Die Berichte über die niedergerissene Mauer und die abgebrannten Tore in Jerusalem hatten Nehemia so mitgenommen, dass er sich setzte, weinte und tagelang Leid trug. Sein Gebet endete mit der konkreten Bitte: „Lass es doch deinem Knecht heute gelingen und gewähre ihm Barmherzigkeit vor diesem Mann“ (Neh 1,11). Es ist beachtlich, dass Nehemia Gott nicht konkret vorschlägt, in welcher Form ihm diese Barmherzigkeit des Königs gewährt werden sollte. Offensichtlich wollte er die Art und Weise Gott überlassen.
Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass er um Gelingen für „heute“ betet. Aus Nehemia 1,1 und Nehemia 2,1 kann man schließen, dass Nehemia Gott diese Bitte wohl über einen Zeitraum von vier Monaten vortrug. Und immer wieder betete er: „Heute“. War es denn nicht im Glauben oder in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes gebetet? Schließlich tat sich vier Monate lang gar nichts. Doch, das Gebet war ebenso wohlgefällig wie glaubensvoll. Aber trotzdem kam die Erhörung nicht sofort. Es kam weder Ja noch Nein als Antwort von Gott. Nehemia interpretiert das Schweigen Gottes als: „Warte!“, und ließ sich nicht entmutigen, weiter für „heute“ zu beten. Irgendwann kam der Tag, da war „Heute“ wirklich heute. Der König beurlaubte Nehemia, sodass dieser sich an die große Aufgabe des Wiederaufbaus begeben konnte.
Vielleicht betest du schon lange für eine Sache. Immer wieder bringst du diesen Wunsch vor, dass der ungläubige Verwandte sich heute bekehrt, dass du heute Klarheit über eine Sache bekommst, dass sich heute die Schwierigkeit ändert, dass heute der Streit zwischen Geschwistern endet, oder heute ein Kind von einem falschen Weg umkehrt. Die Tatsache, dass sich noch nichts getan hat, heißt nicht, dass du nicht glaubensvoll gebetet hast oder die Bitte dem Herrn nicht wohlgefällig ist. Bete weiter: „Heute“. Vertraue und warte.
Irgendwann kommt der Tag, an dem Gott aus deinem „Heute“ sein „Heute“ macht.
