Das Verhältnis des Christen zum Gesetz ist kein einfaches Thema. Hier ein paar Gedanken dazu:
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Es wird oft davon gesprochen, dass wir Christen unter einem moralischen Gesetz stünden. Wir müssen zunächst festhalten, dass das keine biblischen Formulierungen sind. Oft stecken hinter unbiblischen Ausdrücken auch unbiblische Denkgewohnheiten (natürlich nicht immer, man denke an Dreieinheit Gottes, die eine biblische Wahrheit auf den Punkt bringt, auch wenn der Begriff so in der Schrift nicht vorkommt). Die Schrift spricht von dem Gesetz – und davon, dass wir nicht darunterstehen (Röm 6,14).
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Ein Christ lebt sicher nach dem göttlichen Licht, das er hat, und schöpft aus den Belehrungen der ganzen Bibel, wozu auch das Gesetz Mose gehört. Das ist zweifellos so. Er hat moralische Verpflichtungen. Aber es geht um die Frage, ob die Beziehung des Christen zu Gott durch das Gesetz geregelt wird oder nicht. Und das ist eindeutig nicht der Fall. Wir sind dem Gesetz getötet worden (Röm 7,4). Wir dürfen das Gesetz nicht mit den Pflichten verwechseln, die wir natürlich Gott gegenüber haben (und die in dem Gesetz teilweise und im Christentum vollständig dargestellt sind).
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Das Gesetz wird in der Schrift als etwas Ganzes gesehen. Es gibt kein moralisches Gesetz und daneben ein zeremonielles Gesetz. Allerdings können wir den Charakter der einzelnen Gebote schon unterscheiden. Die zeremoniellen Gebote kann der Mensch im Fleisch (an den sich das Gesetz richtet) einhalten, wenn auch nur mit größter Mühe. Den moralischen Anforderungen wird er aber nicht gerecht und er kann es auch nicht (Röm 8). Das, was zum Leben bestimmt ist, erweist sich als zum Tod (Röm 7).
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Das Gesetz bringt Fluch über jeden Menschen, der es nicht hält (Gal 3,10). Christen können sich nicht unter das Gesetz stellen und diesen Fluch leugnen. So schwächt man die Autorität des Gesetzes. Wer unter dem Gesetz steht, ist verflucht.
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Das Gesetz verurteilt Sünden. Aber in seiner tieferen Bedeutung verurteilt das Gesetz auch die Sünde (die böse Natur). Denn das Gesetz sagt: „Lass dich nicht gelüsten.“ Paulus von Tarsus hatte ein gutes Gewissen, wenn er an seinen äußeren Wandel und an die Forderungen des Gesetzes dachte (Phil 3). Aber wenn das Gesetz die Lust bewirkt, bringt das Gesetz den Tod und zerstört die Selbstzufriedenheit (Röm 7,7–11). Das Gesetz richtet alles, was der Mensch moralisch ist: Taten, Begierden, Wille.
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Wir brauchen als Christen nicht zuerst Regeln für das, was Recht und Unrecht ist; wir benötigen Motive und Kraft für die neue Natur. Das kann uns das Gesetz Moses nicht liefern. Das finden wir in Christus. Er ist Leben, Antrieb und Vorbild. Wir gehören ihm und folgen ihm als solche, die durch den Tod und die Auferstehung aus dem Bereich des Gesetzes herausgetreten sind. Christus wird durch den Geist nun auf unsere Herzen geschrieben, was in 2. Korinther 3 im Gegensatz zu den Buchstaben des Gesetzes, die in Stein eingegraben waren, gebracht wird. Die Liebe zu Christus und die Schönheit, die man in ihm sieht, führen uns dahin, ihm ähnlich sein zu wollen.
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Es wird davon gesprochen, dass das Gesetz eine Darstellung des göttlichen Charakters sei. Aber das ist grundlegend falsch. Wie sollte Gott, in Ehrfurcht gesprochen, seinen Nächsten lieben wie sich selbst? Gott hat in seiner Liebe gehandelt, ohne dass es ein würdiges Objekt gab. So hat er seinen Sohn gegeben. Das Gesetz aber zeigt Verpflichtungen des Geschöpfes an und ist keine vollständige Offenbarung Gottes. Die haben wir Christen in Christus.
[Diese Gedanken wurden zusammengestellt aus Collected Writings, Band 10 (Doctrinal) von John Nelson Darby.]
