Viele sind verunsichert durch das, was in dem Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht steht: „Und sein Herz wurde zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergebt“ (Mt 18,34.35). Man hat dieses Überliefern an die Peiniger mit der ewigen Verdammnis in Verbindung gebracht und dann daraus abgeleitet, dass Gläubige wieder verloren gehen können.

Das Gleichnis 

In dem Gleichnis geht es um einen König, der mit seinen Knechten Abrechnung hält. Ein Knecht hat eine Millionenschuld, die er nie zurückzahlen kann, und der König erlässt ihm das Darlehen. Dieser begnadigte Knecht findet daraufhin einen Mitknecht, der ihm einige Hundert Euro schuldet und sie nicht bezahlen kann. Anstatt Gnade zu zeigen, lässt er ihn ins Gefängnis werfen. Der König hört davon und lässt den bösen Knecht auch ins Gefängnis bringen, wo Peiniger auf ihn warten.

Um das Gleichnis richtig einordnen zu können, müssen wir erstens verstehen, dass es um das Reich der Himmel geht. Das Reich der Himmel ist die Christenheit, wo die Autorität Gottes und des Herrn Jesus gekannt wird. Da gibt es Menschen, die nur äußerlich Christen sind, und Menschen, die wirklich Christen sind. Die einen sind die guten Knechte, das andere sind die bösen Knechte.

Zwei große Grundsätze

In diesem Reich der Himmel (in seiner gegenwärtigen verborgenen Form) gibt es zwei große Grundsätze, die für jeden gelten, der sich Christ nennt: da ist die Gnade Gottes und die Autorität Gottes. Im Reich der Himmel wird die Gnade gekannt. Eine Gnade, die alles vergibt. Wer diese Gnade und Barmherzigkeit verstanden hat, wird auch selbst Gnade anderen gegenüber zeigen. Wer das nicht tut, bekommt es mit der Autorität Gottes in seiner Regierung auf der Erde zu tun. Gott bringt böse und unbarmherzige Knechte in Schwierigkeiten, in die sie andere gebracht haben, damit sie Buße tun und die Gnade für Sünder annehmen. Er bringt aber auch wahre Jünger in Schwierigkeiten, die in Einzelfällen ebenfalls unbarmherzig sein können. Durch die göttlich bewirkten Schwierigkeiten sollen sie dahin gebracht werden, die Sache zu ordnen und die praktische Gemeinschaft mit Gott wiederherzustellen. Das ist das, was der Herr mit Matthäus 18,35 im Auge hat.

Die Überlieferung ins Gefängnis 

Die Überlieferung ins Gefängnis kann in diesem Kontext kein Bild der ewigen Verdammnis sein. Und zwar aus zwei Gründen:

  1. Der böse Knecht hat seinen Mitknecht ins Gefängnis werfen lassen (Mt 18,30). Das bedeutet übertragen: Er hat jemanden auf der Erde in Probleme gebracht. Das hat nichts mit der Hölle zu tun, da können wir niemanden hineinwerfen. Und wenn der böse Knecht vom König den „Peinigern“ überliefert wird (also den Folterknechten im Gefängnis), dann muss sich das genauso auf die Erde beziehen.
  2. Es wird ein Ende der Strafe angedeutet: „Bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe.“  Dieser Gedanke, dass die Schuld verschwinden könnte, passt nicht zu der ewigen Pein. In der Hölle kann nämlich gar nichts mehr in Ordnung gebracht werden.

Diese Stelle in Matthäus 18 hat nichts damit zu tun, dass Gläubige verloren gehen können. Sie zeigt aber sehr ernst, dass wir dann, wenn wir die Gnade Gottes nicht ausleben, die Autorität Gottes in Zucht erleben müssen. Lasst uns daher stets von Herzen vergeben!