Auf den Seiten des Buches Prediger sucht man Hinweise auf Christus fast vergeblich. Samuel Ridout schreibt dazu:

„Von allen Büchern der Bibel ist es vielleicht das Buch Prediger, das Christus am ehesten ausklammert; und doch macht es gerade dadurch seine Abwesenheit umso deutlicher spürbar, sodass es uns auf dem Weg des Kontrastes zu Ihm hinführt und uns darauf vorbereitet, mit neuer Freude das Thema des Hohelieds aufzunehmen, wo der König in seiner Schönheit vor uns steht und Narde und kostbare Salben freudig und reichlich über Ihn ausgegossen werden.“

Das Buch ist eigentlich ein trauriges Bild eines Lebens ohne Christus. Vergnügen, Zerstreuung, Wohlergehen ist da, auch Mühe und Arbeit, aber ohne Christus – wofür? Alles Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Zwar ist ein Mann da aus Tausenden, den der Prediger fand (Pred 7,28), aber der törichte Mensch lehnt ihn ab, zu seinem eigenen Verderben. Der Prediger vergleicht diesen einen Mann einmal mit einem „armen, weisen Jüngling“ (Pred 4,13–16) und einmal mit einem „armen, weisen Mann“ (Pred 9,13–16). Wir erkennen darin, wenn auch nur schemenhaft, Bilder von Christus.

Der arme Jüngling in Prediger 4 wird in arme Verhältnisse geboren und kommt ins Gefängnis. Das Ganze geschieht, wie es heißt, „in seinem Königreich“. – Mit dem Herrn Jesus kam die Weisheit Gottes in ärmsten Verhältnissen zu uns (1. Kor 1,30; 2. Kor 8,9). In seinem eigenen Königreich, in Israel, wird der Messias Israels wie ein Räuber gefangen genommen (Mk 14,48) und zum Tod verurteilt. Der arme Jüngling kommt dann zum Königtum anstelle eines alten, törichten Königs. Doch obwohl er „allen Lebenden unter der Sonne“ vorstehen sollte, wandten sich „die Späteren“ von ihm ab. – Der Herr Jesus hat nach seinem Tod und durch den Tod das höchste Königtum empfangen, die Herrschaft über die ganze Schöpfung. Er tritt damit an die Stelle des ersten Menschen, der eigentlich die Aufgabe hatte, sich die Erde untertan zu machen, aber durch seine Torheit alles verdorben hat. Doch wer ist dem Herrn Jesus heute zugetan? Wer beachtet Ihn? Es sind nur wenige. Selbst am Ende seiner 1000-jährigen Friedensherrschaft werden Menschen sich (zum letzten Mal) gegen Ihn auflehnen (Off 20,7–9).

Die Geschichte von dem armen Mann in Prediger 9 ist ein noch deutlicherer Hinweis auf Christus. Die Stadt ist belagert durch einen starken König, wie die Welt von ihrem Fürsten, Satan, belagert ist. Christus hat durch sein Kreuz – für die Gläubigen Gottes Kraft und Weisheit, für die Nationen eine Torheit – Rettung für die Welt gebracht. Die Welt erinnert sich an einen moralisch hochstehenden Wohltäter, aber von seinem Rettungswerk, von Sühnung für Sünden von Befreiung aus der Gewalt Satans will sie nichts wissen.

Darin liegt die ganze Torheit des Menschen: Er kennt den Herrn Jesus, aber erinnert sich nicht an Ihn, wendet sich von Ihm ab, klammert Ihn aus seinem Leben und Denken aus. „Eitelkeit der Eitelkeiten!, spricht der Prediger; alles ist Eitelkeit!“ – Trauriges Fazit.

Wie wohltuend ist es da, mit gläubigem Herzen das nächste Buch – das Lied der Lieder – zu lesen und dort den Geliebten zu finden, „ausgezeichnet vor Zehntausenden … und alles an ihm ist lieblich“ (Hld 5,10.16).