Die Apostel hatten keine Nachfolger. So empfahl Paulus die Gläubigen Gott und dem Wort seiner Gnade an (Apg 20,32). Und auch Petrus erinnerte angesichts des kurz bevorstehenden Abschieds an das geschriebene Wort Gottes (2. Pet 1,15). Im Grunde ist es immer so mit den Gläubigen in jeder Epoche gewesen: Sie haben gelebt, gedient und sind heimgegangen, um bei Christus zu sein. Wir, die sie zurücklassen, fragen uns, was wir mit ihrem geistlichen Erbe tun sollen. Das Wort Gottes gibt uns die Antwort: „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach“ (Heb 13,7). Wir sollen uns also erstens an die Brüder erinnern, die unsere Führer gewesen sind und die das Wort Gottes zu uns geredet haben. Und zweitens, „den Ausgang ihres Wandels anschauend“, sollen wir ihren Glauben nachahmen.

Wenn der Herr einen Diener zu sich nimmt, dem Gott in unserer dunklen Zeit einen besonderen Dienst anvertraut hatte, so lenkt der Heilige Geist unsere Herzen in göttliche Bahnen. Und es ist ein Trost – ein göttlicher Trost –, an solche treuen Diener des Herrn zu denken und sich an ihren Glauben zu erinnern, und zwar sowohl als Ansporn als auch als Vorbild. Wenn das in diesem Bewusstsein geschieht, dann wird die Gefahr einer Menschenverherrlichung umgangen, und wir können stattdessen Gott verherrlichen, der die Quelle ihrer Kraft, ihres Mutes und ihrer eifrigen Hingabe war.

Gerade in diesem Zusammenhang wird uns zudem gesagt – und es scheint den Glauben dieser entschlafenen Lehrer zusammenzufassen –, dass „Jesus Christus derselbe ist, gestern und heute und in Ewigkeit“ (Heb 13,8). Die Diener mögen von der Szene verschwinden, Er aber bleibt, und zwar als unsere unveränderliche und unerschütterliche Zuflucht. Trotz all unserer Veränderungen, ja selbst bei all unserem Versagen und unserer Untreue – wenn unsere Herzen nur auf diese glückliche Wahrheit gegründet sind, dann brauchen wir nie entmutigt zu sein oder zu resignieren. Christus bleibt, und darauf dürfen wir uns stützen. Er ist immer derselbe, und Er wird niemals aufhören, für seine Versammlung zu sorgen. Welch ein Trost für uns in unserer Schwachheit! Und was für eine Beruhigung gegen unsere Befürchtungen! Mit diesem Wissen werden wir unsere Augen weggelenkt von menschlichen Dienern, auf die man sich stützen könnte. Unsere Augen werden zu dem geführt, der der Unveränderliche ist.

Vergessen wir dabei nicht, dass seine Wahrheit mit seinem unveränderlichen Wesen verbunden ist. Wir dürfen uns daher nicht von mancherlei und fremden Lehren fortreißen lassen (Heb 13,9). Wenn ein Diener, der das Zeugnis des Wortes Gottes lange getragen hat, abgerufen wird, dann ist es für uns nur ein Appell, umso fester an dem Zeugnis festzuhalten, das sie verkündigt haben: „Ich komme bald; halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme“ (Off 3,11).

| Original: Departed Leaders, 1882, stempublishing.org