Die geistliche Bedeutung der Fußwaschung – Verse 6 bis 11
„Er kommt nun zu Simon Petrus, und der spricht zu ihm: Herr, du wäscht mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen“ (Joh 13,6.7).
Als der Herr zu Petrus kommt, beginnt ein Wortwechsel. In diesem Wortwechsel macht der Herr Jesus drei wichtige Aussagen zu der Fußwaschung, und Anlass ist jedes Mal eine Bemerkung von Petrus. Die erste Bemerkung von Petrus ist eine verständliche Reaktion auf die Handlung des Herrn. Die zweite Bemerkung ist dann schon unangemessen und fleischlich, und bei seiner dritten Äußerung könnten wir sagen, dass er von einem Extrem in das andere fällt. Wenn wir auch seine zweite und dritte Äußerung nicht gutheißen können, beginnt er doch seine Unterredung mit der Anrede „Herr“. Egal, wie tief sich der Herr Jesus vor ihm erniedrigt hatte, für Petrus blieb er der Herr. Möchten wir darin von Ihm lernen! Und wir können aus den Antworten des Herrn auch lernen, wie sorgfältig Er dabei ist. Er benutzt in den Antworten stets die Einzahl. Erst am Ende von Vers 10 erklärt Er, warum Er das tun muss. Sicher galt das, was Er Petrus zu sagen hatte, auch für die anderen 10 Jünger, aber Er konnte die Mehrzahl nicht benutzen, weil Seine Erklärungen eben für Judas Iskariot nicht galten.
Dass Petrus über diese niedrige und demütige Handlung des Herrn mindestens erstaunt, wenn nicht sogar erschrocken ist, können wir gut verstehen, und darin liegt auch nichts Verkehrtes. Von den übrigen Jüngern hören wir keine derartige Reaktion; ob ihnen das normal erschienen ist? Sie lassen es einfach an sich geschehen, als ob ihrer Meinung nach der Herr der Richtige für diesen Dienst gewesen sei. Wäre es nicht eher ihre Aufgabe gewesen, dem Herrn die Füße zu waschen? Aber nur Petrus fragt. Bei aller Belehrung, die der Herr dem Petrus dann geben muss, zeigt es uns doch sein Herz für den Herrn. Er hatte ein Empfinden dafür, dass der Herr weit über ihm stand und dennoch bereit war, einen so niedrigen Dienst an ihm auszuführen.
Der Herr hatte bis dahin kein Wort während seiner Handlung der Fußwaschung gesprochen. Erst auf die Frage von Petrus hin öffnet Er Seinen Mund. In Seiner ersten Erwiderung macht Er einen Unterschied zwischen Wissen und Verstehen. Petrus konnte aus sich selbst heraus in dieser aktuellen Szene nicht wissen, was der Herr mit dieser Fußwaschung bezweckte; er würde es aber nachher, wenn der Heilige Geist gekommen wäre und ihm das Verständnis darüber gegeben hätte, verstehen. Der Heilige Geist würde den Glaubenden zeigen, wo der Herr dann als verherrlichter Mensch im Himmel ist und was Er von dort aus noch an den Seinen und für die Seinen tut.
Wir sollten aus dieser Erwiderung des Herrn für uns heute lernen, dass es uns gut ansteht, wenn wir mit unseren eigenen Gedanken etwas vorsichtig sind; es könnte bei uns wie bei Petrus zu weiteren Gedanken oder sogar Äußerungen kommen, die ernstlich korrigiert werden müssen. Wollen wir unsere Überlegungen ganz unter das stellen, was uns der Heilige Geist über die Gedanken Gottes verstehen lässt.
„Petrus spricht zu ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir“ (Joh 13,8).
Mit seiner zweiten Äußerung weist Petrus diesen Dienst des Herrn an ihm zurück, wohl ohne den Herrn wirklich verstanden zu haben. Aber der Herr nutzt diesen Einwand, um ihm deutlich zu machen, was das Ziel der Fußwaschung ist. Teil mit dem Herrn Jesus haben bedeutet, praktische Gemeinschaft mit Ihm zu genießen. Teil an dem Herrn Jesus hat jeder Glaubende durch den Glauben an Ihn. Aber Teil mit Ihm haben ist Gemeinschaft. Nicht die äußerliche Handlung der Fußwaschung führt zur Gemeinschaft mit dem Herrn, sondern auf einem Weg der Abhängigkeit und Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus brauchen wir alle praktische Reinigung durch die Anwendung des Wortes auf unsere Seelen.
Das Mittel der Reinigung ist das Wort Gottes. Wie geschieht nun diese Reinigung ganz praktisch? Wenn wir persönlich die Bibel lesen, wenn das Wort Gottes verkündigt wird, wenn wir einen Kalenderzettel lesen oder Konferenzen oder Vorträge besuchen, dann geschieht dieses Waschen unserer Füße. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Dienst der Weissagung in den Versammlungsstunden. Der Herr Jesus benutzt den Dienst der Weissagung, um uns die Füße zu waschen. Durch diesen Dienst will der Herr Licht in unser Leben, in unser praktisches Verhalten bringen und uns zeigen, was in unserem Leben oder Verhalten nicht in Ordnung ist.
Petrus hat in den Versen 8 und 9 zwei verkehrten Gedanken Raum gegeben, die auch in der heutigen Christenheit weit verbreitet sind. Hier in Vers 8 weist er die Fußwaschung zurück und ist sich gar nicht bewusst, wie sehr er diesen Dienst nötig hat, um in der Gemeinschaft mit dem Herrn zu bleiben. Das führt schnell zu dem falschen Gedanken, dass wir der Stellung nach rein sind, aber im Blick auf unseren praktischen Wandel über diese Erde den Gedanken der Reinheit vernachlässigen können. Gottes Wort zeigt uns deutlich, dass dieser Gedanke verkehrt ist. Eine weitere Gefahr dabei ist, dass wir meinen, wir könnten in einem Zustand der Sünde sein und dennoch die Gemeinschaft mit dem Herrn genießen. Das ist eine sehr schwerwiegende Sache und ein ernster Zustand!
Petrus lässt es in dieser Erwiderung deutlich an Respekt fehlen, das müssen wir doch sagen. Ohne die Worte des Herrn wirklich verstanden zu haben, reagiert er vorschnell und fleischlich. Daraus müssen wir für uns lernen. Es geziemt uns immer, respektvoll mit dem Wort Gottes umzugehen, auch wenn wir vielleicht manche Stellen nicht gleich beim ersten Mal verstehen.
„Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle“ (Joh 13,9.10).
In diesem Vers haben wir den zweiten verkehrten Gedanken von Petrus. Er wollte nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das Haupt gereinigt bekommen. Übertragen auf das Glaubensleben eines Bekehrten bedeutet das Zweifel an der Heilssicherheit; man meint, man müsse sich mehrmals bekehren, weil man im Fall einer eingetretenen Sünde sich nicht sicher ist, wirklich errettet zu sein. Deshalb sind die Antworten des Herrn auf diese voreiligen Äußerungen von Petrus so wichtig, denn sie widerlegen klar das Verkehrte seiner Gedanken.
Allerdings gibt Petrus im Licht dessen, was der Herr ihm eben gesagt hatte, auch einem vorbildhaften Wunsch Ausdruck. Der Herr hatte gesagt, dass er kein Teil mit Ihm hätte, wenn Er ihn nicht waschen würde; darauf erwidert Petrus, dass er davon gar nicht genug haben kann, dass er davon möglichst alles genießen möchte, deshalb sollten auch Hände und Haupt gewaschen werden. Nach diesem Teil-Haben mit dem Herrn Jesus hatte er ein großes Verlangen.
Der Herr gibt in den Versen 6 bis 11 schrittweise Licht über die wahre Bedeutung der Fußwaschung. Nach dem ersten Einwand von Petrus sagt Er in Vers 7, dass diese Handlung eine geistliche Bedeutung hat. Auf den zweiten Einwand von Petrus sagt Er in Vers 8, dass diese geistliche Handlung notwendig ist, um Gemeinschaft mit Ihm haben zu können. Und in Vers 10 zeigt Er dann auf den dritten Einwand von Petrus hin, dass diese praktische Reinigung, wie sie in der Fußwaschung vorgebildet ist, zu unterscheiden ist von der grundlegenden Reinigung bei der Bekehrung.
Der Herr unterscheidet hier also zwischen dem Baden des ganzen Körpers und der Reinigung der Füße. Das Baden spricht von der grundlegenden Reinigung bei unserer Bekehrung. Das meint der Herr Jesus in Joh 3,5, wenn Er davon spricht, dass jemand „aus Wasser und Geist geboren wird“. Das ist das Wasser der Reinigung bei der Bekehrung, unsere grundsätzliche moralische Reinigung, eine grundlegende Veränderung bei unserer Bekehrung. Dadurch sind wir in unserer Stellung vor Gott rein; das ist es, was der Herr hier in diesem Vers in Bezug auf die 11 Jünger sagt. Diese grundlegende Reinigung macht uns vor Gott angenehm, wir können vor Gott bestehen, daran dürfen wir festhalten. Aber wir wissen auch, dass wir die Fußwaschung als die wiederholte praktische Reinigung auf unserem Gang durch diese Welt ein Leben lang nötig haben.
Es ist auffallend, dass der Herr sagt: „...hat nicht nötig, sich zu waschen“. Warum sagt Er nicht: „...hat nicht nötig, von mir gewaschen zu werden“? Wir lernen aus diesen Worten, dass wir nicht nur an uns die Fußwaschung geschehen lassen müssen, bevor wir diesen Dienst an anderen tun, sondern ich muss auch das persönliche Selbstgericht kennen. Ich muss in einer Gesinnung des Selbstgerichts sein, um einem anderen eine Hilfe sein zu können. Wir müssen „uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor 7,1).
„Aber nicht alle“ – jetzt wird ganz deutlich, wer die Seinen sind (Vers 1). Es sind diejenigen, die wirklich an den Herrn Jesus glauben und die eine lebendige Beziehung zu Ihm haben. Dazu gehörte Judas Iskariot nicht. Wenn wir noch einmal an die Liebe des Herrn von Vers 1 zurückdenken, dann wird deutlich, dass das dort eine besondere Liebe des Herrn ist, die nur den Gläubigen gilt. Natürlich liebt Er auch den Sünder, aber das ist eine ganz andere Art von Liebe. Der Herr macht in diesen Versen von Anfang an einen deutlichen Unterschied zwischen denjenigen, die Ihm gehören und denen, die Ihn ablehnen.
„Denn er kannte den, der ihn überliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein“ (Joh 13,11).
Dieser Abschnitt endet auf die gleiche Weise, wie Er begonnen hat: Der Herr Jesus steht vor uns als der Allwissende. Er wusste einfach alles. Er wusste den ganzen vor Ihm stehenden Weg; und Er wusste, dass einer Seiner Jünger dabei war, der keine lebendige Beziehung zu Ihm hatte und der Ihn auch an die Feinde überliefern würde. Keiner der anderen Jünger hatte eine Ahnung davon, keiner hatte Judas Iskariot durchschauen können – aber der Herr kannte ihn.
Der Herr sagt hier noch nicht mehr, als dass nicht alle von den Jüngern rein sind. Wir müssen noch warten bis zu dem Zeitpunkt, an dem Judas Iskariot dann auch tatsächlich offenbar gemacht wird. Es kann auch in örtlichen Versammlungen der Fall sein, dass es einen schwierigen Zustand bei jemandem gibt, der noch nicht deutlich zu greifen ist; wir dürfen da nicht vorschnell urteilen, bevor sich eine Sache nicht wirklich bestätigt hat.
Die Fußwaschung durch den Herrn als ein Beispiel für uns – Verse 12 bis 20
„Als er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe?“ (Joh 13,12).
Wir haben in den einleitenden Bemerkungen zur Fußwaschung und zu Verunreinigungen bestätigt gefunden, dass wir eigentlich nie im Wort Gottes finden, dass ein Thema an einer einzigen Stelle vollständig behandelt wird. Das ist auch bei diesem Gegenstand so. Hier in Johannes 13 finden wir, wer die Fußwaschung vornimmt, in welcher Art sie ausgeführt wurde und auch ihr Ziel. Was wir hier allerdings nicht finden, ist, was in Herz und Gewissen dessen geschieht, an dem die Fußwaschung vollzogen wird. Das finden wir in 4. Mo 19: Wenn Sünde in dem Leben eines Erlösten vorkommt, beschäftigt der Herr Jesus durch das Wort Gottes die Seele damit, was diese Sünde im Blick auf das Kreuz von Golgatha bedeutet. Dort sehen wir, wie furchtbar der Herr Jesus leiden musste – nicht nur um uns zu erlösen, sondern gerade auch im Blick auf Verunreinigungen im Leben eines Gläubigen. Und wie wir oben schon gesehen haben, sehen wir dort auch, dass die Wiederherstellung des Betreffenden ein Prozess ist. Wir erlangen den Genuss der Gemeinschaft nicht so schnell wieder zurück, wie wir ihn verloren haben. Mit der Besprengung am dritten Tag sollen wir unter den Eindruck kommen, was Sünde in den Augen Gottes bedeutet. Und mit der Besprengung am siebten Tag erfassen wir, dass die Gnade Gottes über diese Sünde des Gläubigen triumphiert und dadurch wieder praktischer Genuss an der Gemeinschaft mit den Personen der Gottheit möglich ist.
Der Herr hatte die Oberkleider abgelegt, bevor Er die Füße der Jünger gewaschen hat. Das deutet an, dass Er, der jetzt als Mensch verherrlicht bei dem Vater im Himmel ist (Joh 17,5), bereit ist, diese Herrlichkeit, die Ihn im Himmel prägt, zurückzustellen, um erneut an denen, die jetzt auf der Erde sind, einen Dienst zu tun, der sicherstellt, dass sie diese Gemeinschaft mit Ihm bewahren können. Er kann jetzt ewig als Mensch diese Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel genießen und ist doch bereit, vom Himmel aus zu dienen an uns, die wir auf der Erde sind – Liebe bis ans Ende (Vers 1)!
„Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen“ (Joh 13,13.14).
Indem die Jünger den Herrn Jesus Lehrer nannten, gaben sie zum Ausdruck, dass sie in der Haltung waren, von Ihm lernen zu wollen, was Er erklärt; indem sie Ihn Herr nannten, anerkannten sie Seine Autorität über sich. Es bedeutet aber auch, dass wir Ihm dienen. Und es bedeutet, Ihm darin nachzufolgen. Von Sich selbst sagt der Herr in Mt 23,8: „Einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder“. Aber in Seinen Beziehungen zu uns ist Er doch an erster Stelle der Herr – auch wenn Er diesen niedrigen Dienst getan hat. Interessant ist, dass das letzte Wort „es“ in Vers 13 im Grundtext nicht steht, der Herr spricht hier wieder als der Ich bin.
Wir haben hier den klaren Auftrag vom Herrn, dass auch wir diesen Dienst der Fußwaschung aneinander tun sollen. Das ist ein außerordentlich wertvoller Dienst, aber es ist auch ein außerordentlich anspruchsvoller Dienst. Für die Jünger damals war es eine moralische Verpflichtung und damit ist es auch für uns heute so. Wir sollen diesen Dienst aneinander ausüben; aber wir tun diesen Dienst nicht nur aneinander, sondern auch im Auftrag des Herrn. Er hat uns diesen Dienst übertragen. Es ist auch nicht nur eine Option, die wir ausüben können oder auch lassen können, sondern es ist ein klarer Auftrag, dem wir Gehorsam schulden. Doch wir sollen diese Aufgabe nicht blind ausüben, sondern mit geistlichem Verständnis. Er ist ja auch unser Lehrer darin, der uns Verständnis über die Bedeutung und das Ziel der Fußwaschung vermittelt hat.
Als der Herr den Jüngern die Füße gewaschen hat, war das kein einander die Füße Waschen; es war keine gegenseitige Handlung, nur Er hatte den Jüngern die Füße gewaschen. Aber hier sind wir aufgefordert, einander die Füße zu waschen. Darin liegt der Gedanke, dass wir auch bereit sein müssen, einen solchen Dienst nicht nur an anderen auszuüben, sondern auch von anderen bei mir anzunehmen. Bin ich dazu bereit? Bin ich korrekturfähig? Es ist wichtig, dass wir dazu bereit sind, einmal auf dieser Seite und auch einmal auf der anderen Seite zu stehen.
Einander die Füße zu waschen enthält auch den Gedanken, dass wir zu dieser Verunreinigung, die wir an einem anderen gesehen haben, selbst auch fähig sind. Paulus schreibt an die Galater: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geist der Sanftmut, wobei du auf dich selbst siehst, dass nicht auch du versucht werdest“ (Gal 6,1). Wenn wir uns um unsere Glaubensgeschwister bemühen, weil wir bei ihnen etwas sehen, was nicht in Ordnung ist, müssen wir uns immer bewusst sein, dass wir zu dieser gleichen Sache auch imstande sind.
„Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut“ (Joh 13,15).
Wir sollen in diesem Dienst dem Herrn Jesus nachahmen, handeln, wie Er gehandelt hat. Der Charakter, in dem wir einander die Füße waschen, ist ein anderer, als wenn Er das tut, aber die Gesinnung, die darin zum Ausdruck kommt, lernen wir bei Ihm.
Der Herr sagt hier auch nicht, dass wir das, was Er an den Jüngern getan hatte, tun sollen, sondern wie Er es getan hatte. Wir hatten in der Einleitung zu diesem Thema gesehen, dass der Beweggrund bei dem Herrn zu diesem Dienst Seine Liebe zu den Seinen war. Das soll auch unser Beweggrund sein, wenn wir sehen, dass eine solche Aufgabe an unseren Geschwistern zu tun ist. Die Liebe, die nicht ertragen kann, dass unser Bruder oder unsere Schwester verunreinigt ist (vgl. 3. Mo 19,17 Fußnote) und deshalb nicht im vollen Genuss der Gemeinschaft mit göttlichen Personen sein kann, muss uns veranlassen, dort zu helfen. Der Betreffende kann in diesem Zustand nicht glücklich sein und dieser Zustand ist immer zum Schaden desjenigen. Deshalb wird uns unsere Liebe zu diesem Bruder motivieren, einen solchen Dienst an ihm auszuüben.
Dann betrifft es auch die Haltung der Demut, in der allein ein solcher Dienst geschehen kann. Nur auf dem Weg der Demut erreichen wir wirklich die Herzen. Diesen Grundsatz hat uns der Herr Jesus in Johannes 4 gegenüber der Frau am Jakobsbrunnen vorgelebt (Joh 4,7), und von Seinem Beispiel wollen wir lernen.
Und es betrifft auch das Mittel, das wir benutzen: Dieser Dienst kann allein auf das Wort Gottes gegründet unter der Wirkung des Heiligen Geistes ausgeübt werden. Wir können also nicht willkürlich oder weil uns etwas an dem anderen nicht gefällt zu einem solchen Dienst gehen. Nur das Wort Gottes und nicht unsere eigenen Gedanken oder Vorstellungen darf Anlass und Mittel zu diesem Dienst sein. Wenn wir auf etwas hinweisen möchten, müssen wir es anhand des Wortes Gottes auch aufzeigen können, damit die Kraft des Wortes Gottes eine Veränderung bewirken kann. Wir hatten schon in Eph 5,26 gesehen, dass die Reinigung durch die Waschung mit Wasser durch das Wort geschieht. Interessant ist der Ausdruck, der dort im griechischen Text für Wort steht: rhema = das in eine konkrete Situation gesprochene Wort. Es ist nicht das Wort Gottes in seiner umfassenden Gesamtheit gemeint, sondern eine bestimmte Stelle aus diesem Wort. Eine Voraussetzung für diejenigen, die zu einem solchen Dienst ausgehen, ist also, dass sie eine konkrete Bibelstelle auf die zu behandelnde Situation anwenden können, damit dadurch die Reinigung bewirkt werden kann. Das setzt voraus, dass wir die Bibel gut kennen.
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut“ (Joh 13,16.17).
Diese Verse stellen uns eine doppelte Motivation für den Dienst der Fußwaschung vor, die mit einem „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ eingeleitet wird, die also wegen ihrer Bedeutung unsere ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Zuerst spricht der Herr davon, dass wir Knechte und Gesandte unseres Herrn darin sind. Wenn ich mich weigern würde, einen solchen Dienst zu tun, dann würde ich damit zum Ausdruck bringen, dass ich mich für etwas Besseres oder für größer als der Herr halte. Es ist keine Kleinigkeit, wenn wir dieser Aufforderung des Herrn nicht nachkommen.
Am Ende dieser Konferenz-Betrachtung wissen wir jetzt sehr viel mehr über die Fußwaschung, die Motivation und die Gesinnung, das Beispiel des Herrn und die vorbildliche Bedeutung des Wassers. Aber der Herr sagt hier nicht, dass wir deshalb glückselig sind, weil wir es wissen, sondern wenn wir es tun. Wir sollen Täter und nicht allein Hörer des Wortes sein (Jak 1,22). Etwas darüber zu wissen ist natürlich einfacher, als das dann auch wirklich zu tun. Deshalb auch diese Verheißung des Herrn, glückselig zu sein, wenn wir es tun. Dieses Glückselig gilt uns übrigens auch dann, wenn wir diesen Dienst tun, er aber leider nicht angenommen wird. Wir werden nicht immer schnellen Erfolg haben und das könnte uns abschrecken. Möchten wir uns dadurch nicht entmutigen lassen.
Einschub – Das Offenbar-Machen von Judas als dem Verräter
„Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben. Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin“ (Joh 13,18.19).
In diesen Versen sehen wir deutlich die Fürsorge des Herrn für Seine elf Jünger. Sie sollten nicht verunsichert werden, wenn Er in wenigen Augenblicken den Judas Iskariot als Verräter offenbar machen würde.
Höhepunkt und Ziel der Fußwaschung
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“ (Joh 13,20).
Mit diesem erneuten „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ knüpft der Herr noch einmal an Vers 16 an, wo Er die gleichen einleitenden Worte gebraucht hatte. Der Herr spricht jetzt den an, der diesen Dienst der Fußwaschung empfängt. Dabei richtet Er dessen Blick jetzt weg von dem Bruder, der für diesen Dienst zu ihm gekommen ist und hin auf einen Größeren. Wer einen solchen Dienst an sich geschehen lässt, nimmt nicht nur den Bruder auf, der diesen Dienst an ihm übt, sondern den Herrn selbst, der diesen Bruder gesandt hat. Weil dieser Bruder im Auftrag des Herrn kommt, nehmen wir darin den Herrn selbst auf. Und es geht sogar noch weiter: Wer den Herrn aufnimmt, nimmt sogar den Vater auf, der den Herrn gesandt hat.
Wenn wir also diesen Dienst der Fußwaschung an uns geschehen lassen, werden wir in der Tat wieder in die glückliche Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn geführt.
