„Und sie war in der Seele verbittert, und sie betete zu dem HERRN und weinte sehr. Und sie tat ein Gelübde und sprach: HERR der Heerscharen, wenn du das Elend deiner Magd ansehen und meiner gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst, und wirst deiner Magd einen männlichen Nachkommen geben, so will ich ihn dem HERRN geben alle Tage seines Lebens; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen. Und es geschah, als sie lange vor dem HERRN betete, dass Eli ihren Mund beobachtete. Hanna aber redete in ihrem Herzen; nur ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Stimme wurde nicht gehört; und Eli hielt sie für eine Betrunkene. Und Eli sprach zu ihr: Bis wann willst du dich wie eine Betrunkene gebärden? Tu deinen Wein von dir! Aber Hanna antwortete und sprach: Nein, mein Herr, eine Frau beschwerten Geistes bin ich; weder Wein noch starkes Getränk habe ich getrunken, sondern ich habe meine Seele vor dem HERRN ausgeschüttet“ (1. Sam 1,10–15).
Hanna hatte eine große Not: Sie wünschte sich sehnlichst einen Sohn, aber der Herr hatte ihren Mutterleib verschlossen. Hinzu kam, dass sie von Pennina, der Nebenfrau ihres Mannes, immer wieder herabgesetzt und beleidigt wurde. Pennina, ihre „Widersacherin“, hatte Kinder, aber Hanna war bis dahin kinderlos. Obwohl ihr Mann sie aufrichtig liebte, verstand er sie nicht. Das führte schließlich dazu, dass sie in ihrer Seele verbitterte. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an den Herrn und brachte Ihm ihre Not im Gebet. Die Art und Weise, wie sie betete, ist bemerkenswert und auch äußerst lehrreich für uns.
- Sie betete zu der richtigen Person: Sie betete zu dem HERRN (1. Sam 1,10).
- Sie betete eindringlich: Sie weinte sehr dabei (1. Sam 1,10).
- Sie betete demütig: Sie bezeichnete sich als eine Magd (1. Sam 1,11).
- Sie betete konkret: Sie betete um einen Sohn (1. Sam 1,11).
- Sie betete anhaltend: Sie betete eine lange Zeit (1. Sam 1,12).
- Sie betete innig: Ihr Herz war involviert (1. Sam 1,13).
- Sie betete rückhaltlos: Sie schüttete ihr Herz aus (1. Sam 1,15).
Der Herr erhörte das Gebet Hannas: Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, dem sie den Namen Samuel („von Gott erhört“) gab (1. Sam 1,20). Aber schon davor hatte sich ihr Gebet positiv auf ihr Befinden ausgewirkt. Es hatte sie verändert, denn wir lesen:
„Und die Frau ging ihres Weges und aß, und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe“ (1. Sam 1,18).
Die große innere Not hatte Hanna derart belastet, dass sie in ihrer Seele verbitterte, weinte und vor Traurigkeit nicht mehr aß (1. Sam 1,7.10). Aber sobald sie ihr Herz vor dem Herrn ausgeschüttet hatte, zeigte sich eine deutliche Veränderung in ihrem Leben, obwohl sich an ihren Umständen bis dahin (noch) nichts geändert hatte. Aber ihr Herz hatte sich verändert. Und das zeigte sich in ihrem Leben: Zum einen war sie wieder in der Lage, ihren täglichen Aufgaben und Verpflichtungen nachzugehen („sie ging ihres Weges“). Zum anderen aß sie wieder und auch ihr Gesichtsausdruck war ein anderer geworden. Statt Traurigkeit spiegelte er jetzt Freude wider (Ps 34,6). In Philipper 4,6.7 fordert Paulus uns auf: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.“ Das erfuhr Hanna, und auch wir können es erleben, wenn wir unsere belasteten und mit Sorgen erfüllten Herzen vor Gott ausschütten.
