Die Schrift spricht sowohl von dem Frieden, den Christus auf der Erde erlebte, als auch von dem Frieden, den Gott im Himmel besitzt. Das Wunderbare ist, dass wir den Frieden des Christus und den Frieden Gottes in allen Umständen selbst erfahren dürfen.

Der Friede Christi

„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ (Joh 14,27).

Als der Herr Jesus diese Worte sprach, stand Er unmittelbar davor, verhaftet und gekreuzigt zu werden. Dennoch war Er voller Liebe um seine Jünger bemüht, die ängstlich und traurig waren. Wenn Er nicht mehr in ihrer Mitte sein würde, was sollte aus ihnen werden? Wer würde ihnen dann Mut zusprechen, ihnen Trost spenden? In solche Fragen hinein verheißt der Herr ihnen Frieden, wie sie ihn vorher nicht gekannt haben.

Erstens würde der Herr ihnen Frieden lassen. Das ist der Friede mit Gott, den jeder empfängt, der durch den Glauben an das vollbrachte Erlösungswerk gerechtfertigt wird (Röm 5,1.2). Das Verhältnis zu Gott ist in Ordnung gebracht und jede Entfremdung ist überwunden: Das Gewissen hat Frieden.

Zweitens würde der Herr den Jüngern seinen Frieden schenken. Sie würden jenen Frieden im Herzen tragen, den Jesus selbst genossen hatte.[1] Die Jünger wussten sehr genau, wovon der Meister sprach. Sie hatten gesehen, mit welcher Ruhe Er schlief, als die Naturgewalten tobten und das Fischerboot auf dem See Genezareth sich mit Wasser füllte (Mt 8,23–27). Sie wussten, wie Er den Vater preisen konnte, auch wenn die Menschen Ihn trotz seiner herrlichen Wunderwerke kalt ablehnten (Mt 11,20–30). Und mehr als einmal hatten sie erlebt, mit welch erhabener Ruhe Er den Mächten des Bösen begegnete (Mk 5,1–20). Wenn wir Christus in den Evangelien betrachten, sehen wir in Ihm das Vorbild und den Maßstab für den Frieden in unseren Herzen.

Die Welt bietet einen Frieden an, der nur herbeigeredet ist, oberflächlich bleibt und auch sehr schnell in Angst und Schrecken umschlägt (vgl. Jer 6,14; 8,11). Christus hingegen schenkt uns seinen Frieden, der das Herz wirklich verändert. Wenn wir in Ihm zur Ruhe kommen, brauchen wir kein verzagtes Herz zu haben, und es wird auch nicht durch plötzliche Unglücke erschreckt.

Der Friede Gottes

„Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus“ (Phil 4,6.7).

Wir sollen um nichts besorgt sein, sondern aus allem ein Gebet machen. Alles, was uns beschäftigt, bringen wir mit Danksagung vor Gott. Es ist unser Wunsch, dass Er unsere Gebete erhört und wir seine Hilfe empfangen. Nicht immer reagiert Gott sofort auf unsere Gebete, wie wir es wünschen. Doch eins schenkt Er uns unmittelbar: seinen Frieden. Es ist der Friede, den Gott selbst besitzt.

Gott sitzt auf seinem Thron in majestätischer Erhabenheit und Ruhe. Nichts erschüttert Ihn, ganz gleich, was auf der Erde geschieht. Sein Friede wird nicht durch gewaltige Naturkatastrophen, blutige Kriege oder das Wüten des Satans angetastet. Wenn die Grundpfeiler auf der Erde umgerissen werden, wankt der Thron in seinem heiligen Palast keinen Augenblick (vgl. Ps 11,3.4).

Und gerade dieser Friede, den der große Souverän hat, wird in kleine, zittrige Menschenherzen gegossen! Wir werden ruhig, weil wir verstehen: Alles ist in seiner Hand und niemand kann seine Pläne durchkreuzen. Sein Friede wird unser Friede! Dieser göttliche Friede übersteigt jeden Verstand und entzieht sich den Erklärungsversuchen sterblicher Menschen – und doch ist er erfahrbar.

Der Friede Gottes bewahrt oder bewacht unser Herz und unseren Sinn. Die mächtige Kraft des göttlichen Friedens beschützt unsere Gedanken („Sinn“) vor törichten Überlegungen und unsere Gefühle („Herzen“) vor schmerzlichen Irritationen. So bleibt die Tür für Verbitterung oder Verzweiflung wirksam verschlossen.

Zusammenfassung

Der Friede Christi lässt uns gelassen durch die Umstände gehen. Wir beschäftigen uns damit, wie der Herr auf der Erde Frieden genossen und ausgestrahlt hat, und erleben dasselbe in der Gemeinschaft mit Ihm.

Der Friede Gottes erhebt uns über die Umstände. Wir beten zu Gott im Himmel und wissen, dass Er alles unter Kontrolle hat. In diesem Vertrauen können wir so unerschütterlich sein wie sein Thron.

[Aus: Im Glauben leben]


Fußnoten:

  1. In Johannes 20,19–21 sehen wir, wie der Herr den Jüngern nach seiner Auferstehung diesen zweifachen Frieden zuspricht. Da ist erstens der Frieden des Gewissens, der sich unmittelbar auf das gründet, was der Herr am Kreuz getan hat. Da ist zweitens der Frieden des Herzens, der auf dem Weg der Gemeinschaft und des Gehorsams erlebt wird. Nach dem Herabkommen des Heiligen Geistes am Pfingsttag kann dieser zweifache Frieden vollumfänglich genossen werden.