Mephiboseth wurde von David dazu berufen, „wie einer von den Königssöhnen“ an seinem Tisch zu essen (2. Sam 9,11). Das ermutigt uns, uns anhand des Beispiels von Mephiboseth einige Gedanken über Sohnschaft zu machen.

Gottes ewiger Vorsatz

David hatte Jonathan geschworen, Güte an seinen Nachkommen zu erweisen, bevor Mephiboseth geboren war (1. Sam 20,14–17). David hielt Wort und erwies Güte an Jonathans Sohn Mephiboseth (2. Sam 9,3). Diese zuvor geschworene Güte umfasste das Sitzen an seinem Tisch „wie einer von den Königssöhnen“. – Daraus lernen wir, dass der Gedanke Gottes, Menschen in in die Stellung von Söhnen zu bringen, schon von Ewigkeit her im Herzen Gottes ist (vgl. Eph 1,4.5). Und Er hat es sich nicht nur vorgesetzt, Er hat es auch ausgeführt – wir sind Söhne Gottes (Röm 8,14).

Sohnschaft ist eine Stellung

Mephiboseth wurde von David in die Stellung „wie einer von den Königssöhnen“ gebracht. Das hatte nichts mit Abstammung zu tun. Mephiboseth war nicht von Geburt ein Sohn Davids. Er wurde sozusagen adoptiert. Es war der Wille Davids, dass Mephiboseth nicht wie ein Knecht, sondern wie ein Sohn behandelt werden sollte. – Sohnschaft ist eine Stellung, in die Gläubige der Gnadenzeit von Gott gebracht sind (vergleichbar mit Adoption). Gott wollte uns nicht zu Engeln, nicht zu Knechten, sondern zu Söhnen machen, mit allen Vorrechten, die damit verbunden sind (vgl. Gal 4,7).

Sohnschaft heißt auch Erbschaft

Mephiboseth bekam von David die Felder Sauls zugesprochen. Sicher ein üppiges Erbteil. – Auch für uns ist die Sohnesstellung eng mit dem Gedanken des Erbteils verbunden (vgl. Gal 4,7; Eph 1,11). Gott hat dem Herrn Jesus das ganze Universum zur Herrschaft als Erbteil übergeben. Und der Herr Jesus wird die Söhne Gottes, seine Miterben, an diesem Erbteil beteiligen. Wir werden mit Ihm herrschen.

Mitwisser der Geheimnisse Gottes

Als Mitglied der Tafelrunde Davids nahm Mephiboseth auch an den geheimen Gesprächen des Königs teil, denn die Königssöhne waren seine vertrauten Räte (2. Sam 8,18). – Und auch uns als seinen Söhnen hat Gott das Geheimnis seines Willens kundgetan, hat uns eingeweiht in seine Pläne mit dieser Erde (Eph 1,9.10). Von Söhnen kann Er erwarten, dass sie an allem größtes Interesse haben, was Er sagt und tut und noch tun wird.

Gemeinschaft

Der Tisch des Königs, an dem Mephiboseth „wie einer von den Königssöhnen“ beständig seinen Platz haben sollte, steht für Gemeinschaft mit David. – Durch den Empfang des ewigen Lebens und des Heiligen Geistes, des „Geistes der Sohnschaft“, sind wir befähigt, Gemeinschaft mit göttlichen Personen zu genießen. Wir sind in die Gemeinschaft des Sohnes Gottes berufen, und das bedeutet, dass wir ein gemeinsames Teil mit dem Sohn Gottes haben. Und was teilen wir mit dem Sohn? Den Vater! Als Söhne dürfen wir zu Gott, unserem Vater, Vertrauen haben und „Abba, Vater“ sagen, so wie es der Herr Jesus als Mensch auf der Erde auch zu seinem Vater gesagt hat (Röm 8,15; Gal 4,6; Mk 14,36).

Unser Verhalten als Söhne

Wenn Mephiboseth den Platz „wie einer von den Königssöhnen“ bekam, dann musste er sich auch entsprechend verhalten. Der Test kam, als es um die Felder ging, die Ziba ihm betrügerisch entwendet hatte. Aber Mephiboseth war sich der Würde seiner Berufung bewusst, dass der König ihn unter die gesetzt hatte, die an seinem Tisch essen, und verzichtete auf den Streit um die Felder (2. Sam 19,25–31). – Und der Epheserbrief, der uns in Kapitel 1 über unsere Stellung als Söhne belehrt, ermahnt uns in Kapitel 4, dass wir würdig unserer Berufung wandeln sollen. Und dazu gehört auch, dass unser Leben frei von Zorn, Wut, Bitterkeit und Habsucht sein soll. Alle diese schlechten Empfindungen hätten Mephiboseth in Bezug auf Ziba beseelen können. Aber sie passten nicht zu seiner Stellung. Und sie passen auch nicht zu der unfassbaren Würde, in die Gott uns gebracht hat als seine Söhne. Sind wir uns dessen immer bewusst?