Der Teufel und die Maslow-Methode

Online seit dem 02.01.2008, Bibelstellen: Lukas 4,1-14

Abraham Maslow (amerikanischer Psychologe) entwickelte das nach ihm benannte Modell der Bedürnishierarchie, in dem die Motivation eines Menschen in Form einer Pyramide dargestellt ist. Basis (unterste Stufe) bilden dabei die körperlichen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlaf und körperliches Wohlbefinden. Hat ein Mensch diese Stufe befriedigt, strebt er nach den jeweils nächsthöheren Stufen Sicherheit, soziale Beziehungen, soziale Anerkennung und zuletzt der Selbstverwirklichung.

Diese Bedürfnispyramide wird sehr häufig verwendet, um das Streben des Menschen zu erklären und speziell im Bereich Marketing auch für den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen erfolgreich (aus) zu nutzen. Es funktioniert immer wieder hervorragend.  

Nach diesem Muster arbeitet auch Satan seit Jahrtausenden erfolgreich bei der Verführung der Menschheit. Spätestens auf der letzten Stufe hat er eine Seele fest im Griff. Ein Mensch, der auf dem Trip der Selbstverwirklichung angekommen ist, braucht keinen Gott mehr.

Nach diesem Muster trat Satan auch an unseren Herrn heran. In Lukas 4,1–14 finden wir einen hungrigen Herrn. Er war vollkommen Mensch und empfand den Hunger nach vierzig Tagen nicht als eine Nebensache, auch wenn er in der Kraft des Geistes Gottes herumgeführt wurde. Nun kommt Satan und versucht ihn, indem er ihn auffordert, aus einem Stein Brot zu machen und so sein körperliches Grundbedürfnis zu stillen (unterste Stufe). Sicher hätte unser Herr das in seiner göttlichen Macht tun können, doch er hätte es dann auf das Geheiß Satans und nicht in Abhängigkeit von seinem Gott getan. Wie groß steht unser Herr da, als er Satan antwortet, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern von jedem Wort Gottes. Wie wurde Gott durch diese Antwort geehrt!  

Dann versucht Satan es auf der nächsten Stufe. Welch eine „Television“ dort auf dem hohen Berg –  alle Reiche der Erde in einem Augenblick! Und dann das Angebot des Fürsten dieser Welt, ihm alle Gewalt und Herrlichkeit zu geben, wenn er nun vor ihm anbeten wolle. Wir schrecken zurück bei der Vorstellung, dass der Herr Satan huldigt. Doch wie viele Menschen sind in diese Position gegangen, weil Satan ihnen nur einen Bruchteil dieser Gewalt und Herrlichkeit in Aussicht gestellt hatte. Und unser Herr? Wieder eine vollständige Unterordnung unter die Autorität seines Gottes! Ein Verweis auf Gottes Gebot in 5. Mose 6,13: nur Gott allein gebührt Anbetung und Dienst. Kein Angebot von noch so großer menschlicher Sicherheit, sozialen Beziehungen oder sozialer Anerkennung (mittlere Stufen) konnten ihn anfechten, einem anderen unterwürfig zu sein als seinem Gott. Welche Freude, welches Wohlgefallen wird Gott der Vater an seinem Sohn gehabt haben, als er ihn diese Worte reden hörte.   Als Letztes – so wie Lukas das darstellt, indem er die moralische Reihenfolge wählt – versucht es Satan nun mit der Selbstverwirklichung (oberste Stufe). Was sollte es für einen Sinn haben, sich von der Zinne des Tempels herabzustürzen, als nur diesen, dass nach einem „gut überstandenen“ Sturz von dieser Höhe klar wäre, dass er wirklich Gottes Sohn wäre? Wie hinterhältig, dies mit Gottes Wort selbst zu begründen. Doch unser Herr bleibt auch hier als Mensch in seiner Abhängigkeit von Gott. Wie einfach klingt der Hinweis: „Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen“.  

Der Satan ist mit seiner Versuchung zu Ende, ohne Erfolg. Seine Taktik ist nicht aufgegangen. Unser Herr ist nicht einen Millimeter aus der Abhängigkeit von seinem Gott gewichen. Die teuflische Variante der „Maslow-Methode“ hat versagt.

Welch ein Vorbild ist unser Herr für uns, wie er Gott mit seinem ganzen Herzen, seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft liebte. Wenn wir ihn so sehen, können wir uns vielleicht etwas besser vorstellen, was der Vater meinte, wenn er kurz zuvor den Himmel öffnete und seinem Sohn bezeugte: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Lk 3,22).

Matthias Caspari