Johannes 13

Die ersten Verse von Johannes 13 sind wie eine Art Einleitung zu dem ganzen Abschnitt, aber auch zu dem Thema der Fußwaschung speziell. Wir finden in diesen Versen einige Punkte, die uns helfen können, diese Worte des Herrn und auch die Handlung der Fußwaschung gut einzuordnen:

  • Zunächst wird uns der Anlass dazu mitgeteilt: Der Herr würde aus der Welt zu dem Vater hingehen.
  • Dann hören wir, wer die Empfänger dieser Worte und der Handlung waren: seine Jünger.
  • Als drittes verstehen wir die Notwendigkeit dieser Worte und dieser Handlung: Die Seinen würden in der Welt bleiben, wo Füße befleckt werden.
  • Und als letztes wird uns der Beweggrund für diese Worte und diese Handlung mitgeteilt: die Liebe des Herrn zu den Seinen.

Der Anlass: Wir haben bisher schon häufiger in diesem Evangelium von einer Stunde gehört, zuletzt zu Beginn dieser Betrachtung in Joh 12,27. Dort haben wir gesehen, dass damit die Zeitspanne Seines Verlassenseins von Gott gemeint ist, Sein Leiden um der Sünde willen. Hier geht es nicht um diese Stunde, sondern um den Zeitpunkt Seiner Rückkehr aus dieser Welt zu dem Vater. Der Herr Jesus erwähnt hier nicht das Kreuz, sondern denkt direkt an Seine Rückkehr in den Himmel zu dem Vater. Welche Freude muss das für Ihn gewesen sein, diesen Gedanken vor Seinem Herzen zu haben.

die Empfänger: Aber Er hatte nicht nur diese Freude, die das für Ihn bedeutete, vor sich, sondern Er denkt auch an Seine Jünger, die auf der Erde zurückbleiben würden. Er bezeichnet sie hier als die Seinen, die Fußnote sagt: die Eigenen. Es ist ein sehr spezieller Ausdruck für die Jünger, und darüber hinaus auch für alle wahren Gläubigen. Sie gehören Ihm, so wie Er als der Gute Hirte in Joh 10,14 von den Meinen gesprochen hatte, und wie Lukas in Apg 4,23 die Gläubigen als die Ihren bezeichnet. Wir hatten diesen Ausdruck auch schon ganz am Anfang dieses Evangeliums als Bezeichnung für das gesamte Volk Israel (Joh 1,11), aber der Herr Jesus gibt ihm hier eine ganz neue und viel höhere Bedeutung. Hier ist es ein Ausdruck für Seine Jünger, die der Vater Ihm aus der Welt gegeben hat (Joh 17,6). Er beschreibt die Innigkeit der Beziehung zwischen Ihm und den Glaubenden. Judas Iskariot gehörte zu den zwölf Jüngern, aber er war keiner, der zu den Seinen gehörte! Er lief äußerlich mit, aber der Herr zählt ihn nicht zu den Seinen. Dieser Ausdruck ist für die Familie Gottes vorbehalten. Dass der Herr Jesus auch Judas die Füße gewaschen hat, liegt daran, dass dieser Verräter noch nicht entlarvt war. Aus Sicht der Jünger zum Zeitpunkt der Fußwaschung gehörte Judas Iskariot zum Kreis der zwölf Jünger wie jeder andere auch. Und das Waschen der Füße von Judas zeigt auch, dass Wasser nie Leben gibt. Äußerlich angewandtes Wasser gibt weder Segen noch Leben.

die Notwendigkeit: Das Zurückbleiben der Jünger in der Welt ohne den Herrn ist mit Gefahren verbunden. Die Welt ist für die Seinen ein gefahrvoller Ort, das wird in diesem Kapitel sehr deutlich. Schon im nächsten Vers lesen wir etwas über den Verrat des Judas, und am Ende dieses Kapitels sagt der Herr dem Petrus im Voraus, dass er Ihn verleugnen würde. Das macht deutlich, welche großen Gefahren diese Welt für den Glaubenden hat. Deshalb richtet der Herr diese Worte an Seine Jünger und wäscht ihnen auch die Füße. Denn wenn sie in dieser Welt die neuen Beziehungen zu Ihm und zu dem Vater auch praktisch genießen wollen, dann geht das nur in einem Zustand praktischer Reinheit von allen Befleckungen, die auf dem Weg über diese Erde noch geschehen können. Die Glaubenden werden während ihres Erdenlebens ständig beschmutzt allein durch die Tatsache, dass sie hier in dieser Welt ihr Leben führen müssen.

der Beweggrund: Das Motiv für diese Worte und den Dienst der Fußwaschung an den Seinen ist die Liebe des Herrn zu ihnen. Der Herr würde die Jünger weiter und andauernd lieben; aber nicht nur zeitlich andauernd, sondern mit einer einzigartigen Liebe höchster Qualität und Intensität. Ist es nicht sehr bewegend, dass der Herr Jesus so kurz vor Seinem Tod am Kreuz nicht an sich denkt, sondern voller Liebe zu Seinen Jüngern sich mit ihnen beschäftigt?

Wir können diese Verse, in denen die Fußwaschung vorgestellt wird, folgendermaßen einteilen:

  • Verse 1–3: eine Einleitung zu dieser Handlung, in der gezeigt wird, was der Herr weiß
  • Verse 4.5: die eigentliche Handlung der Fußwaschung, wo betont wird, was der Herr tut
  • Verse 6–11: die Unterredung des Herrn mit Petrus; hier steht im Vordergrund, was der Herr sagt
  • Vers 12–20: das Handeln des Herrn in der Fußwaschung als Beispiel für uns heute; hier lernen wir, was wir jetzt tun sollen

„Vor dem Fest des Passah aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte – da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende“ (Joh 13,1).

Wir finden in diesem Vers zwei Zeitangaben: vor dem Fest des Passah, und die Stunde der Rückkehr des Herrn Jesus zu Seinem Vater. Und zwischen diesen beiden Zeitangaben steht, dass Er wusste, dass diese Stunde gekommen war. Es ist beeindruckend, mit welcher Sicherheit hier vorgestellt wird, dass das Werk des Herrn Jesus und auch Seine Auferstehung und Himmelfahrt stattfinden würden. Er steht hier noch vor dem Passah, aber es wird so geschildert, dass es nicht den Hauch eines Zweifels an den folgenden Ereignissen gibt. Der Herr Jesus wird dieses schwere Werk genauso ausführen, wie es Ihm der Vater gegeben hat. Diese Sicherheit drückt der Vers aus.

Er wird hier einfach mit dem Namen Jesus genannt. Der Mensch Jesus ist es, der uns den Genuss der himmlischen Dinge bewahren möchte. Durch Seine Tätigkeit möchte Er sicherstellen, dass alles entfernt wird, was diesen Genuss beeinträchtigen könnte. Aber weil Er auch weit mehr ist als nur ein Mensch, würde Er auch wieder zu dem Vater hingehen. Er ist zugleich auch der Sohn, der das Recht hat, zu dem Vater zu gehen, in diese Sphäre, die Er genossen hatte, ehe die Welt war. Und von dort aus tut Er als Mensch diesen Dienst als unser Sachwalter bei dem Vater.

Er geht aus dieser Welt zu dem Vater. Es ist nicht einfach nur die Welt, sondern diese Welt. Sie war ein schrecklicher Ort für Ihn gewesen. Sein Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Diese Welt hat einen Fürsten, Satan (Joh 12,31; 16,11). Wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren (Joh 12,25). Aus dieser Welt, die Ihn verworfen hat, geht Er jetzt hinaus. Sie hatte keinen Platz für Ihn. Und Er verlässt diese Welt jetzt und geht in eine andersartige, nicht erschaffene Welt, in eine Welt außerhalb dieses Kosmos, eine Sphäre, die Er ewig genossen hat, in welcher Beziehungen bestehen und ewig gepflegt werden können. Und dadurch, dass Er jetzt im Begriff ist, als Mensch dorthin zu gehen, verschafft Er auch uns Zugang zu dieser Sphäre (Joh 14,2.3).

Dieser Vers enthält auch drei Punkte, die kennzeichnend sind für die ganzen Kapitel 13 bis 17, aber auch speziell für die Fußwaschung. Der erste Punkt ist die Erwähnung des Passah. Das Passah spricht von dem Tod des Herrn Jesus (1. Kor 5,7). So liegt diese Szene des Todes auf Golgatha über diesen ganzen Kapiteln. Der Herr Jesus steht hier ganz kurz davor, nach Golgatha zu gehen und das zu erfüllen, worauf das Passah im Alten Testament vorbildlich hinweist. Als das erste Passah in Ägypten gefeiert wurde, war in Ägypten außerhalb der Häuser der Kinder Israel tiefe Finsternis, aber das Volk Gottes hatte Licht. Ist das hier nicht auch so? Außerhalb dieses Obersaals war Finsternis, das Licht der Welt war weggegangen, und als Judas hinausging, war es Nacht (Joh 13,30), auch moralische Nacht. Judas würde den Herrn verraten, und die Welt würde Ihn kreuzigen – tiefe Finsternis. Aber auf dem Obersaal und auch noch auf dem Weg in den Garten war Licht.

Wir lesen mehrfach in diesem Evangelium, dass Seine Stunde nicht gekommen war, aber jetzt war sie gekommen. Es ist allerdings eine andere Stunde als die, von der wir in Joh 12,27 gelesen haben. Da ging es um Golgatha, die Stunden der Finsternis am Kreuz. Hier spricht Er aber von einer anderen Stunde. Hier in diesen Kapiteln steht der Herr Jesus schon hinter dem Kreuz. So sehr das Kreuz seinen Schatten auf diese Szene hier wirft, so sehr ist es auch wahr, dass Er in Gedanken schon hinter dem Kreuz steht. Hier wird von der Stunde Seiner Rückkehr zu dem Vater gesprochen. Was für ein Kontrast wird hier aufgezeigt: einerseits der Vater, andererseits die Welt! Einen größeren Kontrast als Welt und Vater kann man sich kaum vorstellen. Das ist Licht und Finsternis. Diese Freude des Herrn Jesus, zurückzukehren, und gleichzeitig die Sorge um Seine Jünger, die Er zurücklassen würde, prägen diese ganzen Kapitel.

Dann hören wir drittens von den Seinen, die in der Welt waren, und von Seiner Liebe zu ihnen bis ans Ende. Vier Aspekte zeigt uns dieser Satz: die Seinen – in der Welt – geliebt – bis ans Ende. Wie waren die Seinen denn seine Eigenen geworden? Der Vater hat sie Ihm aus der Welt gegeben (Joh 17,6). Sie sind eine Gabe des Vaters an den Sohn. Und als der Gute Hirte hat Er Sein Leben für sie gegeben (Joh 10,11). Damals waren die Jünger in der Welt, und heute trifft das auf uns zu. Der Herr wusste, dass wir in einer feindlichen und gefahrvollen Welt zurückbleiben würden. Deshalb werden wir dann Seiner zeitlos bestehenden Liebe zu uns versichert. Diese Liebe ist bedingungslos; Er liebt die Seinen nicht, weil sie so liebenswürdig sind, weil sie sich so gut verhalten. Er liebt uns, weil Er Liebe ist! Der griechische Ausdruck, der hier gebraucht wird, ist ganz besonders und ausdrucksstark. Er weist nicht auf einen zeitlichen Endpunkt hin, sondern beschreibt eine Art von Liebe, die ein Ziel hat. Das endgültige Ziel der Liebe des Herrn ist, dass wir verstehen, was Er in Joh 17,26 zu Seinem Vater gesagt hat: „Damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen“.

Diese Liebe macht auch keinen Unterschied. Johannes, der Schreiber dieses Evangeliums, genoss diese Liebe ganz besonders. In unserem Genuss Seiner Liebe gibt es Unterschiede, aber in Seiner Liebe zu uns gibt es keine Unterschiede. Und diese Liebe geht bis ans Ende, bis aufs Äußerste. Die Liebe des Herrn Jesus kennt keine Grenzen. Sie hat kein zeitliches Ende, und sie hat auch eine Intensität ohne Maß, sie ist völlig (vgl. diesen Ausdruck in 1. Thes 2,16). Den höchsten Beweis dieser Liebe würde Er am Kreuz von Golgatha geben, wo selbst große Wasser diese Liebe nicht auszulöschen vermochten (Hld 8,7). Welche Antwort haben wir für diese herrliche, unvergleichliche Person?

Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu überliefern...“ (Joh 13,2).

Dieser Vers zeigt uns drei erschütternde Gegensätze zu Vers 1. Dort ist der Herr Jesus der Handelnde, von dem alles ausgeht; hier lesen wir von dem Teufel und seinen Aktivitäten. Ein größerer Kontrast zwischen dem, was in dem Herzen des Herrn Jesus war und dem, was der Teufel beabsichtigte, ist kaum vorstellbar. In Vers 1 hatten wir in dem Ausdruck die Seinen an die innigen Beziehungen innerhalb der Familie des Glaubens gedacht; hier lesen wir von Judas Iskariot, der nicht dazu gehörte, der, obwohl er alles wie auch die übrigen elf Jünger miterlebt hatte, innerlich völlig kalt geblieben war. Und dann haben wir in Vers 1 über die Liebe des Herrn zu den Seinen nachgedacht, und hier finden wir als Gegenstück Hass und Verrat im Herzen von Judas.

„...steht Jesus, wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte, und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe...“ (Joh 13,3).

Der Vater hat dem Herrn Jesus als Mensch alles in die Hände gegeben. In Joh 16,15 lesen wir: „Alles, was der Vater hat, ist mein“; da haben wir die Seite Seiner Gottheit vor uns. Nur der Sohn Gottes kann das sagen! Aber hier steht Er als Mensch vor uns und bekommt von dem Vater als Mensch alles in die Hände gelegt; auch den ganzen Segen, den wir in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn genießen können. Er ist der Verwalter des ganzen Segens des Vaters. Ein Grund dafür, dass die Fußwaschung an uns ausgeübt werden muss, ist, damit wir diesen Segen auch genießen können. Wir sollen beständig in dem passenden Zustand sein, das, was dem Herrn Jesus von dem Vater in die Hände gegeben worden ist, auch wirklich genießen zu können.

Schon in Joh 3,35 haben wir gesehen, dass der Vater den Sohn liebt und alles in Seine Hand gegeben hat. Und im Vorbild finden wir auch alttestamentliche Stellen, die uns diesen Gedanken zeigen. Wenn der Knecht Abrahams auszieht, um dem Isaak eine Braut zuzuführen, spricht dieser Knecht davon, dass Abraham dem Isaak alles gegeben hat, was er hat (1. Mo 24,36). Der Überrest Israels drückt einen ähnlichen Gedanken in Jes 53,10 so aus: „Das Wohlgefallen des HERRN wird in seiner Hand gedeihen“. Da steht es mehr mit den ganzen wunderbaren Ergebnissen Seines Werkes in Verbindung.

Wenn hier davon gesprochen wird, dass der Herr Jesus zu Gott hingehe, dann ist damit ein anderer Gedanke verbunden als in Vers 1, wo wir gesehen haben, dass Er zu dem Vater hingehen würde. Dort spricht es von ewig genossenen Beziehungen, die der Herr nie aufgegeben hatte. Hier in diesem Vers steht der Gedanke der Heiligkeit im Vordergrund. Der Herr Jesus geht als Mensch nach über 33 Jahren auf dieser Erde in makelloser Reinheit in die Herrlichkeit der Gegenwart Gottes zurück, völlig unangetastet von der Sünde! Er war als der absolut Reine und Sündlose auf diese Erde gekommen, hatte hier auf der Erde die Natur Gottes als Licht und als Liebe offenbart; und in derselben fleckenlosen Reinheit kehrt Er wieder zurück in den Himmel.

Diesen Wechsel von Beziehung zum Vater zum Wesen der Heiligkeit Gottes hatte der Herr Jesus der Frau am Jakobsbrunnen auch im Blick auf die Anbetung vorgestellt. Der Vater sucht Kinder als Anbeter, aber diese Anbetung muss geschehen in Übereinstimmung mit dem Wesen der Heiligkeit Gottes (Joh 4,23.24). Wir müssen in dieser Hinsicht ausgewogen sein; unsere Beziehung zu dem Vater ist ein außerordentlich großer Segen, aber der, der unser Vater ist, ist zugleich der heilige und gerechte Gott. Beidem sollten wir Rechnung tragen, auch in der Art, wie wir Ihn im Gebet anreden.

Der Herr Jesus brauchte keine Fußwaschung, in dieser Hinsicht steht Er einzigartig da. Wir gehen durch diese Welt und beschmutzen uns – Er blieb der Reine und Heilige! Gottes Wort betont immer wieder dann nachdrücklich, wenn der Herr in irgendeiner Weise mit unseren Sünden zu tun hat, dass Er davon ausgenommen ist, dass Er ohne Sünde ist. Wenn Petrus davon spricht, dass Er unsere Sünden an Seinem Leib getragen hat, dann sagt er vorher, dass Er keine Sünde tat (1. Pet 2,22–24). Wenn Paulus davon spricht, dass Er zur Sünde gemacht wurde, dann wird betont, dass Er keine Sünde kannte (2. Kor 5,21). Wenn Johannes davon spricht, dass Er offenbart worden ist, damit Er unsere Sünden wegnehme, dann fügt er hinzu, dass Sünde nicht in Ihm ist (1. Joh 3,5). Und auch wenn wir an den Dienst des Sachwalters denken, der ja hier in der Fußwaschung bildlich angedeutet wird, dann ist es der Gerechte, der in dem Fall, dass ein Gläubiger gesündigt hat, bei dem Vater eintritt. Wir beschmutzen uns immer wieder – das war bei Ihm nicht der Fall. Er war als der Heilige gekommen und ging als der Heilige von dieser Welt zu Gott.

Die Handlung der Fußwaschung – Verse 4 und 5

„...von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war“ (Joh 13,4.5).

In Vers 3 haben wir die Hoheit unseres Herrn vor uns gehabt, jetzt in den Versen 4 und 5 sehen wir seine freiwillige Niedrigkeit. Diese Hoheit unseres Herrn wird uns umso anbetungswürdiger, wenn wir jetzt sehen, wie Er in freiwilliger Liebe bereit ist, diese Niedrigkeit anzunehmen! Seine Liebe war mit nichts weniger als dem zufrieden, dass unsere Freude völlig sei in dem Genuss der Gemeinschaft mit Ihm. Und auch jetzt erhöht zur Rechten Gottes nimmt Er noch immer ununterbrochen diesen Dienst als Sachwalter ein.

In diesen Versen kommt jetzt die eigentliche Handlung der Fußwaschung vor uns, in dem anschließenden Gespräch mit Petrus hören wir dann in den Versen 6 bis 11 etwas über die geistliche Bedeutung dieser durchaus symbolischen Handlung, und in den Versen 12 bis 17 folgt dann die Belehrung des Herrn Jesus, der uns mit dieser Handlung ein Beispiel zeigen möchte, wie wir miteinander handeln sollen.

In der Handlung, die der Herr jetzt vornimmt, finden wir sieben Tätigkeiten, die uns Ihn groß machen in der Schlichtheit und wohlüberlegten Sorgfalt und Ruhe, in der Er diese Handlung vornimmt. Ein Schritt baut dabei auf dem vorhergehenden auf:

  • Er steht von dem Abendessen auf – Das zeigt Seine Bereitschaft zum Dienst; Verzicht, um zu dienen
  • Er legt die Oberkleider ab – ein Hinweis auf den Verzicht auf äußere Würde und Ansehen
  • Er umgürtet sich – Er legt ein Zeichen der Knechtschaft um
  • mit einem leinenen Tuch – ein Hinweis auf den Zustand praktischer Gerechtigkeit und Reinheit
  • Er gießt Wasser in das Waschbecken – Dieser Dienst kann nur mit dem Wort und begründet auf das Wort geschehen (Eph 5,26)
  • Er wäscht die Füße – Es ist ein Dienst der Selbsterniedrigung
  • Er trocknet die Füße ab – vollendete Wiederherstellung; Niemand sollte sehen können, dass die Füße gereinigt werden mussten

Das Aufstehen des Herrn Jesus ist nicht nur ein Aufstehen von dem Abendessen an sich, sondern es deutet auch die Veränderung der Beziehung des Herrn zu den Seinen an. Er unterbricht eine irdische Angelegenheit, um etwas zu tun, was mit himmlischen Dingen zu tun hat. Das Abendessen hatte mit dem Passahfest zu tun, was von einer zeitlichen Erlösung spricht. Das, was der Herr jetzt tut, hat Segen auf einer viel höheren Ebene zur Folge, himmlischen Segen. Er würde diese Welt verlassen, aber Er sehnt sich danach, auch dann, wenn Er im Himmel bei Seinem Vater ist, weiter die Gemeinschaft mit den Seinen genießen zu können – im Glauben und nicht mehr im Schauen.

Das Waschbecken hatte genau die richtige Größe für diesen Dienst. Es fasste genau die richtige Menge Wasser, die jetzt für diesen Dienst an den Füßen der Jünger notwendig war. Das Wort, das angewendet wird, muss genau das passende für diese Situation sein.

Die Hände, in die der Vater alles gelegt hat, nehmen jetzt schmutzige und staubige Füße der Jünger, um sie zu waschen. Wir sehen darin, was für ein niedriger Dienst die Fußwaschung ist. Wieder ist der Herr der Dienende inmitten der Jünger. Hatte Er nicht selbst gesagt, dass der zu Tisch Liegende der Größere ist gegenüber dem Dienenden? Er aber war in ihrer Mitte wie der Dienende (Lk 22,27). Und wenn Er jetzt diesen letzten Dienst an ihnen gemeinsam erfüllt, dann deutet Er damit auch an, dass Er diesen Dienst auch weiter an ihnen ausüben würde, nachdem Er in die Herrlichkeit zurückgekehrt war. Und Er tut diesen Dienst ständig, auch ohne dass wir Ihn darum bitten oder überhaupt daran denken – oder ihn vielleicht auch gar nicht für notwendig halten. In Ewigkeit wird der Herr Jesus Diener bleiben (Lk 12,37)! Nicht in der Fußwaschung, die dann nicht mehr nötig sein wird, aber Er wird mit Seinen Händen austeilen und uns sättigen mit Seiner Person. Er ist dieser hebräische Knecht, der aus Liebe zu seinem Herrn, seiner Frau und seinen Kindern nicht frei ausgehen wollte, und deshalb auf ewig dienen wird (2. Mo 21,5.6). Weil Seine Liebe nie endet, endet auch Sein Dienst nie, denn die Liebe liebt zu dienen!

Die Ausdrucksweise, dass der Herr anfing, die Füße der Jünger zu waschen, ist auch schon ein Hinweis darauf, dass dies ein Dienst ist, der von Ihm weiter an uns ausgeführt wird, bis auch wir in der Herrlichkeit sein werden. Wie viel Verunreinigung gibt es in unserem Leben, und Er ist derjenige, der sie durch das Wort wegnimmt und damit bewirkt, dass unsere Gemeinschaft mit den göttlichen Personen aufrechterhalten und genossen werden kann. Wo wären wir, wenn wir diesen Dienst unseres Herrn nicht hätten?

Um Füße waschen zu können, muss man sich zu den Füßen herabbeugen. Das hat der Herr Jesus getan. Die Jünger lagen dort um den Tisch, und der Herr hat sich zu den Füßen Seiner Jünger herniedergebeugt. Der Erhabenste, der, der bedient werden kann, beugt sich zu den Füßen der Jünger herab, um diese zu waschen. Was für eine Demut! Obwohl Er jedes Recht gehabt hätte, bedient zu werden, war Er gekommen, um zu dienen.

Durch das Abtrocknen der Füße nimmt der Herr alles weg, was vorher gewesen ist. Nichts mehr ist von dem Schmutz zu sehen, aber auch nichts mehr von der ausgeübten Reinigung.