Jemand sagte einmal: „Der Mensch ist ein Geschöpf, das Samen sät.“ Damit ist der Mensch von allen anderen Geschöpfen abgegrenzt, denn der Schöpfer hat ihn mit Verstand und Weisheit ausgestattet, selbstständig Frucht aus der Erde hervorzubringen.
Jesaja 28,23–29 zeigt uns darüber hinaus, dass Gott selbst den Menschen gelehrt hat, wie man Ackerland bebaut – und dass Er es getan hat, um dem Menschen Anschauungsunterricht über seine Regierungswege mit uns zu geben. Wollen wir das mal zu Ohren nehmen, was Gottes Stimme dazu zu sagen hat und auf seine Rede hören (Jes 28,23)?
Zuerst wird beschrieben, wie der Ackerbauer den Boden für die Saat vorbereitet. Er pflügt, furcht und eggt. Er weiß, wie der Boden beschaffen sein muss, um den Samen aufzunehmen. Das, was zerstörerisch und „schmerzhaft“ wirkt, macht den Boden weich, locker und feinerdig. Wenn der göttliche Ackerbauer mit Pflug und Egge schmerzhafter Lebenssituationen durch unser Leben fährt, dann hat Er immer Gutes im Sinn: Er möchte uns zubereiten, sein Wort aufzunehmen, und hat immer die Frucht der Verherrlichung Gottes im Blick. Wenn die Brocken des Ackerbodens durch Pfügen und Eggen klein und kleiner werden, dann zeigt uns das, dass das Wort Gottes mit einer demütigen Gesinnung aufgenommen werden muss. Aber „furcht und eggt er den ganzen Tag sein Ackerland?“ (Jes 28,24). Nein, seine Erziehung ist immer abgemessen, dauert nur so lange, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Was entsteht, ist eine „ebene Fläche“. Eigenwille, Unruhe, Herzenshärte und störende Eigenarten, die die Aufnahme des Wortes verhindern, sind beseitigt.
Dann wird der Same gesät – mit unterschiedlichen Methoden. Das eine wird gestreut, das andere reihenweise ausgeworfen. Gerste kommt auf ein abgestecktes Stück und Hartweizen an den Rand. Unser Gott weiß, wie Er unsere Herzen erreichen kann. Mal benutzt Er eine Predigt, mal eine Wortbetrachtung, mal unsere tägliche Bibellese, mal ein gezieltes Studium. Manchmal brauchen wir eine bestimmte Botschaft immer wieder, weil Gott ein „abgestecktes Stück“ in unserem Leben bearbeiten möchte; manchmal ist es nur die Bemerkung „am Rand“ eines Gesprächs, die uns trifft. Der, der den Menschen „zum richtigen Verfahren unterwies“ (Jes 28,26), hat auch für unsere Herzen zur richtigen Zeit die passende Methode.
Dann kommt die Ernte, und auch die geschieht mit Verstand. Die weichen Kräuterpflanzen werden (wurden) nicht gedroschen, sondern mit Stab und Stock geerntet. Das Brotkorn braucht den Dreschschlitten, aber es darf nicht zermalmt werden. Auch wenn es darum geht, dass das Wort Gottes in unserem Leben entsprechende Früchte hervorbringt, braucht es in den Erziehungswegen Gottes manchmal besondere Maßnahmen, die nicht immer angenehm sind. Aber auch das geschieht immer mit Weisheit, Vorsicht und Maß. Nie wird uns das Handeln Gottes „zermalmen“. Er will nur die Schale vom Korn trennen, um es nutzbar zu machen. Ihm geht es immer um geistliche Früchte, um Ausharren, um Freude. Er möchte sein Wesen in uns hervorbringen zu seiner Verherrlichung.
Möchten wir lernen, hinter allem, was in unserem Leben geschieht, die weise Hand des göttlichen Landmanns zu sehen: „Auch dies geht aus von dem Herrn der Heerscharen; er ist wunderbar in seinem Rat, groß an Verstand“ (vgl. Jer 32,19). Lasst uns Ihm vertrauen.
Und wenn Er uns beteiligen will an der Arbeit auf seinem Ackerfeld, dann lasst uns diese Prinzipien beachten, „unterwiesen“ und „belehrt“ von Gott „zum richtigen Verfahren“, „damit es den Hörenden Gnade darreiche“ (Eph 4,29).
