In unserem Leben begegnet uns manches, was wir nicht verstehen. Da stellen wir vielleicht die Warum-Frage.
Doch dann lesen wir in Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.“ Nun, empfinden tun wir das manchmal sicherlich nicht und wirklich verstehen tun wir es auch nicht. Aber wir wissen es, weil Gottes Wort es sagt.
Im Alten Testament finden wir ein sehr schönes Beispiel, wie jemand alles aus der Hand Gottes annimmt, obwohl ihm großes Unrecht geschieht. Ich denke an Josef. Er war 17 Jahre alt, als er die Herde seines Vaters weidete. Und dann wird er ausgesandt von seinem Vater, um nach dem Wohlergehen seiner Brüder zu sehen und ihm Antwort zu geben. Und wie haben sie ihn behandelt? Sie hassten ihn. Sie warfen ihn in die Grube. Sie verkauften ihn nach Ägypten. Ja, sie wollten ihn sogar töten.
Aber viele Jahre später führt Gott die Umstände so, dass durch eine Hungersnot die Brüder nach Ägypten hinabziehen. Und sie erkennen Joseph, ihren Bruder, zuerst nicht, aber er erkennt sie. Sie müssen durch große Übungen und Schwierigkeiten gehen, um zu erkennen, was in ihrem eigenen Herzen ist. Dazu stellt sich Joseph ihnen fremd gegenüber. Aber als Gott in ihren Herzen eine gottgemäße Buße hervorgerufen hat, gibt Joseph sich ihnen zu erkennen. So wie er sich vorher fremd gestellt hatte, damit sie ihr eigenes Herz kennenlernen, offenbart er sich ihnen jetzt, damit sie sein Herz und seine Liebe zu ihnen kennenlernen.
Was hatte ihn in der Zeit aufrechterhalten? Was gab ihm die Kraft, seine Brüder zu lieben, obwohl sie ihn gehasst und so ungerecht behandelt hatten? Das lesen wir in 1. Mose 45. Dort sagt er dreimal, dass es letztendlich die Hand Gottes war: „Denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt“ (1. Mo 45,5b), „und Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu setzen auf der Erde und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung“ (1. Mo 45,7). Schließlich dann im nächsten Vers: „Und nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott; und er hat mich zum Vater des Pharaos gemacht und zum Herrn seines ganzen Hauses und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten“ (1. Mo 45,8).
Er nahm (mindestens im Rückblick) alles aus der Hand Gottes an. Ob er es von Anfang an so verstand, wissen wir nicht. Aber jedenfalls wird uns nicht berichtet, dass er sich in irgendeiner Form aufgelehnt oder resigniert hätte. Wir lernen daraus, dass es leichter für uns wird, anderen zu vergeben, wenn wir Dinge, die uns begegnen, aus der Hand Gottes annehmen. So sehr es wahr war, dass die Brüder ihn ungerecht behandelt hatten, so wahr war es auch, dass Gott die Umstände benutzte, um etwas Großes zustande zu bringen. Auf der einen Seite, damit die Brüder und der Vater am Leben erhalten wurden. Zweitens, um auch über sie und ihre Generation hinaus einen Überrest zu erhalten und eine große Errettung zu bewirken. Ein großartiger Plan Gottes, auch wenn der Weg dahin aus der irdischen Perspektive steil und steinig ist.
