„Und Simson ging nach Gaza, und er sah dort eine Hure und ging zu ihr ein. Und es wurde den Gazitern berichtet und gesagt: Simson ist hierher gekommen. Und sie umstellten ihn und lauerten ihm die ganze Nacht im Stadttor auf; und sie verhielten sich die ganze Nacht still und sprachen: Bis der Morgen hell wird, dann wollen wir ihn erschlagen. Und Simson blieb bis Mitternacht liegen. Um Mitternacht aber stand er auf und ergriff die Flügel des Stadttores und die beiden Pfosten und riss sie samt dem Riegel heraus und legte sie auf seine Schultern; und er trug sie auf den Gipfel des Berges, der gegen Hebron hin liegt“ (Ri 16,1–3).
Wieder einmal befand sich Simson am falschen Ort. In Gaza sah er eine Hure und ging zu ihr ein (Ri 16,1). Dies blieb den Gazitern nicht verborgen. Sie belauerten ihn die ganze Nacht und wollten ihn am nächsten Morgen erschlagen (Ri 16,2). Doch einmal mehr erfuhr Simson die unumschränkte Gnade Gottes, der ihn vor den Philistern bewahren wollte: Es wird nicht berichtet, wie es dazu kam, aber um Mitternacht stand Simson auf, ergriff die beiden Flügel des Stadttores samt ihren Pfosten und schleppte sie auf seinen Schultern auf den Gipfel des Berges, der gegen Hebron liegt (Ri 16,3). Eine beeindruckende Demonstration seiner übermenschlichen Kraft! Simson ging auch in die richtige Richtung. Vielleicht sah er Hebron sogar vom Gipfel des Berges aus. Allerdings kam er nie in Hebron an.
In Verbindung mit dieser beeindruckenden Tat Simsons möchte ich folgende Punkte erwähnen:
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Wie fast in der gesamten Geschichte von Simson lesen wir auch in dieser Begebenheit nichts davon, dass Simson betete. Man hat den Eindruck, dass er (wieder einmal) in Unabhängigkeit handelte. Im Gegensatz zu Lichtblicken im Leben Simsons, wo der Geist Gottes über ihn geriet (Ri 14,6.19; 15,14), suchen wir hier das Wirken des Geistes vergeblich. Wie sieht es damit bei uns aus? Lassen wir uns in dem, was wir tun, vom Geist leiten?
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Simson demonstrierte bei dieser Begebenheit zwar seine übermenschliche Kraft, errang dabei aber keinen Sieg über die Philister. Seine überaus anstrengende und ermüdende Aktion brachte keinerlei greifbaren Ergebnisse hervor. Die Folgen seiner gewaltigen Kraftanstrengung waren völlig unnütz. Auch wir wollen uns immer wieder fragen, wofür wir unsere Kraft und Zeit einsetzen. Kommt dabei etwas Nützliches herum (Phlm 20)?
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Simson trug die Torflügel samt der Pfosten und Riegel des Stadttores von Gaza auf seinen Schultern auf den Gipfel des Berges, der gegen Hebron liegt (Ri 16,3). Wie wir bereits gesehen haben, handelte Simson hier nicht in der Kraft des Geistes, sondern vielmehr in eigener Kraft. Doch ein Handeln in eigener Kraft kann der Herr niemals gutheißen – weder bei Simson damals noch bei uns heute. Uns Gläubigen der Gnadenzeit gilt daher die Aufforderung: „Wandelt im Geist und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen“ (Gal 5,16).
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Wenn wir die geistliche Bedeutung von Hebron hinzuziehen („Hebron“ bedeutet „Gemeinschaft“), dann können wir sagen, dass Simson zwar in die richtige Richtung ging – in Richtung Hebron –, aber leider nie dort ankam. In neutestamentlichen Worten ausgedrückt heißt das: Simson kehrte zwar zum Herrn um, blieb aber auf halber Strecke stehen. Seine Umkehr war nur halbherzig und blieb darum leider auch nur unvollständig. Wie sieht es damit bei uns aus? Kehren wir mit unserem ganzen Herzen zum Herrn um, wenn wir gesündigt haben, oder auch nur halbherzig (Hos 14,3; Joel 2,12)?
