„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Matthäus 18,20). 

„Denn“ – Die Gebetserhörungen und die Autorität 

Die Gebete der Versammlung werden erhört und ihre Beschlüsse im Himmel werden anerkannt (Mt 18,18.19). Gott sagt ja zu ihren Gebeten und ihren Beschlüssen. Wie kann das sein? Es ist, weil der Herr in der Mitte ist. Auf ihn sind alle Augen gerichtet. Er ist es, der alles lenkt und leitet. Deswegen werden die Gebete der Versammlung gehört und deswegen finden die Entscheidungen der Versammlung zur Aufnahme und zum Ausschluss aus der Gemeinschaft auch Anerkennung im Himmel.[1] Wie gering die Schar von Gläubigen an einem Ort auch erscheinen mag, so gilt doch: Der Herr ist da! Ihre Gebete sind wirksam und ihre Entscheidungen sind bindend.

Eine Versammlung, bei der keine Zucht vorgenommen wird und wo jeder aufgrund eines Selbstzeugnisses an allen Vorrechten der Gemeinschaft teilnehmen kann, kann die nachfolgenden Aussagen nicht für sich in Anspruch nehmen. Auch darf das gemeinsame Gebet keineswegs vernachlässigt werden.

„Wo“ – Der Ort

Im Judentum gab es einen bestimmten geografischen Ort, an dem Gott seinen Namen wohnen ließ und wo man gesegnet werden konnte (2. Mo 20,24). Dieser Ort war Jerusalem. Um heute die Gegenwart des Herrn zu erleben, kann man sich an jedem beliebigen Ort treffen. Egal, wo Gläubige auf der Grundlage von Gottes Wort versammelt sind, dürfen sie die Gegenwart des Herrn Jesus erleben. Sie sind keineswegs abhängig von einem prachtvollen Gebäude oder einem geweihten Ort.[2]

Wir sind geneigt, schnell eine konkrete Adresse zu nennen, wenn jemand nach dem Ort des Zusammenkommens fragt. Aber wir sollten nicht versäumen, klarzumachen, dass man zuallererst in der Heiligen Schrift den Ort suchen soll, sodass sich die Adresse dann hoffentlich automatisch ergibt, indem man sieht, dass die Grundsätze des Wortes Gottes auch an einem Ort verwirklicht werden.[3]

„Zwei oder drei“ – Die Anzahl

Um eine Synagoge zu gründen (das konnte auch in einem Privathaus sein), mussten wenigstens zehn Männer vorhanden sein. Um ein Zusammenkommen als Christen umsetzen zu können, ist die Mindestzahl jeder Gemeinschaft bereits ausreichend: zwei oder drei.

Der Herr sagt bezeichnenderweise nicht: Da, wo die ganze Versammlung versammelt ist, da bin ich in ihrer Mitte. Er erwähnt ausdrücklich die zwei oder drei, die in seinem Namen versammelt sind. Damit gibt er auch für die Tage des Verfalls und der Zersplitterung der Gläubigen eine Möglichkeit, sich nach seinen Gedanken zu versammeln und alle Vorrechte und Verantwortlichkeiten der Versammlung an einem Ort wahrzunehmen.

Daraus folgt auch: Die erste Priorität ist nicht, wie viele sich an einem Ort versammeln, sondern dass diejenigen, die sich versammeln, es in seinem Namen tun. Sie dürfen dann mit seiner Anerkennung rechnen.

„Versammelt sind“ – Die Tätigkeit

Die Gläubigen an einem Ort sollen sich versammeln. Dazu sind sie aufgefordert. Der Ausdruck „versammelt sind“ deutet allerdings auf die göttliche Kraft hin, die dabei tätig wird[4]. Das finden wir auch in 1. Korinther 5,4: „… wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid.“ Der Herr ist wie ein riesiger Magnet, der uns zu sich zieht. Er will die Gläubigen zu sich ziehen: „Versammelt mir meine Frommen“ (Ps 50,5).

Indem wir zu ihm kommen, kommen wir auch näher zueinander und erleben christliche Gemeinschaft. Es geht dabei in diesem Kontext allerdings um das Zusammenkommen „als Versammlung“ und nicht um Treffen von Gläubigen in einem privaten Rahmen. Es ist das Zusammenkommen zum Gebet (Mt 18; Apg 12), zum Brotbrechen (Lk 22; 1. Kor 10 und 11; Apg 20) und zur Erbauung (1. Kor 14; Apg 20). Es geht hier nicht um private Treffen und Treffen, die einen anderen Charakter haben (wie ein gemeinsamer Ausflug).

Wenn die Gläubigen an einem Ort versammelt sind, dann tun sie das auf der Grundlage, dass es auf der Erde nur eine Versammlung gibt, die aus allen wahren Gläubigen besteht. Dementsprechend nehmen sie dem Grundsatz nach alle Glieder des einen Leibes auf. Sie wissen, dass sie am Ort eine Repräsentation dieses einen Leibes, dieser einen Versammlung sind (vgl. Mt 16,18). Darum werden sie die Entscheidungen anderer Versammlungen, die sich in derselben Weise versammeln, anerkennen und nicht unabhängig handeln (Mt 18,18).

„In meinem Namen“ – Der Charakter des Zusammenkommens

Wenn wir uns in seinem Namen versammeln, dann setzt das seine Abwesenheit voraus, denn ansonsten würde es heißen: „Zu mir hin“. Gleichzeitig sehen wir, dass diese Art der Zusammenkunft seine persönliche Gegenwart sichert. Es ist aber nicht mehr die sichtbare Anwesenheit einer Person in Fleisch und Blut, wie die Jünger sie in diesem Augenblick erlebten, als der Herr zu ihnen redete.

Wenn wir zu ihm hin versammelt sind, dann wollen wir ihn sehen, wollen ihnen erleben, wollen von seiner Herrlichkeit beeimdruckt werden. Er ist der große Sammelpunkt und wir wünschen, dass alles nach seinem Willen geschieht.

Wenn wir uns zu seinem Namen hin versammeln, dann muss es in Übereinstimmung damit sein, was die Schrift über diese wunderbare Person offenbart hat. Es schließt auch aus, dass man einen menschlichen Namen als Grundlage für seine Glaubensüberzeugungen und für die Art des Zusammenkommens nennt.

„Da bin ich in ihrer Mitte“ – Der göttliche Mittelpunkt 

Der Herr Jesus wirkt dabei nicht nur unter den Gläubigen, die so versammelt sind, sondern er ist der Mittelpunkt. Er ist nicht „mitten unter ihnen“ (wie manches Mal übersetzt wird), wie einer von vielen, sondern Er ist in der Mitte. Die anwesenden Christen sind auf ihn ausgerichtet und erleben seine Führung und seinen Segen. Wie großartig ist es, das erfahren zu dürfen: Er ist persönlich in der Mitte![5]


Fußnoten:

  1. Die Gebete werden nur dann erhört, wenn sie mit dem Herrn übereinstimmen, und die Beschlüsse werden nur anerkannt, wenn sie den Willen des Herrn widerspiegeln.
  2. Natürlich sollte an einem Ort möglichst ein öffentlicher Raum für die Gläubigen und Menschen der Umgegend zugänglich sein.
  3. Man beachte in diesem Zusammenhang, wie Gott im fünften Buch Mose mehrfach von einem Ort gesprochen hat, wo Gott seinen Namen wohnen lassen würde – dass er aber nicht ausdrücklich von Jerusalem geredet hat. Der Ort sollte in Abhängigkeit von ihm gesucht werden. Siehe 5. Mose 12,11 etc.
  4. Die griechische Perfektform zeigt hier einen Zustand an, es ist also charakteristisch.
  5. Das ist eine besondere und gemeinsame Erfahrung, die wir von seiner erlebten Nähe nach Matthäus 28,20 unterscheiden sollten.