Jacques Erné ist vielen Gläubigen als Dichter christlicher und geistlicher Lieder bekannt. Seine Lieder werden gerne gesungen und zeichnen sich durch einen tiefgründigen Inhalt aus. Wir nennen sie mit Recht „geistliche Lieder“.

Über das Leben des Dichters ist wenig bekannt, auch nicht über den Zeitpunkt und die Umstände seiner Hinwendung zu Christus. Seine Texte vermitteln jedoch einen gewissen Eindruck davon, mit wem wir es zu tun haben und wie er in Dankbarkeit für das Heil in Gemeinschaft mit seinem Herrn lebte.

Jacques Erné war Schweizer. Er wurde 1825 geboren und ging 1883 zu seinem Herrn. Seine „geistliche Heimat“ hatte er innerhalb der sogenannten „Brüderbewegung“, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand und deren Anfänge er miterlebte. Weitere biografische Details wie Herkunft, beruflicher Werdegang oder Lebensstationen sind unbekannt. Anders als sein Name zunächst vermuten lässt, lebte er im deutschen Sprachraum, denn seine Lieder sind vollständig auf Deutsch verfasst.

Es sind über zwanzig Lieder von Jacques Erné bekannt, die in verschiedenen Gesangsbüchern zu finden sind, wie zum Beispiel Geistliche Lieder (Beröa, Schweiz) oder Geistliche Lieder (CSV, Deutschland).

Seine Texte sind geprägt von einer tiefen geistlichen und biblischen Ausrichtung. Einige seiner bekannten Lieder sind:

  • Mit Dornen gekrönt, verspottet, verhöhnt
  • Preis und Dank sei dir gesungen
  • Wohlgeruch und Lieblichkeiten
  • Es ist vollbracht, das große Werk, das schwere
  • Herr, du hast uns erworben
  • Opferlamm, du hast erduldet
  • Zu deinem Tisch sind wir geladen
  • Ohne Anfang ohne Werden
  • Jesu, Jesu, du allein stillest mein Verlangen
  • O ernste, heilge, selge Stund
  • Ein Heim hab ich, ein Vaterhaus
  • Bleib, Herr, mit deinen Gnaden
  • Edler Weinstock, Gott entsprossen
  • Nur noch ein wenig wall ich als Fremdling hier
  • O Herr Jesu, welche Höhen
  • Name, Jesus, o wie süß klingst du
  • Wie schwer und mühsam ist der Weg

Ein Vergleich der Texte zeigt vier Schwerpunkte, wobei die beiden ersten besonders hervorstechen:

  • Christus als Lamm Gottes und sein stellvertretendes Werk am Kreuz: Viele Lieder stellen Christus und sein Erlösungswerk in den Mittelpunkt, betonen die Notwendigkeit seines Opfers für unsere Rettung und heben hervor, wie er dadurch Gott zugleich einzigartig verherrlicht hat

  • Heilsgewissheit, Dankbarkeit und Trost im Glauben: Viele Lieder handeln von der Sündenvergebung und der Sicherheit, die ein Gläubiger durch das Opfer des Herrn Jesus erfährt.

  • Nachfolge und Fremdlingschaft: Andere Texte zeigen, dass der Dichter das Leben mit Christus als eine „Fremdlingschaft“ versteht, die vom Glauben und von der Hoffnung auf die Herrlichkeit geprägt ist.

  • Hoffnung auf die Auferstehung und die Ewigkeit in der Herrlichkeit: Wiederholt werden die Erwartung der Auferweckung und die Freude auf die himmlische Heimat angesprochen.

Es geht wohl nicht zu weit, zu sagen, dass die Liedtexte von Jacques Erné „zu den Perlen der Anbetung und des Lobpreises“ zählen, die viele Gläubige mit großer Freude in ihren Zusammenkünften und darüber hinaus singen. Damit hat er zweifellos eine große Anzahl von Gläubigen im deutschsprachigen Raum beeinflusst, die den Wunsch haben, dem Herrn nachzufolgen und sich gemäß der Weisung des Wortes Gottes zu versammeln.

Die Liedtexte von Jacques Erné sollten nie oberflächlich gesungen werden. Sie sind nicht „unterhaltsam“, sondern „lehrreich“ und weisen vor allem auf die Größe und Herrlichkeit unseres Herrn und Erlösers hin.

Als Beispiel die Textfassung des Liedes „Wohlgeruch und Lieblichkeiten“ aus Geistliche Lieder (Beröa, Schweiz):

Wohlgeruch und Lieblichkeiten
stiegen auf vom Kreuzaltar,
wo das Lamm im tiefsten Leiden
bis zum Tod gehorsam war.
Zu des Vaters Wohlgefallen
gab der Sohn sich willig dar.

Auf dem Holz ist er verschieden,
hat für Sünd und Schuld gebüßt;
doch Gerechtigkeit und Frieden
haben sich am Kreuz geküsst,
und als ewger Hoherpriester
wurde er von Gott begrüßt.

Gott, den Heilgen und Gerechten,
hat geehrt der eigne Sohn,
und erhöht zu seiner Rechten,
sitzt er jetzt auf Gottes Thron;
ja, der Vater hat gegeben
alles ewig ihm zum Lohn.

Gott und Vater, wir besingen
deinen wunderbaren Rat;
Jesus wir Anbetung bringen
für die größte Liebestat.
Lob und Dank und Ruhm gebühren
ihm, der Gott verherrlicht hat.