„Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete und sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?“ (Lk 5,22.23; Mt 9,5; Mk 2,9)

Die vier Männer hatten großen Glauben bewiesen, indem sie ihren gelähmten Freund auf seinem Bett durch das abgedeckte Dach hindurch in die Mitte vor Jesus gelegt hatten (Mk 2,3.4). Doch bevor der Herr die körperliche Not des Gelähmten anging, kümmerte Er sich um die geistliche Not dieses Mannes. Er wartete nicht, bis der Kranke sein Anliegen vorgebracht hatte, sondern behandelte zunächst die Wurzel seines Problems, indem Er ihm seine Sünden vergab (Lk 5,20). Doch das ließ die Schriftgelehrten und Pharisäer aufhorchen: Wer außer Gott allein konnte Sünden vergeben? Und sie hatten in diesem Punkt absolut recht: Nur Gott kann Sünden vergeben. Doch leider übersahen sie, dass derjenige, der als Mensch vor ihnen stand, zugleich auch Gott war. Darum bezichtigten sie Ihn der Lästerung.

Aber der Herr wollte die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht in diesem Zustand zurücklassen. Er sah ihre falschen Überlegungen und wollte ihnen einen weiteren Beweis seiner Gottheit geben, indem Er den Gelähmten heilte. Doch zuvor stellte Er ihnen die bedeutungsvolle Frage: „Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?“ Diese außergewöhnliche Frage wollen wir uns unter zwei verschiedenen Blickwinkeln ansehen.

Aus menschlicher Sicht

Zunächst die menschliche Ebene: Keine der im Haus anwesenden Personen (mit Ausnahme des Herrn selbst) war in der Lage nachzuprüfen, ob der Herr dem Gelähmten die Sünden vergeben konnte oder nicht. Aber sie konnten sehr wohl erkennen, ob der Herr imstande war, ein Wunder zu vollbringen und den Gelähmten zu heilen. Aus diesem menschlichen Blickwinkel betrachtet, war es offensichtlich leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, als zu sagen: Steh auf und geh umher. Doch indem der Herr schließlich auch das in ihren Augen Schwierigere tat (den Gelähmten heilte), wollte Er ihnen deutlich machen, dass Er auch zu dem, menschlich gesehen, Leichteren in der Lage war (dem Gelähmten die Sünden zu vergeben), da Er niemand anderes als Gott selbst war.

Aus göttlicher Sicht

Aus göttlicher Sicht betrachtet war es für den Herrn Jesus ein Leichtes, den Gelähmten durch ein Wort zu heilen. Schließlich trägt Er alle Dinge durch das Wort seiner Macht (Heb 1,3) und hat Er die ganze Schöpfung durch sein Wort ins Dasein gerufen (Ps 33,9; Heb 11,3). Doch um Sünden vergeben zu können, genügte kein Wort seiner Macht. Nein, dafür musste zuerst das Problem der Sünde gottgemäß geregelt werden. Das bedeutete für den Herrn Jesus nichts anderes, als dass Er Mensch werden und am Kreuz von Golgatha für Sünden leiden und sterben musste (1. Pet 3,18). Was für einen hohen Preis hat Er dafür bezahlt!