„Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“ (Heb 1,1.2).
Welche Gnade vonseiten Gottes, dass der Herr Jesus in der Fülle der Zeit auf diese Erde kam, um Gott völlig zu offenbaren (Gal 4,4). Wenn Er nicht gekommen wäre, hätten wir nie gewusst, wer Gott wirklich ist. Vielleicht hätten wir seine Schöpferherrlichkeit in dem Erschaffenen bewundert, aber nie etwas von seiner Gnade und Liebe erfahren. Wir hätten seine Heiligkeit im Gericht erfahren, aber nie das Herz des Vaters kennengelernt. Aber Gott sei Dank! Der Herr Jesus ist gekommen. Gott, der Sohn, wurde Mensch, um hier auf dieser Erde die Grundlage dafür zu legen, dass staubgeborene, sündige Menschen einmal Gemeinschaft mit Gott haben und als Kinder Gottes einmal in der Herrlichkeit des Himmels sein könnten: „heilig und untadelig vor ihm in Liebe“ (Eph 1,4).
Um den wunderbaren Ratschluss Gottes zu erfüllen, musste der Sohn zunächst als Schöpfer tätig werden. Durch das Wort seiner Macht rief Er das ganze Weltall ins Dasein. „Er sprach, und es war; er gebot, und es stand da“ (Ps 33,9). Unter den Heerscharen der Himmelskörper wählte Er die kleine und unscheinbare Erde aus, um auf ihr die Grundlage zur Erlösung des Menschen und zur Verherrlichung Gottes zu legen. Doch ein Wort seiner Macht reichte dazu nicht aus. Um Menschen zu erlösen und um ihnen zu zeigen, wer Gott wirklich ist, musste der Sohn Gottes Mensch werden wie du und ich, aber ohne Sünde. Er musste die Herrlichkeit des Himmels verlassen und auf diese mit Fluch beladene Erde kommen, um ein Leben des Gehorsams und der Hingabe seinem Gott und Vater gegenüber zu führen. Das Leben, das der Herr Jesus auf der Erde führte, war stets zur Freude und zum Wohlgefallen seines Vaters. Aber es war auch ein Leben, in dem Er Gott, den Vater, völlig offenbarte (Joh 1,18; 1. Joh 5,20). Er konnte sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Die Worte, die Er redete, waren Worte, die Ihn der Vater gelehrt hatte (Joh 8,28). Die Werke, die Er tat, waren die Werke des Vaters (Joh 14,10). Sein ganzes Leben zeigte, wer Gott, der Vater, ist. Wenn auch kein Mensch Gott in seiner Absolutheit sehen kann: Im Herrn Jesus kann Gott gesehen werden (Joh 1,18; 1. Tim 6,16). Er ist und bleibt das Bild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15; Heb 1,3).
Der Herr Jesus ist nicht nur Mensch geworden, um ein vollkommenes Leben zu führen. Das hätte unsere Schuld vor Gott nur vergrößert. Nein, Er wurde Mensch, um am Kreuz zu leiden und zu sterben und dadurch die Grundlage zu unserer Erlösung und zur Verherrlichung des Vaters zu legen. Am Kreuz hat Er nicht nur gezeigt, was der Mensch ist, was Satan ist und was die Welt ist. Er hat vor allem gezeigt, wer Gott ist. Gerade dort, wo der Sohn unendlich litt, hat Er den Vater unendlich verherrlicht. In den drei Stunden der Finsternis, in denen der Herr Jesus vonseiten Gottes der Sünde wegen litt, trat die Heiligkeit Gottes völlig ans Licht, als Gott die Sünde an seinem eigenen geliebten Sohn richtete. „Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte“ (Röm 8,3). „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht“ (2. Kor 5,21). Ja, „Gott gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen“ (Jes 53,10).
Aber zugleich erstrahlte dort, wo die Wogen und Wellen des göttlichen Gerichts über Ihn hingingen, die ganze Liebe und Gnade Gottes (Ps 42,8). Aus Liebe zu verlorenen Sündern hat Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern Ihn für uns alle hingegeben (Rom 8,28). „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,16).
Am Kreuz hat der Herr Jesus also ein für alle Mal gezeigt, wer Gott wirklich ist. Gott wurde völlig offenbart und unendlich verherrlicht. Seine verschiedenen Herrlichkeiten und Wesenszüge strahlten in einmaliger und vollkommener Weise hervor: seine Heiligkeit und Gerechtigkeit, aber auch seine Liebe und Gnade. Am Kreuz erfüllte sich, wovon Psalm 85,11 spricht: „Güte und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst.“ Die Heiligkeit und Liebe Gottes – so unvereinbar sie uns zu sein scheinen –, sie begegneten sich am Kreuz und kamen beide in vollkommener Weise zum Ausdruck.
Wir haben nun mit einem Gott zu tun, der uns nicht unbekannt, sondern wohl bekannt ist. Ein Gott, „der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ (2. Kor 4,6). Ein Gott, zu dem wir eine lebendige und bleibende Beziehung haben und der im Herrn Jesus unser Vater geworden ist (Joh 20,17). Alle Ewigkeit werden wir dem Vater und dem Sohn dafür danken!
