Der 15. August ist in vielen Teilen Europas ein besonderer kirchlicher Feiertag. In der römisch-katholischen Kirche gehört dieser Tag zu den höchsten Feiertagen überhaupt, vergleichbar mit Weihnachten oder Ostern.
In manchen Ländern und Regionen, zum Beispiel in Teilen von Bayern und im Saarland, ist „Mariä Himmelfahrt“ ein gesetzlicher Feiertag. In Süddeutschland, Österreich, Südtirol und vielen katholisch geprägten Ländern (z.B. in Polen oder Italien) wird er mit Prozessionen und Marienandachten begangen. Besonders bekannt ist die sogenannte „Kräuterweihe“, bei der getrocknete Pflanzen als Symbol für die „Blumen des Paradieses“ gesegnet werden.
Was gefeiert wird
Die katholische Kirche lehrt, dass Maria – die Mutter Jesu – am Ende ihres Lebens mit „Leib und Seele“ in den Himmel aufgefahren sei. Man sieht darin eine Analogie zur Himmelfahrt unseres Herrn. Papst Pius XII. (1876–1958) erklärte im Jahr 1950 in einem Dogma, dass Maria am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden sei. Damit wurde die „leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“ zur verbindlichen Glaubenswahrheit für die römisch-katholische Kirche und ihre Mitglieder erklärt. Es wird dabei nicht ausdrücklich gesagt, dass Maria nicht gestorben sei, sondern es wird betont, dass ihr Leib nicht der Verwesung übergeben worden sei – anders als bei allen anderen Menschen, die sterben (außer bei unserem Herrn).
Tradition statt Offenbarung
Jedem Bibelleser muss sofort klar sein, dass die Vorstellung, Maria sei der leiblichen Verwesung entgangen und in die himmlische Herrlichkeit entrückt worden, reine Tradition ist. Man kann das aus keiner einzigen Bibelstelle auch nur andeutungsweise ableiten, und es würde auch im Kontrast zu dem stehen, was die Bibel sonst über Maria sagt. Hinweise auf eine solche „Himmelfahrt“ waren in den ersten Jahrhunderten der Kirche auch unbekannt. Erst im 5. Jahrhundert findet sich diese Vorstellung überhaupt. Dabei bezog man sich auf Legenden und apokryphe Schriften – nicht auf das, was in der Bibel steht.
Was sagt die Bibel über Maria?
- Sie war die Mutter des Menschen Jesus (Mt 1,18–25).
- Maria war Jungfrau bis zur Geburt ihres Erstgeborenen. Das Kind wurde vom Heiligen Geist gezeugt (Lk 1,27; Mt 1,20).
- Sie war demütig und vertraute Gott (Lk 1,38.46–48).
- Sie wusste um die Notwendigkeit eines persönlichen Retters (Lk 1,47).
- Sie erscheint zuletzt in Apostelgeschichte 1,14 – danach schweigt die Bibel über sie.
- Es gibt keine biblische Lehre von ihrer Himmelfahrt oder ihrer Sündlosigkeit.
- Maria wird an keiner Stelle „Mittlerin“ genannt. Diesen Titel hat nur unser Herr.
- Der Herr selbst relativiert familiäre Bindung zugunsten geistlicher Nachfolge (Mt 12,46–50)
Maria im Neuen Testament
Im Neuen Testament wird das Leben Marias einerseits mit großer Wertschätzung, andererseits auch sehr zurückhaltend geschildert. Maria war ohne Frage eine besondere Frau. Sie wurde von Gott ausgewählt, die Mutter des Menschen Jesus Christus zu sein. Sie war die Frau, von der Galater 4,4 im Blick auf Christus sagt: „… geboren von einer Frau.“ Sie brachte das „Kind Jesus“ zur Welt und zog es – gemeinsam mit Joseph – groß. Zum letzten Mal wird sie in Apostelgeschichte 1,14 erwähnt. Danach schweigt die Bibel über ihren weiteren Lebensweg.
Wäre Maria tatsächlich in einer besonderen Weise in den Himmel aufgefahren, wäre das ein außergewöhnliches Ereignis gewesen – vergleichbar nur mit der Entrückung Henochs und Elias (obwohl beide vorher nicht gestorben waren). Man dürfte zu Recht erwarten, dass Gott dies in seinem Wort offenbart hätte oder dass die Apostel davon geschrieben hätten. Beides ist nicht der Fall.
Maria war eine gottesfürchtige Frau. Sie glaubte dem Wort Gottes, sie war gehorsam, demütig und bereit, ihren Platz im Heilsplan Gottes einzunehmen. Sie bezeichnet sich selbst als „Magd des Herrn“ (Lk 1,38) und nennt Gott ihren „Retter“ (Lk 1,47). Diese Worte zeigen deutlich, dass Maria nicht sündlos war. Auch sie brauchte Rettung und Erlösung. Von einer „unbefleckten Empfängnis“, wie die katholische Kirche sie lehrt, ist im Neuen Testament also ebenfalls keine Rede. Es ist auch nicht wahr, dass Maria immer eine Jungfrau blieb. Nach der Geburt ihres Erstgeborenen hatte sie mit Joseph weitere Kinder (vgl. die Stellen, wo die Brüder des Herrn Jesus genannt werden, z.B. Lk 8,19; Joh 2,12).
Das Zentrum des Evangeliums
Es ist völlig gegen die Wahrheit der Bibel, Maria zu verherrlichen, sie als „Himmelskönigin“, als „Mutter Gottes“, „Mutter der Kirche“ oder gar als „Miterlöserin“ zu bezeichnen. All dies widerspricht der klaren Lehre des Neuen Testamentes, wonach der Mensch Jesus Christus der König der Könige, der ewige Gott, das Haupt seiner Versammlung und der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen ist (Off 17,14; Joh 1,1; Kol 1,18; 1. Tim 2.5).
Es ist wichtig, dass wir dieses Zentrum des Evangeliums – der guten Botschaft Gottes – nicht verwässern. Jede Lehre, die unserem Herrn den Platz nimmt, der Ihm gehört, ist gefährlich und falsch. Es geht hier nicht um spitzfindige Dogmatik – es geht um das Zentrum des Evangeliums. Jesus Christus allein ist der, der gestorben, der auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist und nun zur Rechten Gottes sitzt. Die Einzigartigkeit der leiblichen Auferstehung und Himmelfahrt ist in der Bibel allein unserem Herrn vorbehalten, der den Tod besiegt hat (vgl. Apg 1,9; 1. Kor 15,20–23). Diese Ehre teilt Er mit niemandem. Nur Jesus Christus konnte in ein Grab gelegt werden, ohne Verwesung zu sehen (1. Kor 13,37). Es gibt keinen anderen, in dem Rettung zu finden ist (Apg 4,12). Weder Maria noch irgendein anderer Mensch hat Anteil an dieser Rettungsaktion Gottes.
Das Neue Testament stellt unseren Herrn in den Mittelpunkt – und nicht Maria oder irgendjemand anders. Anlässlich der Hochzeit zu Kana forderte gerade Maria die Knechte auf, das zu tun, was Jesus ihnen sagte (Joh 2,5). Nicht sie steht im Fokus, sondern sie weist auf Christus hin.
Marias Himmelfahrt wird in der katholischen Kirche sogar als Garant dafür angesehen, dass einmal alle Toten auferstehen werden. Die Bibel sagt etwas völlig anderes, nämlich dass die Auferstehung des Herrn Jesus die Garantie ist, dass auch wir – die Gläubigen – auferstehen werden (vgl. die Darlegung von Paulus in 1. Kor 15).
Ein Feiertag ohne geistliche Grundlage
Was ist also von Mariä Himmelfahrt zu halten? Aus biblischer Sicht kann dieser Feiertag weder geistlich begründet noch als sinnvoll angesehen werden. Mehr noch: Es handelt sich um ein Produkt menschlicher Tradition, nicht um eine Offenbarung Gottes. Die damit verbundene Lehre steht im Widerspruch zur Bibel, denn sie erhebt Maria über das Maß hinaus, das Gott selbst dieser Frau zugewiesen hat, und greift damit die Person des Herrn Jesus selbst und sein Sühnungswerk an.
Maria soll uns ganz sicher ein Vorbild im Glauben und in der Demut sein. Sie war eine besondere Frau. Aber sie darf nicht angebetet, angerufen oder als himmlische Mittlerin betrachtet werden. Das stünde im Widerspruch zur biblischen Wahrheit und griffe die Wurzeln des Evangeliums an. Wer bewusst an eine Himmelfahrt Marias glaubt, raubt – bewusst oder unbewusst – Jesus Christus die Ehre, die nur Ihm zukommt.
Wir wollen auch in dieser Frage bei dem bleiben, wie die Bibel sagt, und nicht darüber hinausgehen.
