„Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen. Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt, und ihr werdet meine Jünger werden“ (Joh 15,1–8).
Dieser Abschnitt aus Johannes 15 wurde schon oft benutzt, um gegen die Heilssicherheit der Gläubigen zu argumentieren. Denn es wird in diesem Abschnitt gesagt, dass Reben abgeschnitten und ins Feuer geworfen werden, was auf die Hölle hinweist.
Und doch spricht dieser Abschnitt nicht gegen die Heilssicherheit. Das wird deutlich, wenn man sich diesen Abschnitt etwas näher anschaut. Auf zwei wichtige Punkte möchte ich hinweisen:
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Das Bild von Weinstock und Reben ist ein Bild von Christus und seinen Jüngern. Das macht Johannes 15,8 sehr deutlich. Wir haben hier kein Bild der Versammlung (Gemeinde), es geht nicht um den Leib Christi. Der Leib Christi zeigt die Einheit der Gläubigen und die Lebensverbindung zu Christus, dem Haupt und untereinander. Hier ist niemals die Rede davon, dass Glieder ausgebrochen werden und verloren gehen. Aber Jüngerschaft ist ein anderes Thema. Viele Menschen folgen Jesus nach. Aber manche kennen den Herrn Jesus doch nicht wirklich. In Johannes 6 spricht der Herr davon, dass man an seinen Tod glauben muss, um ewiges Leben zu haben. Einige Jünger empfanden diese Rede als hart und gingen weg (Joh 6,60.66). Der Herr machte klar: „Es sind einige unter euch, die nicht glauben“ (Joh 6,64). Es gibt Jünger, die nicht glauben! Das traurige Paradebeispiel dafür ist Judas Iskariot, der Sohn des Verderbens. Solche Jünger gehen verloren. Die wahren Jünger gehen jedoch nicht verloren.
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Dann noch ein zweiter wichtiger Punkt. Es ist wichtig, zu sehen, was über die abgeschnittene Rebe gesagt wird. Es wird gesagt, dass sie keine Frucht bringt (Joh 15,2). Es wird nicht gesagt, dass sie zu wenig Frucht bringt oder dass sie keine Frucht mehr bringt. Nein, sie bringt gar keine Frucht. Warum denn? Weil ihr die Lebensverbindung fehlt. So eine Rebe wird abgeschnitten.[1] Jede Art von Beziehung zu Christus wird, im Bild gesprochen, verloren gehen. Heute werden Menschen noch Christen genannt, sie haben auch Talente und einen Platz im Reich. Das alles hört auf. Die Rebe kommt ins Feuer, so wie diejenigen verloren gehen werden und in den Feuersee kommen, die Christus nur äußerlich nachgefolgt sind. Und Johannes 15,6 steht dazu nicht im Widerspruch: „Wenn jemand nicht in mir bleibt, dieser wird hinausgeworfen.“ Denn wenn jemand nicht in Christus bleibt, dann ist das der Beweis dafür, dass keine Echtheit des Glaubens vorhanden ist! Johannes 8,31 sagt: „Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.“ Wer bleibt, ist ein wahrhaftiger Jünger. Wahrhaftige Jünger bleiben, denn sie haben geglaubt und erkannt, dass Jesus der Heilige Gottes (Joh 6,69). Wer nicht bleibt, beweist, dass die Verbindung des Lebens und des Herzens fehlt.
Zusammenfassung
Es gibt Jünger, die keine wahren Jünger sind. Solche bringen keine Frucht für Gott, weil sie das neue Leben und den Geist nicht haben. Diese Jünger werden verloren gehen, werden in die Hölle des Feuers geworfen werden, weil sie den Herrn Jesus genauso wenig wie Judas Iskariot gekannt haben. Aber ein wahrhaftiger Jünger, ein Kind Gottes, ein Glied am Leib Christi, geht nicht verloren. Niemals!
Fußnoten:
- Interessant ist hier an den Rebschnitt zu denken: Das Grundgerüst des Weinstocks, mit den Leitruten, bleibt mehrere Jahre stehen. Die alten Triebe werden abgeschnitten. Aus ihnen kann keine Frucht entstehen. Frucht entsteht nur aus einjährigem Holz, das im Sommer gewachsen und im Winter verholzt ist). Es geht nicht um die Frage, ob die Triebe wohl Frucht bringen werden und dann nach langer Beobachtung abgeschnitten werden. Sondern sie werden abgeschnitten, weil es keine Frucht geben kann.
