Das Zelt der Zusammenkunft war der Wohnort Gottes in Israel. In der bildlichen Bedeutung lassen sich vor allem zwei große Linien erkennen:
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Das Zelt der Zusammenkunft weist auf Christus hin, denn in Ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol 2,9). Er nannte seinen Leib einen Tempel (Joh 2,21). Und von dem Fleisch gewordenen Wort wird bezeugt, dass es unter den Menschen „zeltete“ (Joh 1,14, Fußnote in der Elberfelder Übersetzung).
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Das Zelt der Zusammenkunft weist auf die Versammlung hin, denn sie ist die Behausung Gottes im Geist (Eph 2,22). Wenn der ewige Zustand beschrieben wird, wird die Versammlung das „Zelt Gottes“ genannt (Off 21,3, Fußnote in der Elberfelder Übersetzung).
Diese beiden Linien sind eng miteinander verbunden und lassen sich kaum voneinander trennen. Gerade darin liegt eine große Schönheit, denn das weist darauf hin, dass das, was in Christus wahr ist, auch wahr ist in uns (vgl. 1. Joh 2,8). Im Haus Gottes spricht alles von seiner Herrlichkeit – und gerade diese Herrlichkeit sollte uns prägen (vgl. 1. Tim 3,14–16; Ps 29,9).
Die Überdachung der Stifthütte
Die Überdachung des Zeltes der Zusammenkunft bestand aus vier verschiedenen Teppichen bzw. Decken, die auf Akazienholzwände gelegt und teilweise zusätzlich befestigt wurden. Die unterste Decke war ein vierfarbiger Verbundteppich, in den Cherubim eingearbeitet waren. Darüber lag ein Teppich aus Ziegenhaar, gefolgt von einer rot gefärbten Widderfelldecke. Den Abschluss bildete eine Decke aus Sehkuhfellen.
Die unterste Decke war zweifellos die schönste; sie wird ausdrücklich als „die Wohnung“ bezeichnet (2. Mo 26,1.6). Diese Decke war im Inneren des Heiligtums sichtbar. Sie veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise die Herrlichkeit des Herrn, nach der wir im Heiligtum forschen dürfen (vgl. mit Ps 27,4.5).
Die vier Farben
Der Cherubimteppich wurde so gefertigt, dass verschiedenfarbige Stofffäden miteinander verwoben wurden. Es gab vier Farben: weiß („Byssus“), blauviolett („blauer Purpur“), rotviolett („roter Purpur“) und hellrot („Karmesin“). Diese vier Farben haben eine symbolische Bedeutung und können jeweils einem Evangelium zugeordnet werden:
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Byssus steht für die makellose, heilige Menschheit unseres Herrn. Byssus (bzw. Leinen) wird in der Schrift mit Gerechtigkeit und Reinheit in Verbindung gebracht (vgl. Off 19,8.14). Christus ist „heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern“ (Heb 7,26) und „gerecht“ (1. Joh 2,29; 3,7). Am Anfang des Lukasevangeliums wird Jesus als „das Heilige“ bezeichnet, das geboren wird (Lk 1,35). Am Ende dieses Evangeliums lesen wir von einem Hauptmann, der nach Christi Tod ausrief: „Dieser Mensch war gerecht“ (Lk 23,35). Gott rechtfertigte den Herrn Jesus, der wie ein Verbrecher am Kreuz gestorben war, durch die Auferstehung (vgl. 1. Tim 3,16). Wir halten fest an der Wahrheit von der Heiligkeit Christi, aber wir sind auch bemüht, etwas von seiner Herrlichkeit widerzuspiegeln. Wir reinigen uns, wie Er rein ist (1. Joh 3,3); wir tun die Gerechtigkeit, weil Er gerecht ist (1. Joh 3,7); wir sind heilig, weil Er heilig ist (1. Pet 1,15); wir vergeben, wie Er vergeben hat (Kol 3,13), und wir lieben, wie Er uns liebt (Joh 13,34).
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Der blaue Purpur spricht davon, dass Jesus Christus der Mensch vom Himmel ist (1. Kor 15,47). Er ist aus dem Himmel herabgekommen und war auf der Erde dennoch „der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh 6,41; 3,13). Er tat den Willen dessen, der Ihn gesandt hatte, und stieg nach vollbrachtem Werk wieder in den Himmel hinauf (Joh 6,38; 3,13). Das alles zeigt uns besonders das Johannesevangelium. – Wir sind nicht von der Welt, wie Er nicht von der Welt ist (Joh 17,14). In unserem Verhalten dürfen wir zeigen, dass wir „Himmlische“ sind (1. Kor 15,48). Der Himmel ist heute schon die Heimat unserer Herzen und zugleich erwarten wir, dass wir bald in den Himmel entrückt werden. Im Himmel ist „unser Bürgertum“ (Phil 3,20).
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Roter Purpur: Symbolisiert die Herrlichkeit Christi als König der Könige und Herr der Herren. In der Antike trugen römischen Kaiser roten Purpur. Wer den Kaiserthron bestieg, „legte den Purpur an“. Nur im Markusevangelium wird der Mantel, den die Soldaten dem Herrn umhängten, „Purpurmantel“ genannt (Mk 15,17.20).[1] Ebenso ist es ausschließlich Markus, der beschreibt, wie sich Christus zur Rechten Gottes gesetzt hat (Mk 16,19). Damit hat Christus sozusagen „den Purpur angelegt“. – Diese amtliche Herrlichkeit des Herrn können wir nicht nachahmen, aber wir können sie anerkennen. Wir wissen, dass sein Werk vollbracht und Ihm jetzt alles untergeordnet ist. Das gibt uns Mut zum Dienst und stärkt uns auf dem Weg des Glaubens.
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Karmesin: Steht symbolisch für die irdische Herrlichkeit Christi als König. Die Soldaten legten Jesus, wie Matthäus berichtet, „einen scharlachroten Mantel“ um, um Ihn als König der Juden zu verspotten (Mt 27,28.29).[2] Doch der Herr Jesus wird bald als König auf dem Berg Zion herrschen und Gott wird Ihm alle Nationen zum Erbteil geben (vgl. Ps 2,6.8). Er ist der Sohn Davids, dem der Thron in Jerusalem gehört, und Er ist der Sohn Abrahams, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden (vgl. Mt 1,1). – Wir Gläubigen aus den Nationen freuen uns, dass der Segen Abrahams in Christus Jesus zu uns gekommen ist (Gal 3,14). Doch auch die Wahrheit, dass der Herr Jesus der Nachkomme Davids ist, bleibt fest in unseren Herzen verankert (vgl. Röm 1,3; 2. Tim 2,8; Off 22,16). Bald wird der Herr in seiner ganzen Autorität erscheinen. Bis dahin sind wir bemüht, alle Nationen zu Jüngern zu machen (Mt 28,19).
Die vier Farben sprechen von der Herrlichkeit des Herrn, wie sie in den vier Evangelien gezeigt wird. Dabei ist zu beachten, dass die Farben miteinander verwoben waren. So können wir die verschiedenen Aspekte seiner Herrlichkeit in den Evangelien zwar unterscheiden, doch lassen sie sich nicht trennen.[3]
Im Gegensatz zu den anderen Teppichen wird nur von dem vierfarbigen Teppich gesagt, dass er bedeckt werden soll (2. Mo 26,13). Das zeigt: Gott verbirgt das Schöne. Er möchte nicht die natürlichen Sinne ansprechen, wenn es um geistliche Dinge geht. Darum sah die Welt in Christus nichts Begehrenswertes (Jes 53,3), aber das Auge des Glaubens erkannte in Ihm eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater (Joh 1,18).
Die eingearbeiteten Cherubim
Die vier Farben finden wir auch beim Vorhang am Eingang des Vorhofs (2. Mo 27,16), beim Vorhang am Eingang des Zeltes (2. Mo 36,36) und beim Scheidevorhang, der das Heiligtum vom Allerheiligsten trennte (2. Mo 26,33). Doch nur beim vierfarbigen Teppich und beim Scheidevorhang waren Cherubim eingewebt. Die Cherubim zeigen die Eigenschaften Gottes im Gericht sowie die Werkzeuge, die Er dazu benutzt. Wer im Allerheiligsten stand, sah nicht nur die beiden großen Cherubim auf der Bundeslade (2. Mo 25,17–22), sondern entdeckte sie ringsum. So wurde deutlich: Wo Gott wohnt, kann Böses nicht geduldet werden! Auch wenn Christus nicht gekommen war, um zu richten, so redete Er doch von Gottes Ansprüchen und von Gericht. Er reinigte auch den Tempel, das Haus seines Vaters (Joh 2,13–27; Mt 21,12.13). – Wir wissen, dass Er Sohn über sein Haus ist, dessen Haus wir sind (Heb 3,6). Wir anerkennen seine Rechte, was sich auch darin zeigt, dass wir die richten, „die drinnen sind“ (vgl. 1. Kor 5,12).
Der kunstvoll gefertigte Verbundteppich ist ein Sinnbild für die Herrlichkeit des Herrn. Doch gleichzeitig verdeutlicht er auch die enge Verbundenheit der Gläubigen untereinander.
Die Verbindung der Teppiche
Der Verbundteppich bestand aus zehn einzelnen Teppichen. Jeweils fünf wurden auf eine nicht näher beschriebene Weise zusammengenäht. Danach wurden diese beiden Einheiten mit hundert Schleifen aus blauem Purpur und fünfzig goldenen Klammern zusammengefügt. Das lässt daran denken, dass Gott die Gläubigen auf eine himmlische („blau“) und göttliche Weise („Gold“) miteinander verbunden hat. Gott, der Heilige Geist, ist vom Himmel herabgekommen und hat die Versammlung gebildet – den einen neuen Menschen, den einen Leib, die eine Behausung Gottes im Geist (vgl. Eph 2,15–22). Das ist nichts, was von Menschen gemacht wurde.
Es wurden viele Klammern und Schleifen verwendet, um die Teppiche miteinander zu verbinden, damit die „Wohnung ein Ganzes wird“ (2. Mo 26,6). Die Versammlung als Haus Gottes und als Leib Christi ist „wohl zusammengefügt und verbunden“ (Eph 2,21; 4,16); der Christus ist nicht zerteilt (1. Kor 1,13). Diese Tatsache sollten wir stets vor Augen haben, wenn wir Versammlung Gottes auf der Erde darstellen wollen.
Dass die Teppiche sorgfältig, ordentlich und nach Gottes Weisung zusammengefügt wurden, hat uns ebenfalls etwas zu sagen: Wir sollen nicht nur in Liebe vereinigt sein, sondern auch göttliche Ordnung und Festigkeit zeigen (Kol 2,2.5). Gott ist nicht ein Gott der Unordnung; deshalb soll unter uns alles anständig und in Ordnung geschehen (1. Kor 14,33.40).
Zusammenfassung
Die Herrlichkeit Christi wird im Haus Gottes gekannt, verkündigt und gelebt. Wer sich im Haus Gottes angemessen verhalten will, muss Christus kennen – das anerkannt große Geheimnis Gottes (1. Tim 3,14–16). Als Christen wollen wir außerdem verwirklichen, dass es nur ein Haus Gottes auf der Erde gibt und dass zu diesem Haus Heiligkeit gehört. So können wir nach den Gedanken Gottes leben und ein glaubwürdiges Zeugnis in der Welt sein.
[Aus: IM GLAUBEN LEBEN]
Fußnoten:
- Dieser Soldat besaß bestimmt keinen Mantel, der mit dem außerordentlich teuren Farbstoff Purpur gefärbt war. Aber offenbar erinnerte die Farbe des Soldatenmantels an diesen Farbton. Außerdem war bei diesem Mantel der Farbton „scharlachrot“ erkennbar (Mt 27,28.29).
- Scharlach und Karmesin sind praktisch identische Farbtöne.
- Wenn jemand beispielsweise sagt: „Wir sehen den Herrn Jesus in Matthäus als König“, dann könnte man zu Recht antworten, dass das auch Johannes vorstellt (Joh 12,12–19). Besser redet man daher davon, dass Matthäus den Herrn Jesus besonders als König Israels vorstellt. Viele ähnliche Beispiele ließen sich finden.
