, dass der Betreffende sogar dann schuldig war, wenn ihm seine Übertretung verborgen war (3. Mo 5,2–3). Das ist im Neuen Testament anders. Der Herr sagt deutlich, dass nicht das, was von außerhalb in den Mund des Menschen eingeht, ihn verunreinigt, sondern das, was aus dem Herzen des Menschen ausgeht (Mk 7,18–23); da werden z.B. auch die schlechten Gedanken angeführt. Im Neuen Testament geht es also um Verunreinigung des Herzens, und es steht auch immer in Verbindung mit etwas, was offenbar geworden ist. Wie ist meine Herzenshaltung solchen Dingen gegenüber, die Gott als Sünde bezeichnet? Daran entscheidet sich, ob ich rein oder verunreinigt bin. In Korinth war die örtliche Versammlung verunreinigt, weil sie eine tolerante Haltung gegenüber dem in ihrer Mitte offenbar gewordenen Bösen eingenommen hatten. Der Grund war nicht, dass jeder Einzelne der Hurerei schuldig geworden wäre, sondern dass sie das Böse in ihrer Mitte nicht als Böse behandelten und darüber auch gar keine Betrübnis empfanden und sich darunter nicht beugten. Deshalb standen sie insgesamt vor Gott als verunreinigt da. Wenn Böses offenbar wird und wir im Sinne Gottes dagegen Stellung beziehen, dann müssen wir nicht von Verunreinigung reden. Wenn wir persönlich Böses in unserem Leben abstellen, wenn wir uns von bösen Verbindungen distanzieren, dann sind wir nicht verunreinigt. Deshalb müssen wir achtsam sein und Dinge, die der Herr uns deutlich macht, bekennen und lassen.

Heb 12,15 warnt davor, dass unter Gläubigen eine Wurzel der Bitterkeit aufsprosst und viele dadurch verunreinigt werden. Was heißt das? Wir merken, dass Verunreinigung auf neutestamentlichem Boden weit schwieriger zu bewerten ist, als es bei den buchstäblichen Berührungen im Alten Testament der Fall war. Wenn unter Gläubigen sich Zustände etabliert haben, die nicht in Ordnung sind, können dadurch viele innerlich verunreinigt werden. Aber das zu beurteilen ist nicht einfach. Aus dem Beispiel des oben angeführten Falles beim Sündopfer können wir aber schließen, dass eine Verunreinigung vorliegt, selbst wenn man nicht dafür verantwortlich ist, weil es unbewusst geschehen ist. In Philippi gab es einige Geschwister, die nicht zur Ehre des Herrn lebten, indem sie auf das Irdische gesinnt waren (Phil 3,18.19). Offenbar war dort schon am Anfang des christlichen Zeugnisses keine Kraft mehr vorhanden, das Unreine gottgemäß zu behandeln. Das Ergebnis davon ist, dass eine Versammlung auch verunreinigt ist, wenn Böses in ihrer Mitte ist, ohne dass sie es weiß. Sie ist zwar noch nicht verantwortlich dafür, aber sie ist verunreinigt. Gott betrachtet eine örtliche Versammlung nicht nur nach äußerlichen Gesichtspunkten. Verborgenes Böses in einer örtlichen Versammlung kann nicht ohne Folgen für ihren geistlichen Zustand sein. Das war auch die Situation in Philippi: In ihrer Mitte gab es solche, die alles wussten, die inmitten der Versammlung lebten und machten, was sie wollten – gerade so weit, dass es nicht zu Zuchthandlungen kommen musste. Der Versammlung waren die Hände gebunden, sie war geschwächt dadurch. Ist das nicht auch unser Zustand heute? Es sind Verunreinigungen ohne Zahl durch alle möglichen Zustände da, und wir haben keine Kraft, damit gottgemäß zu handeln. Gerade diese geistliche Kraftlosigkeit, sich von dieser Unreinheit zu trennen und zu reinigen, mündet in eine Spirale, die immer weiter abwärts führt.

Sind einer örtlichen Versammlung, die gottgemäß handeln möchte, wirklich jemals die Hände gebunden? Das führt uns wieder zurück zur Notwendigkeit der Fußwaschung. Ein Dienst von Einzelnen an Einzelnen. Gehen wir noch hin und waschen die Füße? Das ist die Liebe, die vermag, eine Menge von Sünden zu bedecken (1. Pet 4,8). Das bedeutet nicht, dass diese bösen Dinge einfach so unter den Teppich gekehrt werden. Diese Liebe zeigt sich gerade in der Fußwaschung; sie geht hin und überführt anhand des Wortes Gottes, und wenn darauf gehört wird, hat sie denjenigen gewonnen (vgl. Mt 18,15; Jak 5,20). Ohne dass Dinge in die Öffentlichkeit gezogen werden, können sie in geistlicher Weise bereinigt werden und dann auch zugedeckt werden.

Ein alttestamentliches Vorbild für das, was uns die Fußwaschung zeigt, finden wir in 4. Mo 19. Nicht im 3. Buch Mose, sondern in dem Buch der Wüstenwanderung finden wir dieses Opfer der roten jungen Kuh, das notwendig war wegen der Verunreinigungen auf dem Weg durch die Wüste. Es zeigt uns, was Verunreinigung durch Sünde wirklich ist, und dass sie tatsächlich den Genuss der Gemeinschaft mit Gott hindert. Dieses Kapitel zeigt uns aber auch, dass Reinigung ein Prozess ist, durch den wir die Ursachen erkennen sollen, die uns zum Sündigen verleitet haben. Das sehen wir besonders in der Sorgfalt, in der die Reinigung bzw. Wiederherstellung stattfand: in zwei Etappen. Wir können in diesem Kapitel verschiedene Parallelen zu der Fußwaschung ziehen: Zunächst musste das Blut dieser jungen roten Kuh siebenmal gegen die Vorderseite des Zeltes der Zusammenkunft gesprengt werden (Vers 4), das zeigt uns die grundsätzliche und uneingeschränkte Wirksamkeit und den vollen Wert des Opfers Christi vor Gott. Dann musste die junge rote Kuh verbrannt und ihre Asche gesammelt werden zu einem Wasser der Reinigung (Vers 5.9), und wenn jemand verunreinigt war, musste er sich mit diesem Reinigungswasser entsündigen. Das zeigt uns die Anwendung des Wortes Gottes, wobei wir durch die Asche daran erinnert werden, dass das Opfer für diese Sünde verbrannt werden musste. Und Vers 20 zeigt uns die Folge davon, wenn wir diesen Dienst der Fußwaschung ablehnen: den Verlust der Gemeinschaft mit dem Herrn.

Zurück zur Fußwaschung

Es gibt Christen, die die Frage stellen, warum wir heute die Fußwaschung nicht buchstäblich praktizieren. Wir lassen uns bei der Taufe buchstäblich untertauchen, wir essen beim Brotbrechen buchstäblich von dem Brot und trinken aus dem Kelch. Warum praktizieren wir dann die Fußwaschung nicht auch buchstäblich? Die Fußwaschung war im Orient die erste Handlung der Gastfreundschaft, die an den Besuchern vollzogen wurde, um sie zu erfrischen und zu reinigen. Und der Herr macht mit seinen Worten zu Petrus in Vers 7 deutlich, dass die Fußwaschung, die der Herr an den Seinen vollzog, etwas ganz anderes bedeutete, als diese gewohnheitsmäßig praktizierte Handlung der Gastfreundschaft. Hinter der Fußwaschung des Herrn stand eine tiefere Bedeutung, die Petrus jetzt noch nicht verstehen konnte. Auch kann eine äußerliche Anwendung nicht zu der geistlichen Bedeutung der Gemeinschaft mit dem Herrn führen, Teil mit Ihm zu haben (Vers 8).

Das Ziel der Fußwaschung ist, dass wir Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus genießen können, Teil mit Ihm haben können (Vers 8). Geistlicherweise reinigt uns die Fußwaschung von allem, was diese Gemeinschaft behindert. Das können Sünden sein, für die wir Vergebung und Reinigung brauchen (1. Joh 1,9). Aber es kann auch der Schmutz dieser Welt sein, den wir uns beim Durchgang durch diese Welt zuziehen; auch davon müssen wir gereinigt werden. Vielleicht können wir neben dieser notwendigen Reinigung auch an den Aspekt der Erfrischung und Belebung denken, die wir nötig haben, wenn wir von den Belastungen unseres Lebens niedergedrückt sind. Der Herr Jesus belebt uns durch das Wasser des Wortes Gottes und erfrischt uns, damit sich unsere Herzen öffnen können für den Genuss der Gemeinschaft mit Ihm.

Wir dürfen aber die geistliche Bedeutung der Fußwaschung nicht auf irgendeine spezielle Handlung einschränken. Hier ist keine Rede von Sünde, deshalb können wir diesen Dienst nicht auf die Sachwalterschaft des Herrn beschränken. Der Herr macht hier auch überhaupt keine individuellen Unterschiede bei den Jüngern; auch darin sehen wir, dass wir das nicht auf spezielle Situationen beschränken können. Eph 5,26 zeigt praktisch das gleiche, nur bezieht es sich dort auf die Braut des Lammes als Gesamtheit. Auch dort finden wir, dass der Herr Jesus ständig mit allen gleichermaßen beschäftigt ist. Er heiligt sie, indem Er sie reinigt durch die Waschung mit Wasser durch das Wort. Es gibt ja auch ein Wachstum in der Innigkeit unserer Beziehung zu dem Herrn, und auch dazu soll die Fußwaschung dienen. Die Gemeinschaft mit den Personen der Gottheit soll gefördert werden. Hier handelt der Herr während des Abendessens, in einer Zeit praktisch genossener Gemeinschaft. Die Innigkeit dieser Beziehung zu Ihm selbst und den Genuss der Freude daran möchte Er mit der Fußwaschung vertiefen. Sie ist eine ganz allgemeine, nicht auf eine spezielle Situation einzuengende Handlung des Herrn, die uns die Gemeinschaft mit dem erhalten oder vertiefen oder auch wiederherstellen soll, mit dem wir im Himmel verbunden sind während wir noch hier auf der Erde leben. Das ist auch der Gedanke in Ps 23,3, wo wir von dem Großen Hirten lesen: „Er erquickt meine Seele“. Die Fußnote in unserer Bibelübersetzung sagt zu diesem Erquicken: Wiederherstellen oder Beleben. In dem ersten Fall geht es darum, dass Gemeinschaft verlorengegangen ist, vielleicht durch Sünde. Dann bringt mich das Wirken des Herrn Jesus durch das Wort Gottes zur Erkenntnis dessen, was in meinem Leben an Bösem bekannt und bereinigt werden muss, damit ich die Gemeinschaft wieder genießen kann. In dem zweiten Fall geht es mehr darum, dass wir auf unserem Gang durch diese Welt ermüden können; und da erquickt und belebt Er uns zur vollen Freude an der Gemeinschaft mit Ihm.

Wenn wir an Petrus denken, erkennen wir auch, dass der Dienst des Sachwalters nicht erst dann beginnt, wenn konkrete Umstände in unserem Leben, z.B. Sünde, bereits eingetreten sind. Der Herr hatte ihm in Lk 22,32 bereits vor seiner Verleugnung gesagt, dass Er für ihn gebetet habe, damit sein Glaube nicht aufhöre. Und Er hatte ihm sogar schon einen Auftrag für die Zeit nach seiner Wiederherstellung gegeben und gezeigt, wie er dann wieder nützlich für Ihn sein könnte.