„Und zur Essenszeit sprach Boas zu ihr: Tritt hierher und iss vom Brot und tauche deinen Bissen in den Essig. Da setzte sie sich zur Seite der Schnitter; und er reichte ihr geröstete Körner, und sie aß und wurde satt und ließ übrig“ (Ruth 2,14). 

Ruth war fleißig. Sie hatte auf dem Feld des Boas von morgens bis mittags Ähren aufgelesen. Was sie im Haus saß, war wenig (Rt 2,7).

Davon dürfen wir lernen. Auch wir sollen fleißig „Ähren auflesen“, indem wir uns eifrig mit Gottes Wort beschäftigen. Bist du ein fleißiger Bibelleser, der sich – wenn es dein Tagesablauf zulässt – schon vom Morgen an mit Gottes Wort beschäftigt? Gerade in jungen Jahren hat man oft noch viel Zeit – jedenfalls mehr als in späteren Jahren. Und dazu besitzt man in den meisten Fällen noch eine schnellere Auffassungsgabe, eine größere Konzentration und mehr Energie. Wie investierst du die Zeit und die Lebenskraft, die Gott dir jeden Tag zur Verfügung stellt?

Allerdings kann man den ganzen Tagen Ähren auflesen und doch hungrig bleiben. Das ist dann der Fall, wenn wir das Wort Gottes nicht auf unser eigenes Leben anwenden. Wenn wir es nur mit dem Verstand aufnehmen, aber nicht zu unseren Herzen sprechen lassen. Zuallererst müssen wir das Wort nämlich im Glauben zu unserem eigenen Besitz machen und uns davon nähren, bevor wir es anderen weitergeben können.

Das sehen wir auch bei Ruth. Sie hatte den ganzen Morgen Ähren aufgelesen. Aber zur Essenszeit bat Boas sie, sich zur Seite der Schnitter zu setzen und zu essen. Nach einer Zeit des Auflesens sollte nun eine Zeit der Ruhe und Gemeinschaft folgen. Ruth sollte nun Nahrung zu sich nehmen und sich ausruhen. Dabei denke ich an das, was der Herr einmal zu seinen Jüngern sagte: „Kommt ihr selbst her an einen öden Ort für euch allein und ruht ein wenig aus. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen“ (Mk 6,31). Wir alle brauchen solche Zeiten der Ruhe, in der wir Gemeinschaft mit Christus haben und uns von Ihm nähren.

Als Ruth sich zur Seite der Schnitter setzte, reichte Boas ihr etwas zu essen. Zeugt es nicht von großem Interesse und echter Wertschätzung, dass er diese Aufgabe persönlich übernahm? Ihm lag daran, dass Ruth aß und satt wurde. Die Mittagsmahlzeit am „Tisch“ von Boas bestand im Wesentlichen aus drei Nahrungsmitteln: aus Brot, Essig und gerösteten Körnern.

Alle drei Speisen sprechen von Christus. In dem Brot dürfen wir Christus sehen, wie Er als Mensch über diese Erde gegangen ist – „das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51). Der Essig spricht von seinem Leiden und Sterben am Kreuz von Golgatha (Ps 69,22; Joh 19,29.30). Die gerösteten Körner gehörten zum „Erzeugnis des Landes“ (Jos 5,11). Es waren Körner, die durchs Feuer gegangen waren. Sie weisen auf Christus als den verherrlichten Menschen im Himmel hin, der sich nach vollbrachtem Erlösungswerk zur Rechten Gottes gesetzt hat (Heb 10,12).

Somit dürfen wir in den drei Nahrungsmitteln, die Ruth angeboten wurden, das vollkommene Leben, das Leiden und Sterben sowie die Verherrlichung des Herrn Jesus sehen. Von allem dürfen und sollen wir uns im Glauben nähren. Allein die Person des Herrn Jesus kann unseren inneren Menschen wirklich sättigen. Wenn unser Herz von Christus erfüllt ist, dann werden wir auch für andere etwas „übriglassen“ (Rt 2,14).