„Und es geschah, als sie ihn alle Tage mit ihren Worten drängte und ihn plagte, da wurde seine Seele sterbensmatt; und er tat ihr sein ganzes Herz kund und sprach zu ihr: Kein Schermesser ist auf mein Haupt gekommen, denn ein Nasir Gottes bin ich von Mutterleib an; wenn ich geschoren würde, so würde meine Stärke von mir weichen, und ich würde schwach werden und würde sein wie alle Menschen“ (Ri 16,16.17).
Im Leben Simsons spielten drei Frauen der Philister eine große – und vor allem traurige – Rolle. Gottes Auftrag an Simson war, das Volk Israel aus der Hand der Philister zu befreien (Ri 13,5). Dieser Aufgabe konnte er nach den Gedanken Gottes nur als ein Nasir – ein „Abgesonderter unter seinen Brüdern“ – nachkommen. (Siehe die Anmerkung zu 1. Mose 49,26.) Als ein Nasir, der sein Leben Gott weihte, sollte er sich von jeder Unreinheit fernhalten (er sollte zu keiner Leiche kommen), auf irdische Freuden verzichten (er sollte kein Wein oder starkes Getränk trinken) und seinen Dienst in Abhängigkeit von Gott ausführen (kein Schermesser sollte auf sein Haupt kommen). Doch leider kam Simson diesen Anforderungen nur eingeschränkt und halbherzig nach. Zudem ging er immer wieder Verbindungen mit Frauen der Philister ein, die ihm zum Verhängnis wurden. Sie schränkten ihn in seinem Dienst für Gott zusehends ein und führten schließlich dazu, dass er sein Nasiräertum ganz aufgab.
Das Geheimnis von Simons großer Kraft bestand in seinen langen Haaren – ein Symbol seiner Weihe und Absonderung für Gott. Doch sobald er dieses Geheimnis Delila preisgegeben und damit auch seine Weihe und Absonderung für Gott aufgegeben hatte, verlor er seine Kraft und Einsicht (Ri 16,19). Damit unterschied er sich in nichts mehr von allen anderen Menschen (Ri 16,17).
Die Verbindungen, die Simson mit den Frauen der Philister einging, sollen auch uns als Warnung dienen. Die Philister sind ein Bild der bekennenden Christenheit, die kein Leben aus Gott hat. Sie stellen Namenschristen dar, die zwar eine „Form der Gottseligkeit“ haben, deren Kraft aber verleugnen (2. Tim 3,5). Das sind natürliche Menschen, die sich zwar Christen nennen, aber keine lebendige Beziehung zu Christus haben und darum einmal im Gericht Gottes enden werden.
Wenn wir als Gläubige mit diesen (ungläubigen) Menschen (kirchliche) Verbindungen eingehen und uns nicht konsequent von ihnen distanzieren, dann wird das früher oder später dazu führen, dass wir das Geheimnis unserer geistlichen Kraft und Einsicht preisgeben. Jede Anpassung und Vermischung mit den falschen Lehren und Praktiken der uns umgebenden christlichen Welt wird unweigerlich auch bei uns dazu führen, dass wir unser „Nasiräertum“ – unsere Weihe für Gott – und damit auch unsere geistliche Kraft einbüßen. Der Herr wird uns dann nicht mehr uneingeschränkt als sein Werkzeug im Dienst für Ihn benutzen können (2. Tim 2,21). Wir werden uns unsere geistliche Kraft und Einsicht nur erhalten können, wenn wir uns konsequent von aller Art des Bösen (egal, auf welchem Gebiet) trennen und uns stets in der Nähe des Herrn aufhalten (1. Thes 5,22; 2. Tim 2,19).
